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    Marktheidenfeld

    Udo-Jürgens-Abend: Aus dem täglichen Einerlei ausbrechen

    Eine Stimme, ein Klavier und ein überzeugendes Bühnenprogramm, Michael von Zalejski im Keller des Franck-Hauses.
    Eine Stimme, ein Klavier und ein überzeugendes Bühnenprogramm, Michael von Zalejski im Keller des Franck-Hauses. Foto: Martin Harth

    Gerne käme er nach Marktheidenfeld, sagte der Hannoveraner Michael von Zalejski am Samstagabend im historischen Weinkeller des Franck-Hauses. Ihm gefielen das Städtchen und die stimmungsvollen Auftrittsorte. Dass dies für den Sänger und Pianisten auch so bleiben wird, dafür sorgten rund 70 aufmerksame Gäste, die zur Hommage "Merci Udo" gekommen waren.

    Wie oft ist Udo Jürgens als Schlagersänger tituliert worden. Dass dies dessen künstlerischer Persönlichkeit und Leistung nicht gerecht wird, verdeutlichte von Zalejski mit seinen eigenen Interpretationen der vertrauten Hits aus über 50 Musikalben des Österreichers und nahezu 60 Jahren auf der Bühne. Aber es kamen vor allem auch weniger bekannte Songs im Franck-Haus zum Tragen. Sie hoben den Chanson-Charakter vieler Texte und Kompositionen hervor.

    Dabei verließ sich von Zalejski auf sein sicheres Gespür für den direkten Draht zum Publikum und eine humorvolle Moderation. Gerne gerät der Interpret dabei auch ein wenig ins Erzählen und schweift auch etwas ab. Übel hat ihm das aber keiner genommen. Denn der Sänger überzeugt mit seiner wandelbaren Stimme von gefühlvoll bis kräftig und so wurde es auch verstanden, dem E-Piano ganz individuelle Noten zu entlocken. Das Programm und die Songs sitzen einfach.

    Was sollte man von diesem Abend erwarten - Michael von Zalejski machte es deutlich. Es gehe um das Gefühl, eben um jene Emotionen, die in einem guten Lied wie in einem guten Bild die Menschen bewegen und ansprechen. Und dazu bemühte Udo Jürgens viele Farben und Töne, im steten Wechsel von zart nachdenklich und sentimental hin zu heiter, satirisch und gesellschaftskritisch. Damit sind seine Lieder irgendwie zeitlos geworden. Sie übergreifen Generationen und Milieus mit Geschichten, die das Leben so schreibt.

    Das Publikum im Franck-Haus-Keller folgte dem Programm gerne, sang und ging mit. Da wurde über das "Ehrenwerte Haus" und das "Weichei" geschmunzelt. Der vertraute Hit "Griechischer Wein" gewann seinen ursprünglichen Charakter in langsamer Interpretation als Klage über das Leben in der Fremde.

    Eine Stimme, ein Klavier und ein überzeugendes Bühnenprogramm, Michael von Zalejski im Keller des Franck-Hauses.
    Eine Stimme, ein Klavier und ein überzeugendes Bühnenprogramm, Michael von Zalejski im Keller des Franck-Hauses. Foto: Martin Harth

    Bewegt und bewegend stellte von Zalejski die Kindheitserinnerungen "Damals wollt ich erwachsen sein" oder "Ich will mit Dir einen Drachen bauen" vor. Zu einem kleinen Meisterwerk geriet eines der letzten Chansons des vor fünf Jahren verstorbenen Bühnenstars Udo Jürgens: "Wohin geht die Liebe, wenn sie geht".

    "Die Welt braucht Lieder" – dieser Titel könnte als Motto über diesen Konzertabend stehen. An dessen Ende setzte von Zalejski natürlich ein Hit-Medley zum Mitfühlen, -feiern und -singen. "Mit 66 Jahren", "Siebzehn Jahr, blondes Haar" oder "Aber bitte mit Sahne" weckten vor allem auch Erinnerungen. Und bei den Zugaben nach begeistertem und stehendem Applaus durfte das hymnische "Ich war noch niemals in New York" natürlich auf gar keinen Fall fehlen, denn schließlich träumt doch jeder davon, einfach einmal aus dem täglichen Einerlei auszubrechen.

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