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    Lohr

    »Umweltschutz kann so einfach sein«

    Torsten Ruf entfernt in seinem ökologischen Garten eine Quecke, die sonst andere heimische Pflanzen verdrängen würde. Foto: Frank Zagel

    Eine ökologische Begehung mit Torsten Ruf hat für jeden seiner Begleiter immer ihren ganz persönlichen Reiz. Egal ob diese im Naturschutzgebiet am Romberg oder an einem seiner Lieblingsplätze in Lohr, der Wöhrde, stattfindet – der passionierte Umweltschützer findet seine Freude stets im Detail.

    So auch bei der spontanen Begehung in seinem kleinen ökologischen Garten an Rufs Elternhaus, den er ganz unaufgeregt im Laufe der letzten Jahre zu einem Biotop umgewandelt hat – mit seiner ganz persönlichen Handschrift.

    Nistplatz für Insekten

    Aus dem einstigen Gartenteich wurde ein Mikrohabitat, das sich mit seiner strukturlosen Fläche, den Steinen, Hölzern und natürlichen Gräsern zu einem Nistplatz für Insekten und Eidechsen entwickelte. Ruf fängt zu strahlen an, wenn er von der »riesigen Rossameise« erzählt, die sich ihr Zuhause auf einem Totholzbestand ausgewählt hat. Oder wenn der 42-Jährige von den 30 Wildbienenarten berichtet, die sich auf seiner Sandmagerrasenfläche ihre Wohnstätten bauen und die er akribisch genau mit der Kamera festhält, um sie nach ihrer Art zu bestimmen.

    »Umweltschutz kann so einfach sein«, sagt Ruf, »manchmal genügt auch, gar nicht so viel zu machen.« Zum Beispiel den Rasen weniger mähen und dabei Flächen im Garten stehenlassen, damit Blüten den Bienen Nahrung spenden können.

    Die paar Büschel der Mäusegerste und Quecke müssen allerdings auch in Rufs Garten weichen, denn diese Arten könnten zu dominant werden und heimische Gräser verdrängen.

    Besonders ein Sandmagerrasen eigne sich hervorragend dazu, heimische Pflanzen im Garten gedeihen zu lassen. Silbergras, Kartäusernelke und Thymian sind nur einige der vielen Pflanzenarten, die typisch für die Biotope der Mainauen seien, erklärt der Vorsitzende der Lohrer Ortsgruppe vom Bund Naturschutz. »Bedrohte Insektenarten, die sonst nicht mehr in einem Garten vorkommen«, so Ruf, »könnten sich dadurch wieder ansiedeln.«

    Im Jahr 1850 sei das höchste Artenaufkommen in Deutschland gewesen. Nur noch bis zu fünf Prozent der Insekten haben bis heute überlebt – Tendenz fallend.

    Extrem pflegeleicht und kaum hitzeanfällig sei ein Sandmagerrasen, der durch seine Blütenvielfalt auch viele Schmetterlingsarten anlocke, so Ruf. Bis in den Herbst hinein könne er ausgesät werden.

    Einen Überblick heimischer Arten verschafft sich der Naturschutz- und Landschaftsplaner bei seinen Begehungen am Romberg. Das Vorurteil vieler Gartenbesitzer, nur Zierrasen würde auch flächendeckend wachsen, weist Ruf zurück: »Es kommt auf die richtige Mischung an. Ein Sandmagerrasen ist genauso dicht und dazu noch artenreich.«

    Sinnlose Steingärten

    Mineraldünger zerstöre die Artenvielfalt, und ein Steingarten habe überhaupt keinen ökologischen Sinn, sagt Ruf. Diese sollten aus ökologischer Sicht gleich ganz verboten werden, ist seine Meinung. Auch zur Errichtung der immer populärer werdenden Insektenhotels hat der Naturschützer eine Empfehlung: Diese sollten immer in Südost- bis Südwestlage ausgerichtet sein. Zudem sei wichtig, dass ein Einflugkorridor für die Insekten gewährleistet sei, ausreichend Blütenahrung in der Umgebung sowieso. Tannenzapfen und Rindenmulch würden nichts bringen, da Insekten nur in Löchern Eier ablegen könnten.

    Als der Artenschutzbeauftrage des Lohrer BUND einen Gemeinen Grashüpfer über seinen Sandmagerrasen krabbeln sieht, ist er wieder in seinem Element: »Wir sollten einfach alle heimische Arten wachsen lassen, dann könnten wir auch viel mehr Insekten sehen.«

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