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    Marktheidenfeld

    Unterschriftenaktion: Marktheidenfeld soll Tierheim helfen

    Das Wally-Bangert-Tierheim in Lohr-Sackenbach ist das einzige im Landkreis und wird vom Tierschutzverein Main-Spessart betrieben. Foto: Roland Pleier

    Das Thema Tierheim tauchte in der jüngsten Vergangenheit mehrmals in den Marktheidenfelder Stadtratsitzung auf. Schon im Januar ging es um die Bitte des Tierheims im Lohrer Ortsteil Sackenbach um einen Investitionszuschuss von einem Euro pro Einwohner. Die Stadträte lehnten das mit dem Hinweis ab, in jedem Jahr bereits 50 Cent pro Einwohner an das Tierheim, das für den gesamten Landkreis zuständig ist, zu zahlen. Diese Entscheidung sorgte für Unmut bei manchen Bürgern, so zum Beispiel auch bei Ute und Karl Busch. "Für Kultur ist immer viel Geld da", sagt Ute Busch, "aber beim Tierschutz wird gespart. Das ist traurig und beschämend."

    Die beiden Tierschützer waren enttäuscht über ihre Heimatstadt Marktheidenfeld und drückten das in einem im Anzeigenblatt abgedruckten Brief aus. Als der in den Sozialen Medien große Resonanz erzeugte, riefen sie eine Unterschriftenaktion ins Leben mit dem Wunsch, dass die Stadt doch diesen einen Euro pro Einwohner zahlen soll. "Wenn das reiche Marktheidenfeld da vorneweg geht, ziehen vielleicht andere Gemeinden nach", sagt Ute Busch.

    100 000 Euro für die letzten dringenden Investitionen

    Marktheidenfeld hätte mit der 50-Cent-Pro-Kopf-Pauschale seinen Teil erfüllt und würde den Zuschuss ohnehin nicht ausschöpfen, da gar nicht so viele Tiere aus Marktheidenfeld im Tierheim untergebracht wurden, so Helga Schmidt-Neder in der Februarsitzung des Stadtrats, als es um das Thema ging. "Wenn jede Gemeinde 50 Cent geben würde, würde alles bezahlt sein", sagte die  Bürgermeisterin. Eine Argumentation, der sich Ursula Rosenkranz als Vorsitzende des Tierschutzvereins in Lohr nur teilweise anschließen kann. "Wir haben fixe Ausgaben für Heizung und Strom", so Rosenkranz, "die 50 Cent sind für die laufenden Kosten und die Versorgung der abgegebenen Tiere." 

    Doch in dem aktuellen Anliegen ginge es nicht um den laufenden Betrieb, sondern um die letzten dringenden Investitionen. Eine Hundequarantäne sei nötig, so Rosenkranz, Kostenpunkt zwischen 40 000 Euro und 50 000 Euro. Ein Katzenhaus mit Freigehege – rund 35 000 Euro – bräuchte es auch, um das Platzproblem zu lösen, dazu noch einen Hundeauslauf, veranschlagt mit etwa 25 000 Euro. Insgesamt wären also rund 100 000 Euro nötig, um das Tierheim auf den baulichen Stand zu bringen, den es braucht, um für den ganzen Landkreis da zu sein, so Rosenkranz.

    Würden alle Gemeinden diese einmalige Ein-Euro-pro-Kopf-Pauschale zahlen, würde das reichen, sagt die Vorsitzende. "Dann wäre alles erledigt, danach reichen die 50 Cent pro Jahr aus." Doch bisher ist die Resonanz auf den Aufruf eher verhalten. Nur neun Gemeinden haben bisher die Sonderzahlung von einem Euro pro Einwohner getätigt: Gössenheim, Frammersbach, Neustadt, Neuhütten, Neuendorf, Partenstein und Wiesthal. Die meisten eher kleine Gemeinden, "aber jeder Beitrag ist wichtig."

    "Schämspenden" aus Marktheidenfeld

    Als die Entscheidung des Stadtrats gegen den zusätzlichen Zuschuss für das Tierheim bekannt geworden sei, erzählt die Vorsitzende des Tierschutzvereins, hätten einige Marktheidenfelder Bürger nicht nur bei ihr angerufen, sondern auch gleich Geld an das Tierheim überwiesen, manche mit dem Verwendungszweck "Schämspende". 

    Unterschriftenaktion bis zum 14. März

    Für die Unterschriftenaktion ist der Tierschutzverein Main-Spessart nicht verantwortlich, und will das auch nicht sein. "Das muss von den Marktheidenfeldern selbst kommen", sagt Rosenkranz. Und viele von denen unterstützen die Aktion, erklärt Ute Busch. In den vergangenen Tagen sei sie oft von Marktheidenfeldern darauf angesprochen wurden – "immer absolut positiv" – und um Listen gebeten worden, die die Leute beispielsweise in Geschäften wie "Schnauze & Schnabel" oder in Fitnessstudios auslegen wollten, sagt die Tierschützerin. Am 14. März will Busch die Unterschriften an die Marktheidenfelder Stadtverwaltung übergeben, in der Hoffnung, dass der Stadtrat die Entscheidung gegen die Sonderzahlung an das Tierheim überdenkt.

    Am liebsten wäre es ihr, wenn man statt 50 Cent dauerhaft einen Euro zahlen oder gar einen Teil der kommunalen Hundesteuer an das Tierheim weitergeben würde. Aber im Moment geht es ihr darum, dass die Stadt einmal einen Euro pro Bürger zahlt – also rund 12 000 Euro –, das sollte für Marktheidenfeld "keine große Herausforderung sein", so Busch. Die Stadt solle hier ein Zeichen setzen. Die Tiere im einzigen Tierheim des Landkreises würden sich sicher gern dem Marktheidenfelder Slogan anschließen: "Hier geht's mir gut."

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