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    Gemünden

    VHS: Besseres Angebot für weniger Geld

    In Gemünden hat die VHS ihren Sitz im Kulturhaus "Alte Schule" in der Obertorstraße. Foto: Michael Mahr

    Seit dem 1. August 2008 sind die Volkshochschulen Gemünden und Lohr verbunden. Unter den Bürgermeistern Thomas Schiebel und Siegfried Selinger war die Fusion vorbereitet worden. Daraus resultierten ein größeres Angebot für die Bevölkerung, eine bessere Auslastung der Kurse und anderen Veranstaltungen sowie eine gesunkene Belastung der Stadtkassen. In der Gemündener Stadtratssitzung am Montagabend fasste das Ratsmitglied Gerhard Köhler die Zehnjahresbilanz der VHS-Fusion zusammen: "Das ist doch eine Win-win-Situation für beide Städte."

    Susanne Duckstein leitet seit Anfang dieses Jahres die Volkshochschule Lohr-Gemünden. Foto: Monika Büdel

    Gleich mehrere Besonderheiten wies der diesjährige Rechenschaftsbericht der Volkshochschul-Arbeitsgemeinschaft (Arge) Lohr/Gemünden für den Stadtrat auf: Zum einen hat die promovierte Kunsthistorikerin Gisela Schlemmer (59 Jahre) nach elf Jahren die pädagogische Leitung an Susanne Duckstein (55) abgegeben. Zum anderen bereitet sich die Arge auf das in diesem Jahr anstehende Jubiläum "100 Jahre Volkshochschulen" vor, das am Freitag, 20. September, in Gemünden und Lohr mit einer Veranstaltung "Die lange Nacht der Volkshochschule" begangen werden soll.   

    9000 Teilnehmerbuchungen

    Über 600 Kurse, Seminare und Einzelveranstaltungen bietet die VHS Lohr/Gemünden durchschnittlich in den Semestern an, trug Susanne Duckstein vor, die in Gemünden durch ihre früheren Deutsch-Kurse bekannt ist. Im Jahr kommt die VHS-Arge auf bis zu 9000 Teilnehmerbuchungen, davon etwa zwei Drittel in Lohr und ein Drittel in der Dreiflüssestadt. Die Zahl der geleisteten Doppelstunden überschritt 2017 die 7000er Marke, was der VHS-Arge in Unterfranken den vierten Platz beschert nach Würzburg, Schweinfurt und Aschaffenburg.

    Die Angebote im Themenfeld Gesundheit (hier der Gemündener Arzt Dr. Lutz Deicke) will die VHS ausweiten. Foto: Michael Fillies

    Rund 180 Kursleiter sind im Einsatz, wobei derjenige, der keine pädagogischen Vorkenntnisse hat, eine Grundlagenschulung erhalte, was sich positiv auf die Zufriedenheit der Kursteilnehmer auswirke. Laut Susanne Duckstein ist die Finanzwirtschaft der Arge im vergangenen Jahr ohne Beanstandungen vom Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband geprüft worden. Der Zuschussbedarf aus der Stadtkasse in Gemünden sei seit 2007 von 110.000 auf etwa 60.000 Euro im Jahr 2018 gesunken. Die Antwort auf die Frage von Stadtrat Günther Felbinger nach dem Defizitbetrag in Lohr verweigerte Gisela Schlemmer unter Hinweis auf den Datenschutz. Es liegt einem Bericht unserer Redaktion aus einer Lohrer Stadtratssitzung zufolge bei etwa 120.000 Euro.

    Neue Angebote geplant

    Hubert Fröhlich wollte wissen, in welchen Themenbereichen die VHS-Leitung noch Erweiterungsbedarf sehe. Auf den Feldern Gesundheit vor allem, aber auch in der beruflichen Bildung wolle man neue Angebote machen. Konrad Götz regte an, wieder Angebote in Zusammenarbeit mit den Gemündener Huttenschloß-Museen (Film-Photo-Ton und Stadtgeschichte) zu machen.

    Wie Stadtrat Martin Geßner ("ganz toll") lobte auch Ferdinand Heilgenthal: "eine erfreuliche Entwicklung". Susanne Duckstein erwähnte, dass im kommenden Sommersemester wieder zwei Sprach-/Integrationskurse für Flüchtlinge angeboten werden.

    VHS mit Persönlichkeitsrecht?

    Der Datenschutz, zurzeit mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) allgegenwärtig, treibt bisweilen seltsame Blüten. Einige davon blühen in der bayerischen Kommunalpolitik.

    So müssen in den Gemeindeparlamenten seit alters alle Bauvorhaben öffentlich beraten werden, weil es der Öffentlichkeit nicht gleichgültig ist, was ortsbildverändernd gebaut wird. Seit der DSGVO darf nun der private Bauherr in der Beratung nicht mehr erkennbar sein, weil es der Öffentlichkeit gleichgültig sein muss, wer etwas bauen möchte. Ohne die genaue Benennung des Grundstücks aber macht die ganze öffentliche Beratung kaum noch Sinn.

    Eine weitere Blüte war am Montag im Gemündener Stadtrat zu erleben, als die ehemalige VHS-Chefin Gisela Schlemmer unter Hinweis auf den Datenschutz das von der Stadt Lohr zu tragende Defizit nicht nennen wollte. Als ob die VHS ein Persönlichkeitsrecht hätte, als ob es sich beim Defizitausgleich nicht um öffentliche Gelder handelt, deren Höhe und Verwendung immer offen gelegt werden muss. Abgesehen davon, dass solche Zahlen selbstverständlich auch im Lohrer Stadtrat in öffentlicher Sitzung genannt werden (müssen). Vielleicht sollte die VHS Kurse zum richtigen Umgang mit dem Datenschutz anbieten?

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