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    LOHR

    Voll des Lobes über die Jugendwerkstatt

    Freuen sich über die Bilanz ihres Projekts Schüler- und Jugendwerkstatt: die beiden Initiatoren und Triebfedern Arno Sch... Foto: Roland Pleier

    Anfangs war Verena Müller-Drilling skeptisch. Zusammen mit ihrem Vater Werner Müller leitet sie einen 100-Personen-Betrieb, die Müller Feinblechbautechnik GmbH in Frammersbach. Üblicherweise stellt die Firma drei Lehrlinge ein. Heuer hatte sie „mit Ach und Krach“ gerade mal derer zwei gewonnen. Dass sie die dritte Lehrstelle nun voraussichtlich doch noch besetzen kann, verdankt sie Ottmar Kliegl und Arno Schmitt, den Initiatoren des Projekts Schüler- und Jugendwerkstatt.

    Der Idealfall

    „Ich bin mittlerweile überzeugt“, lobte Müller-Drilling am Mittwoch im Lohrer Rathaus als einer von drei Firmenvertretern. „Das ist richtig gut“. Einer der zwei Praktikanten, die ihr im Rahmen des Projekts zugewiesen wurden, habe sein Praktikum verlängert und werde wohl einen Ausbildungsvertrag zum Konstruktionsmechaniker unterschreiben. „Ein Riesen-Glücksfall“, so die Diplom-Kauffrau.

    Es ist ein Mittelschüler mit Migrationshintergrund, gerade mal zwei Jahre in Deutschland. „Der ist astrein“, freut sich Müller-Drilling, die ansonsten feststellt: Mittel- wie Realschüler tun sich schwer in der Berufsschule, vor allem in den Naturwissenschaften, und größtes Manko bei den schwächsten Schülern ist die fehlende Unterstützung seites des Elternhauses.

    Es krankt am Elternhaus

    Diese Erfahrung bestätigen alle acht Beteiligten am Pressegespräch. „Wir haben das freundlich formuliert“, pflichtete Co-Initiator Arno Schmitt bei: „ungünstige Rahmenbedingungen.“ Bei den Schwächsten krankt es am Elternhaus. „Sie werden zur Unselbstständigkeit erzogen“, formulierte es Nico Malms, Geschäftsführer der Schön&Endres GmbH aus Lohr.

    „Viele Schüler, bei denen die Eltern nicht hintendran stehen, fallen nach wie vor durchs Netz“, stellte auch Susanne Rinno fest, Leiterin der Mittelschule Lohr. Auf die 60 Schüler, die dieses freiwillige Angebot an acht Nachmittagen in zwei Betrieben annahmen, trifft das am wenigsten zu. „Wir hatten fast nur motivierte Schüler“, sagte Rinno. „Sie hatten Lust, das auszuprobieren.“

    Migranten oftmals vorbildlich

    Wobei sich im Gespräch herauskristallisierte: Die Acht- und Neuntklässler mit Migrationshintergrund – in diesem Jahr waren es 20 – übertreffen die einheimischen Mittelschüler oftmals in puncto Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Fleiß und Motivation, hat Helmut Viering festgestellt. Der Inhaber der Udo Lermann GmbH & Co. KG aus Marktheidenfeld war zudem überrascht über „die unglaublich guten Sprachkenntnisse“ der Flüchtlingsjugendlichen. „Der taugt sogar als Verkäufer“, lobte er einen Projektteilnehmer, der bei den Zweiradmechanikern hineinschnupperte.

    Was ein Schreiner oder ein Kfz-Mechatroniker tut, glaubt jeder zu wissen. Doch was macht ein Konstruktionsmechaniker (wie bei Müller) oder ein Flachglasmechaniker, der bei der Okalux GmbH im Marktheidenfelder Stadtteil Altfeld gefragt ist? Dieses Berufsbild kennt keiner, ist folglich auch wenig attraktiv. Prokurist Thomas Schubert erging es ähnlich wie Müller-Drilling: Seine anfängliche Zurückhaltung ist mit seinen beiden Praktikanten in Begeisterung umgeschlagen. „Es war die richtige Entscheidung“, bewertete er die Premiere seiner Firma. „Wir werden es fortsetzen.“

    Ausbildungsvertrag winkt

    Auch Orthopädieschuhmacher ist nicht gerade ein Modeberuf. Um so mehr war Malms angetan von einer seiner beiden Praktikantinnen, die keinerlei Berührungsängste hat und vielleicht sogar einen Ausbildungsvertrag annimmt. Ihre Kollegin habe das Praktikum zwar auch als gut empfunden, sei aber zu dem Schluss gekommen: „Das ist nicht meins.“ Dies aber sei auch ein gutes Ergebnis, verdeutlichte Schmitt: Erfahren zu haben, dass einem ein Beruf nicht liegt.

    Okalux und Müller waren zwei Neulinge im Kreis der mittlerweile 32 Firmen, die bei diesem Projekt mitmachen. Neu ist auch die gemeinsame Unterstützung aller fünf Lions und Rotary Clubs des Landkreises. Nach zwei Jahren unter der Regie der Caritas hatte heuer der Lebenshilfe-Verein die Trägerschaft übernommen. Erstmals beteiligt hatten sich in diesem Jahr die Mittelschulen Karlstadt und Frammersbach. Dass nicht alle beteiligten Schulen „hellauf begeistert“ mitmachten, wie etwa die in Lohr, trübt das Gesamtbild nur wenig.

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