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    Karlstadt

    Von wegen Sortierweltmeister: Was die Müllgebühren in Main-Spessart erhöht

    So nicht: Biomüll darf keinesfalls mitsamt Müllbeutel in die braune Tonne geworfen werden. Foto: Karlheinz Haase

    Vom 16. bis zum 24. November findet die Europäische Woche der Abfallvermeidung statt. Alle Menschen in Europa sollen dafür sensibilisiert werden, mit den Ressourcen unserer Welt sorgsamer umzugehen und nach Möglichkeit Abfälle zu vermeiden. Doch davon ist so mancher Einwohner des Landkreises Main-Spessart noch weit entfernt, wie ein Gespräch mit Martin Oppmann zeigt. Er ist am Landratsamt Sachgebietsleiter der "Kommunalen Abfallwirtschaft".

    Frage: Herr Oppmann, was ist derzeit ihr größtes Sorgenkind? Worauf werden Sie in der "Woche der Abfallvermeidung" den Schwerpunkt legen?

    Martin Oppmann: Der Biomüll ist derzeit unser größtes Sorgenkind. Es landet vieles in der braunen Tonne, das da nicht hineingehört: vor allem Plastik, aber auch Windeln und Glas. Wir hatten sogar schon ein Mikrowellengerät, Gasflaschen und Ölfilter. Erstes Ziel ist daher die Reduzierung von Störstoffen in der braunen Tonne.

    Was passiert, wenn Plastik und andere Sachen mit dem Biomüll in die braune Tonne wandern? 

    Oppmann: Das meiste Plastik kommt über Mülltüten in die braune Tonne. Ist der Biomüll in einer Plastiktüte, dann muss die komplette Tüte samt Inhalt ausgesiebt und als Sortierrest teuer über die Müllverbrennung entsorgt werden. Im Humuswerk kann ja niemand diese Tüten öffnen und den Inhalt ausleeren. Damit geht also viel Substanz fürs Kompostieren verloren. Richtiges Trennen schont übrigens auch den Geldbeutel der Bürger. Denn je aufwändiger die Abfallverwertung, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass die Müllgebühren steigen. 

    Viele Menschen sind wahrscheinlich das Verpacken von Müll gewohnt und machen es bei jeder Tonne gleich. 

    Oppmann: Jeder will, dass seine Tonne sauber bleibt. Das geht aber auch, indem man den Biomüll in eine Zeitung wickelt. Die enthält wegen des Farbdrucks heutzutage allerdings auch synthetische Farben. Besser sind Seiten mit wenig Farbe und ganz optimal kompostierbare Beutel aus braunem Papier.

    Die Menschen in Main-Spessart sollen keine Störstoffe wie Plastik oder Glas mehr in die Biotonne werfen, appelliert Martin Oppmann. Er leitet im Landratsamt das Sachgebiet Abfallwirtschaft. Foto: Karlheinz Haase

    Es gibt doch auch kompostierbare Kunststoffbeutel.

    Aber die sind nicht geeignet, weil der Kompostiervorgang im Humuswerk Wernfeld kürzer dauert, als sich diese Tüten zersetzen. Zudem kann im Humuswerk nicht zwischen normalen Plastikbeuteln und kompostierbaren Beuteln unterschieden werden. Beide werden also aussortiert. 

    Und was, wenn sich das mit den Störstoffen nicht bessert? 

    Oppmann: Wir können uns das als Gesellschaft auf Dauer nicht leisten. Unser Ansatz ist, dabei gerade auch auf die junge Generation zuzugehen. Die jetzigen Kinder merken, dass unser Planet an seine Grenze kommt. So ist es für jedes Kind logisch, dass nur aus 100 Prozent Bio guter Kompost werden kann. Es käme wohl auch kein Erwachsener auf die Idee, auf den eigenen Kompost Plastikmüll zu werfen. Falls die Aufklärungsarbeit nicht greift, werden wir verstärkt Kontrollen machen müssen. Biotonnen mit Störstoffen würden dann nicht geleert werden. Wenn jemand dauerhaft den Biomüll verunreinigt, wäre die letzte Konsequenz, dass diese Haushalte statt der Biotonne eine zweite Restmülltonne bekämen, die sie aber auch zahlen müssten. Manches geht leider nur über den Geldbeutel.

    Wie sieht es mit der Müllvermeidung in Main-Spessart aus? "Produzieren" wir mehr oder weniger Abfälle als früher? 

    Oppmann: Gerade die Menge an Haus- und Sperrmüll, die im Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt verbrannt wird, steigt immer weiter an. Schaut man einmal 15 Jahre zurück, waren es 2004 noch 19 425 Tonnen. Seitdem wurde es fast jährlich mehr – bis 22 421 Tonnen im vergangenen Jahr. Schaut man dann aber nochmal genauer hin, so ist insbesondere der Anteil des Sperrmülls erheblich gestiegen. 2004 betrug die Sperrmüllmenge noch 1000 Tonnen. 2018 lagen wir hier schon bei 2549 Tonnen. Auch für 2019 ist keine Trendumkehr zu verzeichnen.

    Kann es sein, dass ein weltbekanntes Möbelhaus dazu beiträgt, dass das Sperrmüllaufkommen steigt?

    Oppmann: Die Schuld einem Möbelgiganten alleine zuzuschieben, wäre wohl zu einfach. Zum Sperrmüll muss man wissen, dass wir auf der Deponie Rothmühle des Landkreises Schweinfurt den Altholzbestandteil aussortieren. Die Sperrmüllmenge stellt also nur den nicht verwertbaren Rest dar. Die Altholzmenge an sich ist von 2004 mit 2941 Tonnen im Vergleich zu 2018 mit 2916 Tonnen nahezu unverändert geblieben. Problem ist hier allerdings, dass die Entsorgung des Altholzes heute deutlich teurer ist. Deshalb appellieren wir, gebrauchte Möbel möglichst einer Wiederverwendung zuzuführen und sich vor dem Kauf von Möbeln über deren Langlebigkeit Gedanken zu machen.

    Wie sieht es beim "Gelben Sack" aus? Läuft da alles wie gewünscht?

    Oppmann: Der „Gelbe Sack“ ist Teil des Dualen Systems Deutschland. Wir haben also leider keinen direkten Einfluss darauf, was mit den gesammelten Mengen geschieht. Mein Wunsch an Politik und Systembetreiber ist hier, dass zukünftig ein größerer Anteil recycelt wird und nicht als Ersatzbrennbrennstoff in der thermischen Verwertung landet oder gar weltweit entsorgt wird. Für Deutschland wird sich die nächsten Jahre noch zeigen, ob sich das derzeitige Verpackungsgesetz noch zum Wertstoffgesetz entwickelt, wodurch dann auch zum Beispiel die ausgediente Plastikschüssel mitgesammelt würde. Derzeit dürfen ja über den „Gelben Sack“ nur Verpackungen entsorgt werden. Und die sollten auch darin landen, sonst zahlen die Verbraucher am Ende doppelt, einmal beim Kauf der Verpackung und, falls diese dann im Restmüll landet, dann noch mal.

    Funktionieren die Container für Weißblech?

    Oppmann: Leider finden wir in den Blechcontainern auch Pfannen, Grills, Wäscheständer und andere Metallsachen. Die gehören dort nicht hinein. Denn schwere Metallteile bringen dem Landkreis Geld, wenn er sie auf den Wertstoffhöfen sammelt und als Schrott verkauft. Blechdosen aber sind Verpackungen und da ist wieder das Duale System zuständig. 

    Ich habe den Eindruck, das Thema Abfallvermeidung ist sehr komplex und überfordert viele.

    Oppmann: Ich denke, dass mit einfachen Mitteln bereits viel erreicht werden kann. Ich wünsche mir, dass wir alle das Thema Mülltrennung insbesondere beim Biomüll wieder ernster nehmen. Und wie gesagt, es hat ja nicht nur die Umwelt was davon, letztlich wird auch der eigene Geldbeutel geschont. Für konkrete Fragen stehen wir als Ansprechpartner sehr gerne zur Verfügung. Unsere Abfallberater sind telefonisch unter (09353) 793-1236 oder -1266 und per Mail über Abfallberatung@Lramsp.de erreichbar.

    Martin Oppmann
    Martin Oppmann (39) ist seit März 2019 Nachfolger von Otto Brätz als Leiter des Sachgebiets Abfallwirtschaft am Landratsamt Main-Spessart. Aus Margetshöchheim stammend war er bei der Berufsgenossenschaft Glas/Keramik Reha-Manager für Arbeitsunfälle. Neben dem Beruf hat er Jura studiert. Nach Stationen in Hamburg, Berlin und Erfurt kam er zurück in die Heimat und begann 2014 am Landratsamt Main-Spessart zunächst im Jugendamt und  war dann Sachbearbeiter für Immissionsschutzrecht.

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