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    Lohr

    Wald im Klimawandel: Expertenrunde an der Forstschule in Lohr

    Um das Thema "Wald im Wandel" ging es am Sonntag an der Forstschule in Lohr. Mit den Besuchern diskutierten (von links) Forstschulleiter Robert Staufer, Ulrich Mergner (Leiter des Forstbetriebs Ebrach), Christoph Schulz, Hans-Peter Dietrich (beide Landesamt für Wald und Forstwirtschaft), Ludwig Angerer (AELF-Leiter Karlstadt), Hartwig Brönner (Landesbund für Vogelschutz) und Erwin Hussendörfer (Hochschule Weihenstephan-Triesdorf). Foto: Wolfgang Dehm

    Rund 100 Besucher interessierten sich für das Thema "Wald im Wandel", um das es am Sonntagnachmittag in der Forstschule in Lohr ging; Veranstalter war das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Karlstadt. Grob zusammengefasst lautete das Fazit der Veranstaltung, dass derzeit niemand abschätzen könne, wie der Wald hierzulande in zehn, 20 oder 30 Jahren aussieht. Die Szenarien gingen teilweise auseinander, allerdings war man sich weitgehend einig, dass es sinnvoll sei, künftig auf möglichst viele unterschiedliche Baumarten zu setzen, um so das Risiko eines Totalausfalls zu reduzieren.

    Zunächst gab es fünf jeweils halbstündige Fachvorträge zu den Themenkomplexen "biologische Vielfalt" und "Wald im Klimawandel", die teilweise zeitgleich liefen. Danach fand eine von Forstschulleiter Robert Staufer moderierte Diskussion zwischen Besuchern und Experten statt.

    Professor Erwin Hussendörfer von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf sprach in diesem Zusammenhang von "70 Baumarten, die wir testen könnten". Ein weiterer Aspekt, um dem Wald zu helfen, sei eine verstärkte Jagd, hieß es von verschiedener Seite.

    Ulrich Mergner, Leiter des Forstbetriebs Ebrach, sah den Klimawandel bezüglich des Waldes "relativ gelassen". Mit Blick auf Jahresdurchschnittstemperaturen von 6,6 Grad Celsius im Jahr 1881 und 10,3 Grad im Jahr 2017 ließ er zwar keinen Zweifel daran, dass "wir tatsächlich in eine Warmzeit schlittern", allerdings könnten sich Bäume laut einer kanadischen Studie während ihres Lebens ändern. Man dürfe "die Anpassungsstrategie unserer Waldökosysteme nicht unterschätzen", so Mergner.  Die genetische Vielfalt innerhalb einer Population mache es möglich, dass auch immer wieder einzelne Bäume mit einer weit überdurchschnittlichen Toleranz gegen Austrocknung auftauchten. Speziell in jungem Alter könne man solche Bäume durch verstärkte Jagd vor Verbiss schützen und damit fördern.

    Orientbuche kommt mit Trockenheit gut klar

    Eine weitere Möglichkeit, die hiesigen Wälder an den Klimawandel anzupassen, sah Mergner im Einbringen von Baumarten wie der Orientbuche, die von der europäischen Buche kaum zu unterscheiden sei, aber besser mit Trockenheit klarkomme, sowie weiteren hierzulande derzeit nichtheimischen Baumarten. Mergner erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass auch die mittlerweile weit verbreitete Rotbuche einst ein stark invasiver Neophyt, also eine sich rasch ausbreitende gebietsfremde Pflanze,  gewesen sei.

    Um den Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen, müsse man im Wald jeden vitalen Baum sowie jede bestehende beziehungsweise entstehende Lebensraumstruktur erhalten, jede Jungpflanze schützen, die Jagd erleichtern und jede Möglichkeit nutzen, die Baumartenvielfalt zu vergrößern, so Mergner. Ökonomische Ziele seien dabei nachrangig zu sehen und in Sachen Baumartenvielfalt dürfe man auf keinen Fall nach dem Motto "Ausländer raus" verfahren.

    "Es gibt Hoffnung", meinte auch Wolfgang Netsch, der Leiter der AELF-Außenstelle Lohr. Man könne einerseits auf die Selbstheilungskräfte des Waldes hoffen und andererseits einiges dazu beitragen, die Artenvielfalt zu erhalten.

    Wald als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

    In der Diskussionsrunde mit Veranstaltungsbesuchern wurde deutlich, dass die Nutzung des Waldes als Holzlieferant derzeit kaum Geld bringe, der Wald aber auch zahlreiche andere Funktionen habe (Trinkwasserspeicher, Erholungsraum usw.). Unter anderem ging es dabei auch um Fördermöglichkeiten, denn die Verantwortung für den Wald sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

    Hartwig Brönner vom Landesbund für Vogelschutz riet in diesem Zusammenhang zu "mehr Mut zum Naturwald", während Hans-Peter Dietrich von der bayerischen Landesanstalt für Land- und Forstwirtschaft Verzicht auf ökonomischen Nutzen als wenig sinnvoll erachtete. Ulrich Mergner sah dies ähnlich; er gab zu bedenken, dass von den 250 Millionen Kubikmetern Holz, die jährlich in Deutschland verbraucht würden, aktuell nur 70 bis 80 Millionen Kubikmeter aus Deutschland stammten. Der Rest werde aus dem Ausland importiert und komme zu 90 Prozent aus Kahlschlägen.

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