• aktualisiert:

    Fellen

    Waldbesitzer klagen über Schadholz

    Forstwirtschaftlich waren das Jahr 2018 und 2019 geprägt von Hitzerekorden, Trockenheit, anhaltender Dürre und Stürmen sowie einem extremen Borkenkäferbefall, klagte Geschäftsführer Johannes Fischer in der Jahreshauptversammlung der Waldbesitzervereinigung (WBV) Fellener Grund. Diese Ereignisse, hatten massive Auswirkungen auf den Nadelholzmarkt. 220 Waldbauern mit einer Waldfläche von 2400 Hektar vermarkten ihr Holz über die ehrenamtlich geführte Vereinigung.

    Fischer machte in seinem Rückblick auf den Holzverkauf 2018 deutlich, dass durch diese Kalamitäten erhebliche Schadholzmengen auf den Markt gespült wurden, die dieser kaum aufnehmen konnte. Dies hatte zur Folge, dass Nachfrage und Preise ab August stark rückläufig waren. Jedoch gelang es durch rechtzeitige Verhandlungen,  einen Großteil des Käferholzes noch zu akzeptablen Preisen zu verkaufen. Die Prozessoraufarbeitung lief im ersten Halbjahr noch planmäßig, bis der "Käfer kam". In seinem Fazit sah der Geschäftsführer den 2018er Nadelholzmarkt unter keinem guten Stern. Die ständigen Veränderungen in Nachfrage und Preis infolge der immensen Schadholzmengen stellten die WBV auf eine harte Probe.

    Die gesamte geschlagene und verkaufte Holzmenge belief sich auf 15 010 Festmeter (fm) (Vorjahr 12 210 fm), erklärte Fischer in seinem Rückblick. Vom Einschlag entfielen 8415 fm auf Stammholz und Abschnitte, davon war allein 3860 fm Käferholz. 388 fm Kurz-/Industrieholz und 6205 fm wurden mit dem Harvester in Selbstwerbung geerntet. Für den deutlich gestiegenen Gesamteinschlag sei jedoch ausschließlich der hohe Käferholzanteil verantwortlich, sagte der Geschäftsführer. Trotzdem seien bei einem Einschlag von sechs Festmetern pro Hektar Nachhaltigkeit und die damit verbundene PEFC-Zertifizierung gewährleistet.

    Jegliche Normalität über den Haufen geworfen

    In seinem Holzmarktbericht für 2019 sprach Johannes ein Szenario an, das durch die potenzierten Schadholzanfälle beim Nadelholz jegliche Normalität über den Haufen geworfen hat. Ein gewohnter Geschäftsablauf ist momentan unmöglich und es gibt derzeit keine aussagekräftige Prognose für die Zukunft des Nadelrundholzes. Obwohl der Schnittholzmarkt in Deutschland noch auf Hochtouren läuft, hat der Waldbesitzer nichts davon. Auch im Fellener Grund ist der massiv gestiegene Schadholzanfall deutlich spürbar. Lag dieser Wert 2018 noch bei 3800 fm, ist dieser bereits jetzt auf 4500 fm angestiegen. "Derzeit steht nicht der Holzpreis für Fichten- oder Kiefernholz im Fokus, sondern ob die Menge an Käferholz überhaupt absetzbar ist".

    Das Fichtenstammholz konnte alles zu akzeptablen Preisen verkauft werden, stellte Johannes Fischer fest. Auch der Lärchenholzpreis zeigt sich auf einem guten Niveau. Beim Nadel-Industrie- und Palettenholz ist derzeit kein Absatz möglich. Er riet die Chance zur Energieverwertung in Brennholz oder Hackschnitzeln zu nutzen. Beim Laubholz machte Fischer ein momentan besseres Klima aus. Hier ist jetzt ein deutlich gestiegener Schadholzanfall bei vertrockneten Buchen feststellbar.

    Unterstützung für Waldbesitzer gefordert

    Fischer kündigte einen erneuten Harvestereinsatz für das restliche Käferholz an. Ohne eine vorherige Mengenmeldung darf kein Holzeinschlag vorgenommen werden. Er forderte für die Waldbauern eine spürbare Unterstützung durch die öffentliche Hand und dass diese Botschaft bei den Politikern ankommt. "Wer die Umwelt belastet, den Klimawandel beschleunigt, sollte entsprechend dafür aufkommen. Diese Unterstützung müsste dann bei den Waldbauern als Ausgleich ankommen".

    Die geplante Satzungsänderung gestaltete sich als langwierig und anstrengend. Als lästig erweist sich die Datenschutz-Grundverordnung, über die alle Mitglieder informiert wurden.

    Der Forstliche Berater der WBV, Stephan Kühlwein informierte über die 2019 in Fellen gefallenen Niederschläge. Diese liegen zwar bis dato im Mittelwert, waren jedoch schlecht verteilt. Nach den Regenfällen im Frühjahr kam dann die anhaltende Trockenheit und Dürre, welche Fichte und Kiefer sowie jetzt auch die Buche vor Probleme stellte. Insgesamt machte er für die letzten vier Jahre deutlich geringere Niederschläge aus. Er empfahl, Mischwälder mit verschiedenen Baumarten anzulegen und lud dabei zum Lehrgang "richtiges Pflanzen und Pflanztechniken" am 2. Oktober ein.

    Geschäftsführer Johannes Fischer informierte über einen zwischen der WBV und dem AELF geschlossenen Kooperationsvertrag, der im Wesentlichen eine Zusammenarbeit zwischen den Bayerischen Forstverwaltungen und den Forstlichen Genossenschaften vorsieht.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!