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    Karlstadt

    Was der Templerorden in Karlstadt macht

    Die Templer haben ihren Sitz am Kirchplatz neben der Pfarrkirche St. Andreas. Wird hier der heilige Gral verwahrt? Prior und Professritter Manfred Goldkuhle klärt auf.
    Templerorden-Prior Manfred Goldkuhle mit einem Templer-Messgewand für Ordensgeistliche.
    Templerorden-Prior Manfred Goldkuhle mit einem Templer-Messgewand für Ordensgeistliche. Foto: Björn Kohlhepp

    Die Templer waren ein sagenumwobener Ritterorden im Mittelalter. Aber es gibt sie noch heute. Ihren Sitz haben sie – man sollte es kaum glauben – in Karlstadt, und zwar im "Arche" genannten Gebäude am Kirchplatz neben der Stadtfparrkirche St. Andreas. "Ordo Militiae Templi Hierosolymitani" steht auf Metalltafel und Briefkasten neben der Eingangstür. Unverkennbar prangt auf der Tafel auch das rote Tatzenkreuz der Tempelritter. Ist die Standortwahl ein geschickter Schachzug, um von hier aus im Verborgenen die Geschicke der Welt zu lenken? Wird hier etwa der heilige Gral verwahrt?

    Der Templerorden hat seinen Sitz in Karlstadt in der Arche neben der Stadtpfarrkirche.
    Der Templerorden hat seinen Sitz in Karlstadt in der Arche neben der Stadtpfarrkirche. Foto: Björn Kohlhepp

    Prior und damit gewissermaßen Nachfolger der Großmeister des eigentlich 1312 aufgelösten Templerordens ist der Karlstadter Manfred Goldkuhle. Der lacht: "Nein, Großmeister bin ich nicht." Und einen Gral hätten sie auch nicht verborgen, beteuert er. Die Brüder nennen sich zwar Ritter, aber mit Ritterspielen habe er wenig im Sinn, auch nicht mit Freimaurerei und Esoterik, sagt Goldkuhle. "Wir sind kein Pseudoritterorden mit Schwertkämpfen und Stahlhelmen." Weil andere Brüder derlei sehr wohl im Sinn gehabt hätten, spaltete sich die Bruderschaft um Goldkuhle (abgekürzt OMTH) 1997 vom damaligen OMTJ mit Sitz in Freiburg ab, erzählt er. Auf Deutsch nennt sie sich "Neue Ritterschaft vom Heiligen Tempel in Jersualem". Im Internet finden sich noch weitere Templerorden, die sich als Nachfolger oder in der Tradition der ursprünglichen Tempelritter sehen – "Observanzen" nennt Goldkuhle sie.

    Tempelritterorden in Karlstadt kein Geheimbund

    Die Karlstadter Tempelbrüder sind kein verschwörerischer Geheimbund. "Der OMTH ist eine Gruppe der Pfarrei St. Andreas wie auch die Kantorei oder der Frauenkreis", sagt Goldkuhle. Bereitwillig zeigt Goldkuhle die Arche und erzählt, was der Orden macht. Wenn sie einen ökumenischen Gottesdienst in St. Andreas feiern, wird er in der Gottesdienstordnung angekündigt. Von den momentan 23 Karlstadter Tempelbrüdern – der Jüngste ist Anfang 20 – kommen einige aus dem Karlstadter Raum, andere wohnen weit weg. Was sie mit den ursprünglichen Tempelrittern gemein haben, sind die weißen Mäntel mit dem roten Kreuz, die etwa in den Gottesdiensten getragen werden. Im Kapitelsaal der Arche hängen auch ein paar Schwerter (nach Goldkuhles Geschmack etwas zu viele) und das Wappen eines jeden Bruders. Als Stühle stehen dort die alten Stühle aus dem Sitzungssaal des Kreistags.

    Manfred Goldkuhle empfängt in der Arche in Karlstadt.
    Manfred Goldkuhle empfängt in der Arche in Karlstadt. Foto: Björn Kohlhepp

    Der 66-Jährige ist  seit etwa 2003 Chef der Templer. In der Bruderschaft trägt er den Namen Frá Gregor und auch den Titel "Professritter". Frá und Professritter darf sich jeder in der Gemeinschaft nennen, der vom geistlichen Hintergrund her mindestens Wortgottesdienstleiter ist. Normale Brüder nennen sich Dom. "Mir ist wichtig, dass sie im christlichen Glauben verankert sind", sagt Goldkuhle. Er wolle aber keine "Frömmler". Bei Treffen der Brüder stehe immer auch das gemeinsame Beten auf der Tagesordnung. Professritter sind zudem gehalten, dreimal täglich zu beten. Wenn er nicht gerade eine Stadtratssitzung habe, versuche er sich daran zu halten. Im Urlaub müsse es auch mal ein "gesammeltes Gebet" für den ganzen Tag tun.

    Aufgabe: das Hospiz in der "Arche" betreiben

    Als Aufgabe haben die Karlstadter Templer, ihr Ordenshaus, die Arche, als Hospiz für Pilger und Reisende zu betreiben. "Es kommen hoch interessante Leute." Wandergesellen, ehemalige Manager, Obdachlose. Gäste würden oft von der Polizei oder den Pfarrämtern vorbeigeschickt. Nicht selten klingle es abends um zehn bei ihm, erzählt Goldkuhle. Einmal sei das Hospiz sogar für kurze Zeit ein Frauenhaus für eine Frau und zwei Kinder in Not gewesen, weil alle Frauenhäuser voll gewesen seien. Mit dem Hospiz sieht er sich in der Tradition der ursprünglichen Tempelritter, die sich dem Schutz der Pilger verschrieben.

    Die feierliche Priorenkette von Manfred Goldkuhle, in der Bruderschaft genannt Frá Gregor.
    Die feierliche Priorenkette von Manfred Goldkuhle, in der Bruderschaft genannt Frá Gregor. Foto: Björn Kohlhepp

    Bis zu 14 Personen finden in der Arche Platz. Alle Räume haben lateinische Namen an der Tür stehen. Ein Klo ist ein "vestis cultissima", die Schlafzimmer heißen "conclave" und die Küche "culina". "Wir verlangen nichts, wir bitten nur um eine Spende", erzählt Goldkuhle. Der Konsum von Alkohol ist im Hospiz untersagt und Gäste dürfen maximal zwei Tage bleiben. Eigentümer der Arche ist jedoch nicht der Orden selbst, sondern der Tempelherrenhospiz-Verein (THHV), der die Arche trägt und finanziert und dessen Vorsitzender wiederum Manfred Goldkuhle ist.

    Das Ordenshaus wurde mit Sachspenden eingerichtet

    "Das Haus hat einen besonderen Geist", sagt der 66-Jährige – dafür aber weder Telefon, Internet oder Fernsehen. Wenn er einen Text verfassen will, setzt er sich gern in die Arche. Dort habe er die "totale Ruhe". Das Gebäude ist die ehemalige deutsche Schule der Stadt, später Kuratie-Benefizium und Ordenshaus der ambulanten Krankenschwestern. Die Arche hat der THHV im Jahr 2006 von der Kirchenstiftung erworben und zuerst im Innenbereich umgestaltet, der hauptsächlich mit Sachspenden eingerichtet wurde. Später sanierte der Verein das Äußere für über 50 000 Euro.

    Die Kelche der Ordensbrüder in der Arche.
    Die Kelche der Ordensbrüder in der Arche. Foto: Björn Kohlhepp

    Zum Templerorden kam Goldkuhle über eine Anzeige im Würzburger Sonntagsblatt vor über 20 Jahren. "Brüder gesucht", hieß es da. "Geh hin und guck dir das mal an", habe ihm Pfarrer Paul Steinert damals gesagt. In Klingenmünster in der Pfalz trat er als Bruder bei. Nach der Abspaltung wurde der Sitz nach Karlstadt verlegt. Mindestens dreimal im Jahr treffen sich die Brüder. Neben der "Komturei" St. Georg, wie der Hauptsitz in Karlstadt heißt, gibt es noch die Komturei St. Michael im nordrhein-westfälischen Soest mit rund einem Dutzend Mitgliedern.

    Offen für Protestanten wie für Katholiken

    Der Orden versteht sich als ökumenisch, da sein Verbot schon vor der Reformation stattfand. So gibt es unter den Brüdern evangelische und katholische Ordensgeistliche, die außerhalb der Bruderschaft normale Pfarrer sind. Wer Bruder werden will, muss vorweisen: ein Taufzeugnis, eine Bescheinigung über eine Tätigkeit in der heimatlichen Kirchengemeinde, ein makelloses Führungszeugnis und eine Erklärung, dass der Aufnahmewillige nicht freimaurerisch tätig ist. Bei den Motiven für einen Beitritt sei er "total auf der Hut", sagt Goldkuhle.

    Der Stuhl von Prior Frá Gregor alias Manfred Goldkuhle.
    Der Stuhl von Prior Frá Gregor alias Manfred Goldkuhle. Foto: Björn Kohlhepp

    Bevor man Ritter wird, muss man ein Probejahr bestehen. Nachwuchssorgen hat der Templerorden nicht. Bei der Magistralsitzung im August werden diesmal gleich vier neue Brüder aufgenommen – wie sich das für einen Ritterorden gehört, mit einem Schwert. Ehefrauen sind im Orden als "Familiare" mit dabei.

    Die Geistlichen im Orden leisten gegenüber dem OMTH keinen Eid, den haben sie ja schon gegenüber ihrer Kirche geleistet. Normale Brüder müssen bei der Aufnahme jedoch ein Versprechen ablegen. Und wenn das Leben eines Bruders zu Ende geht, dient der weiße Mantel mit dem Templerkreuz auch als Totengewand.

    Der Templerorden
    Der Templerorden, ein geistlicher Ritterorden, bestand von 1118 bis 1312. Er wurde im Königreich Jerusalem gegründet und vereinte die Ideale des adligen Rittertums mit denen des Mönchtums. Während der Kreuzzüge war er eine militärische Eliteeinheit. Auf Druck des französischen Königs Philipp IV. wurde der Orden nach einem aufsehenerregenden Prozess von Papst Clemens V. am 22. März 1312 aufgehoben – aber nicht verurteilt und auch nicht aufgelöst.
    Manfred Goldkuhle verweist auf das 2001 im Vatikan wieder aufgetauchte Chinon-Pergament. In dem Dokument vom 17. August 1308 wird der Templerorden von allen Anschuldigungen freigesprochen, und der Papst erteilt dem Orden die Absolution. Das Dokument beweist, dass der Papst gegen die vom französischen König erhobenen Anschuldigungen der Ketzerei war. Allerdings wurde das Dokument von Clemens V. nicht veröffentlicht. Der Papst war zu schwach, um seinen Plan durchzusetzen, den Orden zu reinigen und zu erhalten.
    Die „Ritter“ von der OMTH haben in langjähriger Arbeit die „Arche“ im Herzen der Stadt zu einem Komtur-, Pilger- und Jugendgästehaus umgebaut. (Archivbild von 2014)
    Die „Ritter“ von der OMTH haben in langjähriger Arbeit die „Arche“ im Herzen der Stadt zu einem Komtur-, Pilger- und Jugendgästehaus umgebaut. (Archivbild von 2014) Foto: Günter Roth
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