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    Stetten

    Wasser, Wein und Lehm integriert

    Bei der feierlichen Eröffnung des neugestalteten Dorfplatzes trafen sich (von links) der Künstler Thomas Reuter, Thomas Stumpf vom Amt für ländliche Entwicklung, Bürgermeister Paul Kruck, Weinprinzessin Annika Burkard, Vereinsringsvorsitzender Rüdiger Amthor und Stadtrat Florian Burkard. Foto: Günter Roth

    Eigentlich zieht der Platz am Stettener Torbogen schon seit einigen Wochen die Menschen an. Kinder spielen am Wasser, Erwachsene sitzen auf den Bänkchen und plaudern, und auch der Wirt der "Kleinen Kneipe" tut das Seine dazu, den Ort attraktiv zu gestalten. Im Rahmen des diesjährigen Weinfestes nahm die Dorfbevölkerung nun den Platz mit der Segnung und offiziellen Einweihung endgültig in Besitz. Die Maßnahme soll aber nur der erste Bauabschnitt der punktuellen Dorferneuerung im Bereich des Ortskerns sein.

    Wasser, Wein und Lehm sind drei Urstoffe, die für Stetten seit jeher eine besondere Bedeutung haben. Somit war es selbstverständlich, dass diese auch im Rahmen der Platzgestaltung zu finden sind. In einem Quellstein vor den Fachwerkhäusern am südlichen Rand entspringt ein kleiner Bach, der an einem stilisierten Haus vorbeifließt, in dem drei "Lömmetrater" Lehm stampfen. Der windet sich über den Platz und mündet am nördlichen Ende in ein weiteres "Haus" mit den Wappen von Stetten und Karlstadt, wo er schließlich versickert.

    Der Künstler Thomas Reuter hat das Konzept dafür entworfen und umgesetzt. Bei der offiziellen Vorstellung hob er die vorhandene Symmetrie des Platzes hervor: die Fachwerkhäuser, die Torhäuser und der Platz selbst. Diesen gewachsenen Gleichklang wollte er mit seiner Brunnenanlage aufnehmen. Die drei "Lömmetrater" im Quellhaus stellt er in lustvoller Tätigkeit dar, die fast schon wie ein Tanz wirkt. Wie lustvoll ein Tanz im Lehm sein kann, demonstrierte Reuter auf der Bühne in einer mitgebrachten Lehmkiste.

    "Dieser Platz ist gelungen", stellte Karlstadts Bürgermeister Paul Kruck bei der Eröffnungsfeier fest. ausdrücklich lobte er die gesamte Anlage als gemeinsames Werk von Stettener Bürgern, der Stadtverwaltung, Architekt und den ausführenden Firmen. Entscheidenden Anteil hat auch das Amt für ländliche Entwicklung, das Fördergelder bereitstellte. In Stetten waren der Stadtrat Florian Burkard und der Vorsitzende des Vereinsrings Rüdiger Amthor federführend, sie wurden unterstützt von einem rührigen Arbeitskreis. Die Umsetzung der Gesamtanlage leitete der Landschaftsarchitekt Frieder Müller-Maatsch, die Bauausführung lag bei den Firmen Rösch, Schmitt und Schneider-Solar.

    Diakon Edgar Burkard segnete gemeinsam mit Pfarrer Simon Mayer den neuen Dorfplatz. Foto: Günter Roth

    Rüdiger Amthor hob in seinen Worten das tolle Entwicklungspotenzial in Stetten hervor, welches solch Großartiges entstehen lassen könne. Er dankte für die "offenen Ohren" bei der Stadt sowie den beteiligten Behörden und auch für die unterstützenden Hände, vor allem aber dem "visionären Architekten Müller-Maatsch, der den schönsten aller Terroir-f Punkte über dem Maintal entworfen hat". Jetzt gelte es, den nächsten Abschnitt der Dorferneuerung in Angriff zu nehmen, denn Dorfgemeinschaft lebe vom Mitmachen.

    "Da wird noch einiges kommen", sagte auch der gelobte Landschaftsarchitekt. Als nächstes sollen der Umgriff um die "Alte Schule" und der ehemaligen Grundschule überplant werden. Dazu gehören dann auch der alte Pausenhof, die Umnutzung der Gadenkeller und die Kirchenburggasse. Zuletzt soll noch der Pfarrer-Mitterweger-Platz eine neues Gesicht bekommen.

    Pfarrer Simon Mayer und Stettens Diakon Edgar Burkard segneten den neugestalteten Platz. Die Gruppe "Saxofun" der Musikschule Karlstadt begleitete die Veranstaltung musikalisch.

    Die Neugestaltung des Platzes am Torbogen war schon Bestandteil des Kommunalwahlkampfes von Altbürgermeister Karl-Heinz Keller im Jahr 1990. Nach dem Motto "Gut Ding will Weile haben", ließ es sich dieser nicht nehmen, bei der Einweihung fast 30 Jahre später mit dabei zu sein. Im Herbst 2013 wurde die Umgestaltung grundsätzlich als förderfähige Dorferneuerungsmaßnahme anerkannt, im Juli darauf erhielt das Büro Müller-Maatsch den entsprechenden Auftrag, und ein Jahr später befasste sich der Arbeitskreis mit den ersten Planungen.

    Im April 2016 ging man von einem Kostenvolumen von 400 000 Euro aus, heute ist man bei rund 630 000 Euro gelandet. Aus dem EU-Förderprogram "ELER" kam ein Zuschuss von 104 000 Euro. Zusätzlich zu den Gestaltungsmaßnahmen wurden auch notwendige Tiefbauarbeiten für Wasser, Abwasser und andere Versorgungsleitungen vorgenommen. Die Anliegerbeteiligung trägt die Stadt, informierte Bürgermeister Kruck.

    Fröhlich wie ein "Steidemer Lömmetrater" zeigte sich Thomas Reuter, der Künstler des neuen Dorfbrunnens. Bei der Vorstellung stampfte er in einer mitgebrachten Lehmkiste. Foto: Günter Roth
    Symmetrie auf dem Dorfplatz: Im Hintergrund entspringt beim "Lömmetrater-Haus" der Bach und endet hier in einem zweiten Haus im Vordergrund. Foto: Günter Roth

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