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    Karlstadt

    Weg frei für Jugendsozialarbeit an der Grundschule in Zellingen

    Symbolbild Jugendsozialarbeit Foto: Andreas Kaiser

    Die Grundschule Zellingen ist die 15. und letzte Schule im Landkreis Main-Spessart, an der die Jugendsozialarbeit eingeführt wird. Wie Jugendamtsleiter Michael Martin im Jugendhilfeausschuss bekannt gab, kündigte das bayerische Sozialministerium an, dass ab 2020 keine neuen Förderanträge mehr bewilligt werden weil inzwischen 1000 Schulen gefördert werden. Es übernahm in den vergangenen zehn Jahren mit 16 360 Euro ein Drittel der Kosten für einen Sozialarbeiter in Vollzeit wenn sich der Landkreis in gleicher Höhe beteiligt.

    Das letzte Drittel musste die jeweilige Stadt, Gemeinde, ein eventueller Schulverband oder der Landkreis (als Sachaufwandsträger) übernehmen. Das war etwa für den Schulverband Bischbrunn der Grund, seinen Antrag für die Jugendsozialarbeit ab dem kommenden Jahr an der Grundschule Bischbrunn zurückzuziehen: Die Förderung erschien den Verbandsräten als zu gering.

    Insgesamt bezeichnete Michael Martin die Jugendsozialarbeit an Schulen als unterfränkische Erfolgsgeschichte. Bis auf das Leo-Weißmantel-Förderzentrum mit der Lebenshilfe Main-Spessart sind Träger immer die Diakonie Würzburg oder die Caritas Main-Spessart. Im Haushalt des Jugendamtes Main-Spessart sind für das Jahr 2019 insgesamt 170 000 Euro für den Anteil des Landkreises eingeplant. Denn nur die St. Kilian-Schule (Lohr), das Leo-Weismantel-Förderzentrum Karlstadt Gemünden, die Mittelschule Zellingen und die Berufsschule Main-Spessart haben die Jugendsozialarbeit mit einer Vollzeitstelle installiert. 31 Wochenstunden sind es bei der Grundschule Marktheidenfeld, 30 Wochenstunden bei der Grundschule Karlstadt, 25 Wochenstunden bei der Mittelschule Karlstadt. Für je eine halbe Stelle entschieden sich die Grundschulen Lohr, Kreuzwertheim und Gemünden sowie die Mittelschulen Frammersbach, Gemünden und Arnstein.

    Zwei Schulhäuser in Retzbach und Zellingen

    Der Jugendhilfeausschuss bestätigte den Bedarf einstimmig formell, damit kann ab dem 1. Januar 2020 an der Grundschule Zellingen die Jugendsozialarbeit mit einer Vollzeitstelle eingeführt werden. Die Begründung für den Förderantrag der Grundschule Zellingen unterschied sich letztlich nur in einem Punkt von den bisherigen Schulen: Die insgesamt 190 Schüler in neun Klassen werden in zwei getrennten Schulhäusern in Retzbach und Zellingen unterrichtet. Zudem haben 20 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund.

    Schulleitung und Lehrkräfte waren in den letzten Jahren immer häufiger mit der Aufarbeitung von Konflikten und dem Einüben grundlegender sozialer Verhaltensweisen beschäftigt. Deutlicher ausgedrückt: Schulkinder halten weniger Regeln ein und schlagen bei Konflikten zu. Doch es gibt auch ängstliches Verhalten, Rückzug und Verweigerungshaltung. Sogar Mobbing, auch durch die neuen Medien, wurde schon beobachtet. Das Jugendamt wurde in einige Fällen von Kindeswohlgefährdung wegen Gewalt in der Familie oder Verwahrlosungstendenzen eingeschaltet.

    Wright wertet Stopp der Förderung als Skandal

    Kreisrätin Heidi Wright (SPD) bezeichnete den Stopp des bayerischen Sozialministeriums als Skandal. Von einer Begrenzung auf 1000 Stellen sei nie die Rede gewesen. Hier müssten sich Kommunen Landkreise für eine Weiterführung stark machen. Dass der Antrag aus Bischbrunn aus finanziellen Gründen zurück gezogen wurde, sei zudem sehr bedauerlich.

    Zu letzterem erklärte Jugendamtsleiter Michael Martin, weil das Jugendamt diesen Antrag schon prüfte und befürwortet, könnte der Schulverband Bischbrunn im Jahr 2020 noch die staatliche Förderung erhalten falls er es sich anders überlege.

    Wie der Landkreis mit künftigen Anträgen verfahren werde, fragte Kreisrat Horst Wittstadt (Grüne), und sprach sich dafür aus, wie bisher ein Drittel der Personalkosten zu bezahlen. Landrat Thomas Schiebel antwortete, er könne sich nicht vorstellen, das ohne die Förderung vom Freistaat neue Anträge kommen.

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