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    Main-Spessart

    Wenn bei der Landrad(t)stour der Akku schlapp macht

    Auf Thomas Schiebels letzter Tour als Landrat zeigt sich, dass es immer mehr E-Bikes gibt. Und dass man sich auch mit diesen verschalten kann. Beobachtungen von der Radtour.
    Berg erfolgreich erklommen.
    Berg erfolgreich erklommen. Foto: Jennifer Weidle

    Silas ist zehn Jahre jung. "E-Bikes sind was für Luschen!", findet er. "Oder für ältere Menschen", setzt ein Erwachsener diplomatisch hinzu. Wir befinden uns auf dem Spielplatz neben der Bachgrundhalle. Aschfeld ist die erste Rast der diesjährigen Landrad(t)stour. Die 14 Kilometer haben uns bereits über den ersten Berg geführt und hungrig gemacht. Die Schinkenstangen und Hörnchen von der örtlichen Bäckerei duften verführerisch. Manche greifen beherzt zu und stapeln das Gebäck auf dem Arm. Ob sie den weiteren Verlauf der Verpflegung vorausgeahnt haben? Erst belächelt, wünscht sich manch einer später, er hätte es ebenso gemacht.

    Auf dem Parkplatz steht einer der ältesten Teilnehmer neben seinem E-Bike. Wettergegerbtes Gesicht, durchtrainiert. Er hat noch ein normales Alltagsrad zu Hause in Marktheidenfeld. Für längere Touren nimmt er mittlerweile das E-Bike. "Das Auto steht fast nur rum. Aber meine Frau ist nicht mehr so mobil. Für sie brauche ich es noch ab und zu."

    Der Viehmarkt in Hammelburg voller Drahtesel, meist mit Elektromotor.
    Der Viehmarkt in Hammelburg voller Drahtesel, meist mit Elektromotor. Foto: Jennifer Weidle

    Nach Aschfeld staut sich das Feld immer wieder. Enge Kurven. Ein Traktor kommt entgegen. Eine leichte Steigung. Über 470 Radler und Radlerinnen auf engem Raum. Viele kennen sich mit den grundlegenden Zeichen der Fahrradsprache aus, heben den Arm und teilen so den Nachfolgenden mit: Achtung! Bremsen!

    Es gibt auch noch Teilnehmer ohne E-Bike

    Nach Obersfeld nun der vermeintlich einzige, echte Berg. Knacken. Surren. Summen. Auch mit dem E-Bike kann man sich verschalten. Oder hat den Akku auf falsche Leistung eingestellt. Das Feld zieht sich auseinander. Eine Frau schiebt ihr Rad auf den letzten Metern. Ein älterer Mensch ohne E-Bike. Auch das gibt es noch.

    "Rechts fahren, bitte, wir haben Gegenverkehr." Der Mann in der orangenen Leuchtjacke, der diesen Satz für die Menge immer wieder wiederholt, ist nicht von der Polizei. Es ist Ewald Birkler vom Kreisbauhof in Karlstadt. 2003 hat er seine erste Landratstour mitgemacht. Er ist einer der vielen fast unsichtbaren Helfer hier. Zusammen mit seinen fünf Kollegen sorgt er für die Sicherheit der Radler. Und ist schon Monate vorher aktiv.

    Strecke muss von den Helfern vorab mehrfach abgefahren werden

    Die Strecke muss mehrfach abgefahren und gegebenenfalls ausgebessert werden. Äste von Bäumen werden zurückgeschnitten, Löcher in der Straßendecke verschlossen. Wenn nötig, wird die Strecke verlegt. Auch kurzfristig. Letzte Woche sind sie die Strecke noch einmal abgefahren. Da gab es plötzlich Arbeiten an Leitungen neben dem Radweg. Die Baumaschinen waren zur Tour dann wie vereinbart weggefahren. Nicht so in Wolfsmünster. Dort musste am Tag der Tour noch ein Bagger von der Strecke verschwinden.

    Silas (10) war einer der jüngsten Teilnehmer.
    Silas (10) war einer der jüngsten Teilnehmer. Foto: Jennifer Weidle

    Die Autofahrer, die uns auf der Straße entgegenkommen, sind freundlich. Viele halten auf dem Randstreifen und lassen die Meute vorbeiziehen. Unsere Bergauffahrt wird von Gewehrsalven aus dem Übungsgelände der Bundeswehr begleitet. Manch einer munkelt hinterher, das sei die Einstimmung auf die Verpflegung in Hammelburg gewesen. Ein siebenjähriger Junge kurbelt sich tapfer die letzten Meter bis zur Rast am Lager hinauf. Geschafft. Die ersten Deos beginnen zu versagen. Sportlerschweiß ist guter Schweiß.

    Warum E-Bikes so gefragt sind

    Die Gespräche bei der Pause drehen sich natürlich um Fahrräder. Und E-Bikes. "Der Umstieg zurück aufs Fahrrad klappt nicht", meint einer. Eine Frau über 70 aus Höchberg fährt im Alltag immer mit dem E-Bike. Nur wenn sie mal einen Kasten Wasser kauft, nutzt sie noch ihr Auto. Dieses stehe eigentlich nur rum. Ich beginne mich zu fragen, wie viele Autos existieren, um mal gelegentlich einen Kasten Wasser zu transportieren.

    Auf der Abfahrt nach Hammelburg bläst uns der Fahrtwind ins Gesicht. Die Drahtesel freuen sich über die lockeren Zügel. 65 Stundenkilometer und mehr sind die Geschwindigkeiten auf dieser Abfahrt. Alle tragen auf dieser Tour einen Helm.

    Eintopf wird von Mal zu Mal dünner

    Die Schlange vor der Essensausgabe zieht sich über den kompletten Marktplatz. Einige nehmen als Vorspeise ein Eis, "bis die Schlange kürzer ist." Die ausgegebenen Eintopfrationen werden jedoch immer flüssiger, bis die Quelle schließlich komplett versiegt. Nach einer halben Stunde Wartezeit gibt es Nachschlag. Brühe mit Gemüse. "Das ist schwach dieses Jahr", meint eine Teilnehmerin.

    Als es kurz nach Untereschenbach nochmal eine Steigung bergan geht, mit der keiner mehr gerechnet hat, knurrt vielen schon wieder der Magen. An diesem Berg wird mehr geschoben. Die Kollegen vom Kreisbauhof haben sich für diese Umlegung der Strecke entschieden. "Unten auf dem Radweg stehen Pfosten, die wir nicht entfernen können. Zu gefährlich bei so vielen Leuten", sagt Birkler.

    Schiebel will auch künftig mitfahren

    Nach der Kaffeepause im Saaletal geht es flink weiter nach Gemünden. Bei Bier und Bratwurst lassen alle wohlgelaunt die Tour ausklingen. Viele sind von der Strecke und der guten Organisation begeistert. Die Neulinge wollen wiederkommen. Auch Landrat Schiebel, für den dies die letzte "eigene" Landratstour war, will kommendes Jahr wieder mitfahren.

    "Es gab keinen Unfall dieses Jahr", freut sich Ewald Birkler. "Nur eine Dame mussten wir unterwegs mit dem Auto einsammeln. Ihr Akku war leer."

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