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    WIESTHAL

    Wenzel Group: Trennung im Jubiläumsjahr

    Heute würde man sagen: Das war ein erfolgreiches Start-Up-Unternehmen. Die Firma für Messtechnik, die Werner Wenzel 1968 mit drei Mitarbeitern im Spessart gründete, hat sich in 50 Jahren zu einer Firmengruppe mit 630 Beschäftigten entwickelt, die weltweit zu den Top fünf der Branche zählt.

    Wenzel baut Koordinaten-Messmaschinen, etwa solche, die die Passgenauigkeit von Kolben in Zylindern eines Verbrennungsmotors auf den Tausendstel Millimeter genau feststellen. „Wo produziert wird, wird gemessen.“ Auf diese einfache Formel bringt Heike Wenzel das, was in Wiesthal entwickelt und auch geliefert wird: Messtechnik für alle Industriezweige, ob Automotive, Luftfahrt, Energiegewinnung oder Medizin.

    In den 50 Jahren hat die Wenzel Group, das als einziges Familienunternehmen im Konzert der großen Konzerne mitspielt (unter anderem gegen Marktführer Zeiss), über 10 000 Maschinen weltweit ausgeliefert. Den Verkauf unterstützen Niederlassungen und Vertretungen in mehr als 50 Ländern.

    Koordinatenmesstechnik, Verzahnungsmesstechnik, Optisches High Speed Scanning, Computertomographie und Styling Solutions waren bisher die fünf Säulen der Firma. In der Woche vor der Jubiläumsfeier an diesem Samstag erfuhr die Belegschaft, was Heike und Frank Wenzel in der Woche davor beurkundet hatten: Die beiden Kinder des 2006 verstorbenen Firmengründers gehen künftig getrennte Wege.

    Frank Wenzel scheidet mit der Abteilung Styling Solutions aus der Firmengruppe aus, erklärte Heike Wenzel in einem Exklusiv-Interview mit der Redaktion. Betroffen sind rund 30 Beschäftigte an den Standorten Hengersberg im Bayerischen Wald und Karlsruhe. Umsatztechnisch macht das laut Heike Wenzel zirka zehn Millionen Euro aus. Dennoch wolle die Wenzel-Gruppe, die sie nun alleine führt, ihren Umsatz binnen der nächsten drei Jahre auf 100 Millionen Euro steigern.

    Nach Wiesthal (Lkr. Main-Spessart) gegangen war Werner Wenzel, weil er im heimischen Luftkurort Heigenbrücken (Lkr. Aschaffenburg) nicht willkommen war und kein Grundstück bekommen hatte. Der Handwerksbetrieb wuchs schnell, erweiterte schon 1971, als der Umsatz noch 1,5 Millionen Mark betrug. Ende der 1970er-Jahre galt er als einer der führenden Hersteller für Präzisions-Messtechnik; 1980 produzierte die Firma die erste ihrer Koordinaten-Messmaschinen. 1983 beschäftigte Wenzel 45 Menschen, erstreckte sich das Firmengelände auf 15 000 Quadratmeter, betrug der Jahresumsatz 4,63 Millionen Mark. Zehn Jahre später hatte das Unternehmen andere Betriebe aus der Branche hinzugewonnen und trat erstmals als Wenzel-Gruppe auf. 2005 eröffnete ein Montagewerk in Shanghai/China. 2008 beschäftigte die Wenzel-Gruppe 520 Menschen, der Jahresumsatz lag bei 85 Millionen Euro.

    Ein ausführliches Interview mit Dr. Heike Wenzel lesen Sie im Internet unter www.mainpost.de

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