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    Marktheidenfeld

    "Wer schwere Zeiten übersteht, übersteht auch gute"

    Bürgermeister Martin Harth besuchte die Jubilare.
    Bürgermeister Martin Harth besuchte die Jubilare. Foto: Nicolas Bettinger

    60 Jahre ist es her, dass sich Hanna und Wilfried Wenzel das Ja-Wort gaben. Sechs Jahrzehnte später sitzen die Eheleute noch immer glücklich im gemeinsamen Wohnzimmer in Marktheidenfeld und blicken auf eine bewegte Zeit zurück. Drei Söhne, fünf Enkel und zwei Urenkel kamen in dieser Zeit zur Welt. "Wir sind darüber wirklich sehr dankbar", sagt Hanna Wenzel, wohlwissend, dass eine intakte Familie nicht überall selbstverständlich sei. Sie könne sich mit ihrem Mann aber immer auf den Nachwuchs verlassen. Zum Jubiläum der Diamantenen Hochzeit am Mittwoch kam neben der Familie auch Marktheidenfelds zweiter Bürgermeister Martin Harth und gratulierte den beiden Rentnern.

    Deren Wege kreuzten sich schon früh. "Damals aber noch ohne eine bestimmte Absicht", betont Wilfried Wenzel scherzend. Die alte Heimat des heute 82-Jährigen ist das Sudetenland, Hanna Wenzel kam aus Schlesien. In Deutschland wurden sie in die (frühere) Düsseldorfer Siedlung eingewiesen. Diese war während des Zweiten Weltkriegs von der Stadt Düsseldorf in Marktheidenfeld errichtet worden und diente nach dem Krieg als Aufnahmeeinrichtung und Behelfs-Siedlung für Heimatvertriebene und Flüchtlinge. Hanna und Wilfried Wenzel gingen bereits gemeinsam zur Schule und wurden gleichzeitig konfirmiert, ehe sie sich später lieben lernten. An ihre Hochzeit vor 60 Jahren können sich beide noch gut erinnern. "Ich habe gefroren wie verrückt", sagt Hanna Wenzel über die Trauung im Januar. "Wir haben in kleinem Kreise gefeiert, wir hatten ja damals nicht viel", ergänzt ihr Ehemann.

    Erfolgsrezept: "Man muss einfach immer ein bisschen nachgeben"

    In Marktheidenfeld "haben wir uns immer sehr wohlgefühlt", bekräftigt Hanna Wenzel. Dennoch konnten sie dort nicht dauerhaft bleiben. Denn der gelernte Tüncher zog aus beruflichen Gründen in die Nähe von Stuttgart. Dort arbeitete er bei der Post. Die gelernte Lederwarenstepperin blieb die ersten zwei Jahre in Marktheidenfeld mit den Kindern, ehe sie ihrem Mann nach Baden-Württemberg folgte und ebenfalls bei der Post arbeitete. "Das waren wirklich schwere Jahre, die haben uns natürlich zusammengeschweißt", so die 82-Jährige.

    Doch als beide 1999 in Rente gingen, zogen sie zurück nach Marktheidenfeld. "Und heute kümmert sich unsere Familie hier um uns", sagt Hanna Wenzel, die vor allem auf die Hilfe des ältesten Sohnes und dessen Familie bauen kann. Dieser lebt, anders als die anderen Söhne, in Marktheidenfeld. Er selbst sagt schmunzelnd: "Für mich war immer klar, dass ich nach Marktheidenfeld will. Meine Eltern hatten mich damals zum Glück nur vorübergehend abgezogen", so Peter Wenzel.

    Was das Erfolgsrezept für eine lange Ehe ist, wissen Hanna und Wilfried Wenzel genau. "Man muss einfach immer ein bisschen nachgeben", verrät die Rentnerin das Geheimnis. Heute würden sich junge Leute viel zu schnell trennen. Doch man müsse einfach immer zusammenhalten. "Wer die schweren Zeiten übersteht, der übersteht auch die guten Zeiten", pflichtet ihnen der zweite Bürgermeister Martin Harth bei. Und das haben die Wenzels offensichtlich getan.

    Facebook und WhatsApp mit 82 Jahren

    Bei der Frage, wie beide ihren Alltag verbringen, sind sich Hanna und Wilfried Wenzel schnell einig. "Er sitzt am Computer und ich löse meine Kreuzworträtsel", sagt die dreifache Mutter schmunzelnd. Wilfried Wenzel bemüht sich, die moderne Technik zu verstehen, hat einen Facebook-Account und verschickt WhatsApp-Nachrichten, was vor allem bei den Enkelkindern immer wieder für Erstaunen sorgt. Und immer wenn es bei den Wenzels etwas zu besprechen gibt, dann werden die sozialen Medien genutzt. "Wir haben nämlich eine eigene WhatsApp-Familiengruppe."

    Ergänzungen zur "Düsseldorfer Siedlung" wurden im Nachhinein von der Redaktion beigefügt. Außerdem ist das Ehepaar Wenzel nicht, wie zunächst geschrieben, "wenig später" nach Marktheidenfeld gekommen, sondern sie waren als Bewohner der Düsseldorfer Siedlung bereits in Marktheidenfeld.

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