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    Gemünden

    Wie Insekten vom Bau der Mainbrücke profitieren

    Die Frankfurter Straße und die Hafenstraße in Gemünden, die vom Mainbrückenbau schwer in Mitleidenschaft gezogen sind, werden seit Dienstag saniert. Foto: Michael Fillies

    Zum Abschluss der Großbaustelle Mainbrücke sind am Dienstag vorm Huttenschloss in der Frankfurter und in der Hafenstraße ein letztes Mal schwere Maschinen aufgefahren. Die Leitungen im Untergrund werden erneuert, an der Hafenstraße entsteht wieder eine Parkplatzfläche. Am Abend zuvor ließ sich der Gemündener Stadtrat den landschaftspflegerischen Begleitplan der Großbaustelle erläutern. Er beschreibt die Eingrünung, die zugleich die Eingriffe in die Natur kompensieren soll.   

    Schelch in blauem Glas

    Zur Sprache kam dabei die Gestaltung des neuen Kreisverkehrs. Wie vom Stadtrat beschlossen, erhält die Mitte der Insel einen Schelch als Sinnbild der Fischerstadt Gemünden. Er wird in blau-grauem Gras stehen, das in Schotter aus blauem Glas gepflanzt wird. Eingefasst wird das Ganze von rosafarben blühenden Strauchrosen, die wiederum von Salbei, Eisenkraut und Gräsern umgeben sind.

    "Ich brauche das Glasgranulat nicht", eröffnete Stadtrat Martin Geßner die Diskussion, die sein Kollege Ferdinand Heilgenthal fortführte: "Ich war nicht dafür." Immer mehr Grünflächen würden geschottert. "Das sollte man doch nochmal überlegen, weil wir eine Vorbildfunktion haben." Um den städtischen Bauhof zu entlasten, schlug er wie Geßner vor, die Pflege dieses wie auch des Zollberg-Kreisels dem Staatlichen Bauamt zu überlassen. Bürgermeister Jürgen Lippert erinnerte: "Das haben wir doch alles beschlossen, mehrheitlich. Der Beschluss steht, ich habe keinen Grund, das Thema noch einmal zu öffnen." Bauamtsleiter Jörg Breitenbach erinnerte, dass mit dem Staatlichen Bauamt Vereinbarungen geschlossen seien.  

    Die Einfahrt der Hafenstraße in Gemünden beim Gasthof "Zur Linde" am Dienstagnachmittag. Foto: Michael Fillies

    Bienenfreundliches Saatgut

    Die Ausgleichsmaßnahmen an der neuen Böschung der Hafenstraße, an der Mainbrücke und an den Fähranlegern in Hofstetten und Langenprozelten erläuterte Landschaftsarchitektin Gudrun Rentsch (Büro arc.grün, Kitzingen). Der Ausgleich besteht in der mit den Naturschutzbehörden abgestimmten Pflanzung von heimischen Hochstämmen, Sträuchern, Stauden, Kräutern und Gräsern. Im Saatgut, das für die Böschung und für die Uferstreifen vorgesehen ist, soll der Anteil der bienenfreundlichen Kräuter gegenüber den Gräsern von den vorgeschriebenen 30 auf 50 Prozent angehoben werden.

    Dabei betonte Gudrun Rentsch, wichtiger noch für den Artenreichtum sei statt der Art der Saatgutmischung vielmehr eine zurückhaltende Pflege der Flächen; spät zu mähen, nicht vor Juli, wirke sich positiv aus. Stadtrat Matthias Risser folgerte daraus, es wäre den Insekten zuliebe vorbildlich, alle städtischen Flächen nach diesem Muster zu pflegen, was auch den Aufwand für den Bauhof reduziere. Darauf Bürgermeister Lippert: "Ich habe kein Problem damit, bei dem Hype, den man zurzeit macht." Er gab aber zu bedenken, dass solche Flächen eben ungepflegt aussehen, und versprach: "Wir schauen, wo es möglich ist." Konrad Götz bat Rentsch, langsam wachsenden Bäumen und Büschen den Vorzug zu geben, um den Pflegeaufwand geringer zu halten.

    Für den Ameisenbläuling

    Die mit 11 900 Quadratmetern größte zusammenhängende Ausgleichsfläche befindet sich linksmainisch auf der Hofstettener Seite der Mainbrücke: ein wechselfeuchtes Extensivgrünland auf einem basischen Magerstandort, das im Druschgut- und Heumulchverfahren gepflegt werden wird. Das Saatgut hierfür soll in den benachbarten Wiesen gewonnen werden. Beabsichtigt ist die Schaffung eines großen Bestandes an Wiesenknopf-Pflanzen, die wichtige Futterpflanzen für einige Schmetterlingsarten, besonders den streng geschützten Ameisenbläuling sind.

    Während die Gehölze im Herbst gepflanzt werden sollen, ist die Einsaat erst für das Frühjahr vorgesehen. Dass die Begrünung nicht eher erfolgt, wie es Matthias Risser bemängelte, begründete Bürgermeister Lippert mit den Baumaßnahmen, die erst abgeschlossen sein mussten. 

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