• aktualisiert:

    Lohr

    Wie Wissenschaft Wirklichkeit ändert

    Quer durch Deutschland unterwegs: die Ausstellung auf dem Frachtschiff MS Wissenschaft. Derzeit macht sie Station an der Mainlände in Lohr. Foto: Wolfgang Weismantel

    Alle reden von künstlicher Intelligenz, die immer mehr unsere Zukunft bestimmen wird. Was aber ist das genau, welche Vorteile bringt sie und welche Risiken? Antworten darauf können die Besucher einer Mitmachausstellung an Bord der MS Wissenschaft bei freiem Eintritt selbst erfahren oder ausprobieren.

    Das Ausstellungsschiff ist in diesem Jahr mit dem Thema »Künstliche Intelligenz (KI)« quer durch Deutschland unterwegs. Es hält in 27 Städten und kann auch bis einschließlich Freitag von 10 bis 19 Uhr kostenlos an der Lohrer Mainlände besucht werden.

    Auf dem 100 Meter langen Binnenfrachtschiff, das im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft für etwa sechs Monate durch Deutschland fährt, findet man Exponate aus der aktuellen Forschung. Sie geben Einblicke, wie rasch sich Formen künstlicher Intelligenz entwickeln und wie vielfältig sie schon angewendet werden.

    Experten als Lotsen

    Neben regelmäßigen Führungen um 17 Uhr, die ca. 30 Minuten dauern, stehen die »Lotsen« auch jederzeit für Fragen Verfügung. Diese jungen Wissenschaftler an Bord kennen sich als Informatiker perfekt aus und gehen auch schon mal auf die Besucher zu, wenn sie merken, dass sie gebraucht werden. Nicht alle kommen mit den Exponaten, die zum Mitmachen einladen, sofort zurecht.

    Besonders ältere Besucher sind für praktische Tipps durchaus dankbar oder brauchen einen Anstoß, um sich darauf einzulassen, KI selbst zu testen. »Das Interesse steigt mit der Chance, sich in ein Thema aktiv einzubringen«, erklärt einer der Lotsen, das gut angenommene Konzept der Ausstellung.

    Wenn Roboter Leben bestimmen

    Ältere Besuchergruppen sind bei ihrem Rundgang vielfach fasziniert, ja sprachlos, was man mit dem Begriff künstliche Intelligenz alles verbinden kann. Doch nicht nur ihnen stellen sich Fragen, die manche nachdenklich stimmen. Wo kommen wir hin, wenn uns Roboter einmal operieren und im Pflegeheim täglich rund um die Uhr betreuen, Computer unsere Autos fahren und wenn KI irgendwann mehr über uns weiß, als uns lieb ist?

    Andererseits steht außer Zweifel, dass KI in naher Zukunft z.B. Ärzte immer mehr bei der Diagnose und der Therapie gefährlicher Krankheiten unterstützen wird, so dass zum Beispiel Krebs noch erfolgreicher bekämpft werden kann.

    Zwei Seiten der KI

    Genau diese zwei Seiten der künstlichen Intelligenz werden von den Besuchern immer wieder wahrgenommen. Dabei wird beim Gang durch die sehr vielfältige Ausstellung deutlich: KI ist unaufhaltsam, wird sehr bald ein fester Bestandteil unseres Alltags sein und daher unser Leben prägen. Das können die Besucher sehr eindrucksvoll zum Beispiel bei einer simulierten Fahrt in einem autonomen Auto erfahren, bei man von einem Computer durch die Landschaft gesteuert wird, dem man voll vertrauen muss. Eine ungewöhnliche Reise, vor der ältere Besucher ganz offensichtlich mehr Bedenken haben als die unbefangenen jüngeren.

    Ähnlich begeistert wird das Handballspiel gegen einen virtuellen Torhüter erfahren, den man mit künstlicher Intelligenz bezwingen kann. Bei fast allen Exponaten können die Besucher bewusst eingreifen, sogar an einer Stelle versuchen, eine KI selbst zu trainieren, gegen einen historischen Computer im Schachspiel antreten oder erfahren, wie ein Computer überhaupt etwas lernen kann.

    Jugend braucht keine Lotsen

    Spätestens als Schulklassen in das Ausstellungsschiff einsteigen, wird deutlich, dass diese Generation mit KI ganz anders umgeht als ihre Eltern und Großeltern. Die eigenen Smartphones bei fast jedem Exponat aktiv im Einsatz, sind sie wie in ihrer Welt zuhause. Sie brauchen keinen Lotsen und suchen sich ihren eigenen Weg beim Ausprobieren der Angebote. Ein Schüler meint lachend: »KI kann mir bald meine Hausaufgaben machen. Das ist doch voll cool.«

    Etwas nachdenklich stimmen dagegen manche Bemerkungen zum Thema künstliche Intelligenz, die Besucher am Ende der Ausstellung an eine Wand gepinnt haben. Hier waren sie aufgefordert worden, ihre eigenen Ideen, Hoffnungen, Ängste und Bedenken zu formulieren.

    Nicht unerwartet findet man hier ein gemischtes Bild, aber nicht wenige fürchten, dass sie die Welt, in der sie leben wollen, im künftigen Zeitalter der künstlichen Intelligenz nicht mehr wiederkennen. Einer der jungen Wissenschaftler an Bord kann das verstehen, aber er sieht keinen Weg mehr zurück: »Künstliche Intelligenz ist eine große Chance für die Zukunft, darauf müssen wir uns einstellen.«

    Bearbeitet von Wolfgang Weismantel

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!