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    Lohr

    Wie die Pink-Floyd-Band "Echoes" beim Lohrer Publikum einschlug

    Die Stadthalle war nicht ganz voll.  Am Ende aber waren die 500 Besucher aus dem Häuschen: "Echoes" zeigte, dass auch die abgespeckte Version von Pink Floyd ankommt.
    Die Band "Echoes" aus Achaffenburg interpretiert Pink-Floyd-Musik in der Lohrer Stadthalle unplugged – ohne elektrische Instrumente.
    Foto: Roland Pleier

    Als hätten sie alle drauf gewartet, die 500 Besucher in der Lohrer Stadthalle. Die vier Streicherinnen aus Prag und Sängerin Ilka Stöcker haben das Geldgeklapper einer Ladenkasse mit rasselnden Dosen imitiert und damit "Money" eingeleitet, da gibt Frontman Oliver Hartmann das Startsignal: "Übrigens: Die offizielle Sitzordnung ist aufgehoben!", erlöst der Sänger und Gitarrist das Publikum. Jetzt gibt es kein Halten mehr. Den Rest des Konzerts, die zwei Zugaben über, wird die Pink-Floyd-Tribute-Band "Echoes" im Stehen beklatscht, mit Pfiffen der Begeisterung gefeiert.

    Pink Floyd sei die erste Band gewesen, die mit eingespielten Alltagsgeräuschen gearbeitet habe, bemerkt Frontman Hartmann. Mit Kassenklingeln eben oder schrillenden Weckern. Doch wie die streckenweise gewaltigen, epischen Klangteppiche der Kultband ohne elektronische Instrumente weben? Pink Floyd unplugged spielen, geht das überhaupt?

    Es geht. Echoes, die Band aus Aschaffenburg, die sich nach dem 20-Minuten-Epos aus dem Album Meddle benannt hat, spielt das Programm der 1965 gegründeten Rockband im Original, aber auch unplugged, so wie in Lohr. Unplugged heißt in diesem Fall: ohne elektronische Instrumente. Keine E-Gitarre, kein Synthesizer, keine Einspielungen vom Band.

    Sphärische Klänge durch Weingläser: Bassist Martin Hofmann, Ersatz-Pianist Markus Nanz und Schlagzeuger Steffen Maier leiten ein "Shine On You Crazy Diamond". Foto: Roland Pleier

    Weingläser statt Synthesizer

    Klangteppiche lassen sich auch natürlich erzeugen. Das wird von der ersten Sekunde an deutlich: Bassist Martin Hofmann, Schlagzeuger Steffen Maier und Ersatz-Pianist Markus Nanz lassen ihre Finger um den Rand von sechs wassergestimmten Weingläser kreisen. "Shine On You Crazy Diamond" vom Album "Wish You where here" (1975) unverkennbar, nicht gleich, aber ähnlich – und faszinierend.

    Es funktioniert

    Das funktioniert. Viele der Besucher scheinen das schon gewusst zu haben – obwohl die Aschaffenburger Band das erste Mal in Lohr auftritt. Kein Wunder: Die Band spielt Pink Floyd im Originalsound schon seit 1995 nach, die Unplugged-Version seit fünf Jahren. Max, ein 17-jähriger Frammersbacher, hat die Tribute-Band schon zweimal im Aschaffenburger Colos-Saal erlebt. Gitarrist Oliver Hartmann ist sein "absolutes Vorbild", schwärmt er, der selbst Gitarre lernt. "Der kann einfach Gitarre spielen." Max ist einer der wenigen Jugendlichen im Publikum. Pink Floyd hat er durch die CDs seines 60-jährigen Opas kennengelernt.

    Stimme eines Fans aus Sackenbach

    Karsten hingegen, 50 Jahre alt aus Sackenbach, hat Pink Floyd (ohne Roger Waters) noch live gehört, 1994 in Berlin, die Band Echoes "bestimmt schon siebenmal" erlebt und stimmt Max zu: "Der Oliver hat's einfach drauf." Dabei hatte Hartmann noch die Windeln an, als Pink  Floyd seine ersten großen Erfolge feierte. Er kenne auch die "Australian Pink-Floyd-Show", die mit 70 bis 100 Euro ein Drei- bis Vierfaches des an Eintrittsgeld verlangen, sagt Karsten. "Die kommen an Echoes nicht ran."

    Klassiker wie "Have a Cigar", "Welcome to the Machine" und "Wish you where here" sind im Programm, das rockige "Young Lust" und das getragene "Mother". An das Opus "Echoes" wagt sich die Band Echoes erst seit zwei Jahren – anders, aber fasizinierend.

    Gänsehaut-Feeling

    Sorgte mit ihrem Solo bei "The Great Gig in the Sky" für Gänsehaut: Sängerin Ilka Stöcker.
    Foto: Roland Pleier

    Ilka Stöckers Interpretation von "The great gig in the Sky", leidenschaftlich  vorgetragen - Gänsehaut. "Hey, teacher, leave them kids alone!" – bei Passagen wie dieser aus "Another Brick in the Wall" ist das Lohrer Publikum voll dabei. Der Verzicht auf Bombast schadet der abgespeckten Version von Pink Floyds Musik nicht im Mindesten, im Gegenteil, scheint sogar den Kern herauszuschälen. Nicht unbedingt besser, anders halt.

    Das Publikum – überwiegend Vertreter jener Generation, die mit Pink Floyd groß geworden sind – hat es genossen. "Wir kommen gerne wieder", sagt Frontman Oliver Hartmann. Dieses Versprechen dürften sich viele der Besucher zu eigen gemacht haben. Dann könnten auch die restlichen 200 Plätze  besetzt sein.

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