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    Lohr

    Wie groß soll das neue Parkdeck werden?

    Die Stadt Lohr plant, das Parkdeck an der Ignatius-Taschner-Straße abreißen und von einem Investor neu bauen zu lassen. Die Kapazität soll dann auf rund 250 Stellplätze erhöht werden. Foto: Johannes Ungemach

    Soll die Stadt beim geplanten Neubau des Parkdecks an der Ignatius-Taschner Straße klotzen statt kleckern und gleich ein Stockwerk mehr als geplant draufsetzen? Mit dieser Frage befassten sich die Stadträte in der Sitzung des Werkausschusses am Montagabend am intensivsten.

    Einen klaren Beschluss gab es dazu am Ende nicht. Aus den Redebeiträgen wurde jedoch die Tendenz erkennbar, dass eine Mehrheit der Räte die Kapazität des Parkdecks lieber gleich größer bemessen würde, um nicht in einigen Jahren wieder nachrüsten zu müssen.

    Wie Otto Mergler, Leiter der die städtischen Parkeinrichtung betreibenden Stadtwerke, zu Beginn erklärt hatte, sind für das neue Parkdeck 250 Stellplätze vorgesehen. Das sind 85 mehr als im derzeitigen Bau, der rund 40 Jahre alt und dessen Bausubstanz nach Darstellung der Stadtwerke marode ist.

    Im aktuellen Parkdeck sind 100 Stellplätze an Dauerparker vermietet. Man gehe davon aus, dass es hier jedoch Bedarf an 150 Plätzen gebe, so Mergler zur Aufstockung der Kapazität. Auch werde Platz für Besucher des auf der anderen Straßenseite auf dem Brauereiareal entstehenden Wohn- und Geschäftskomplexes benötigt.

    Angst vor Leerstand

    Mergler schlug vor, sich bei der Planung des Neubaus die Option einer späteren Aufstockung vorzubehalten. »Warum nicht gleich noch ein Stockwerk drauf«, fragte dazu Gerold Wandera (Grüne). Es sei angesichts der Entwicklungen in der Innenstadt zu erwarten, dass man die Stellplätze früher oder später brauch. Etliche Redner schlugen in die gleiche Kerbe. Mergler indes versuchte zu bremsen. »Ich möchte nicht erleben, dass wir über den derzeitigen Bedarf bauen und die Plätze dann leerstehen.« Auch Ruppertshüttens Ortssprecher Klaus Stürmer (Freie Wähler) mahnte, dass man angesichts der sinkenden Bevölkerungszahlen nicht mit einem stetig wachsenden Parkplatzbedarf rechnen könne.

    Wie Wolfgang Weis (Grüne), und Matthias Schneider (CSU) sprach sich dagegen auch Franklin Zeitz dafür aus, das Parkdeck gleich größer zu bauen. Anwohner der Altstadt fänden keine Parkplätze. Man müsse »keine Angst haben, dass wir zu viele davon haben werden.«

    Am Ende plädierte das Gremium dafür, sich Vorschläge für drei verschiedene Optionen unterbreiten zu lassen. Neben dem starren Bau eines 250 Stellplätze bietenden Parkdecks zählen die Option einer späteren Aufstockung und der Bau eines gleich 300 oder mehr Autos fassenden Neubaus dazu.

    Dass diesen Bau ein privater Investor errichten und danach an die Stadtwerke vermieten soll, hat der Stadtrat bereits grundsätzlich beschlossen.

    Den Abriss des Altbaus hingegen hätten die Stadtwerke gerne selbst erledigt. Das begründete Mergler zum einen mit der erhofften Zeitersparnis, zum anderen damit, dass die Stadtwerke so aufgrund steuerlicher Effekte einen niedrigen sechsstelligen Betrag sparen könnten.

    Abriss auf 800000 Euro taxiert

    Überdies sei damit zu rechnen, dass ein privater Investor beim von Mergler grob auf 800000 Euro taxierten Abriss des alten Parkdecks womöglich ohne Anlass einen Risikozuschlag einpreise. Das begründete Mergler damit, dass durch den Parkbetrieb der Boden unter dem Parkdeck kontaminiert sein könne - aber nicht müsse.

    Bürgermeister Mario Paul appellierte beinahe flehentlich dafür, der »Empfehlung der Fachleute« zu folgen und für einen Abriss durch die Stadtwerke zu stimmen. Eine denkbar knappe Mehrheit von sechs zu fünf Stimmen plädierte jedoch dafür, auch den Abriss des Parkdecks in die Hände des noch nicht auserkorenen privaten Investors zu geben. Die Erfahrung zeige, so begründete beispielsweise Richard Eyrich (SPD), dass alle Arbeiten, die die »öffentliche Hand anpackt, ein Drittel teurer werden als bei einem Privaten«. Die letzte Entscheidung über das Lastenheft des Neubaus ebenso wie über den Abriss liegt jedoch beim Stadtrat, der sich am 20. Februar mit dem Thema befassen wird.

    Kritik an Investorenmodell

    Dass dort nochmals eine Grundsatzdiskussion aufkommt, wie sie Gerold Wandera am Montag anklingen ließ, ist jedoch nicht zu erwarten. Der Stadtrat der Grünen sagte, dass er den Neubau des Parkdecks durch einen privaten Investor kritisch sehe. Ihm sei bundesweit kein Beispiel bekannt, bei dem diese Form der öffentlich-privaten Zusammenarbeit ein Vorteil für die Kommune gewesen sei. Vielmehr gehe es bei solchen Kooperationen immer um den Gewinn des privaten Investors und »in allen Fällen zu Lasten des Steuerzahlers«.

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