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    Lohr

    Wie junge Leute für Pflege begeistern?

    Junges Personal wird in der Pflege dringend gebraucht. Auf diesem Symbolbild aus Brandenburg hält eine junge Pflegerin die Hand einer alten Frau.
    Junges Personal wird in der Pflege dringend gebraucht. Auf diesem Symbolbild aus Brandenburg hält eine junge Pflegerin die Hand einer alten Frau. Foto: dpa/Christophe Gateau

    Einen Nachmittag der Missverständnisse hat der Sozialausschuss des Stadtrates am Dienstag erlebt. Thema war die Schaffung von Netzwerken, um Schülerinnen und Schüler für den Pflegeberuf zu begeistern. Allerdings stellte sich heraus, dass die Stadt dafür nicht zuständig ist und im Kreis bereits solche Netzwerke existieren.

    Los ging es mit organisatorischen Problemen. Wegen der Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten am Abend war der Sitzungsbeginn von 17 Uhr auf 16 Uhr vorverlegt worden. Davon wussten die Hauptreferentin Sina Steffen von der Contec GmbH und mehrere Sachverständige aber nichts. Bürgermeister Mario Paul übergab die Sitzungsleitung an 3. Bürgermeisterin Ruth Steger (SPD), um sich auf den Abend vorzubereiten.

    "Care4future" heißt das Projekt, das Steffen dem Ausschuss näherzubringen versuchte. Sie ist Projektleiterin der Beratungsfirma Contec, die nach ihren Angaben ausschließlich im gesundheits- und sozialwirtschaftlichen Bereich tätig ist und deutschlandweit bereits 70 Netzwerke für den Personalnachwuchs im Pflegebereich geknüpft hat.

    Direkter Eindruck vom Beruf

    Diese Netzwerke bestünden zwischen allgemeinbildenden Schulen, Pflege- und anderen Berufsfachschulen, der Arbeitsagentur und Unternehmen im Gesundheitsbereich, so Steffen. Damit gehe man einen "Schritt über Berufsorientierungsmessen und ähnliche Veranstaltungen hinaus". Die Schülerinnen und Schüler bekämen einen direkten Eindruck vom Pflegeberuf vermittelt.

    Eckpunkte des Konzeptes seien die Etablierung eines Wahlpflichtkurses oder einer Arbeitsgemeinschaft für Soziales und Pflege an allgemeinbildenden Schulen und das "Peer-Learning". Dabei lernten die Schülerinnen und Schüler ab der 8. und 9. Klasse von annähernd gleichaltrigen Auszubildenden in Pflegeberufen und könnten mit ihnen "auf Augenhöhe kommunizieren".

    Die Kurse gibt laut Sina Steffen nicht die Firma Contec, sondern die regionalen Partner, die das Unternehmen zuvor gesucht hat. Contec knüpfe die Kontakte, übernehme Moderation und Protokollierung, stelle alle Unterlagen und kümmere sich um Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Von der Beauftragung bis zum Abschluss des "ersten Umlaufs" vergingen eineinhalb bis zwei Jahre. Das Honorar von Contec bezifferte Steffen auf "circa 13 000 Euro plus Nebenkosten und Mehrwertsteuer".

    "Mir ist unklar, welchen Beitrag dazu die Stadt Lohr leisten kann", sagte Matthias Schneider (CSU). Brigitte Riedmann (FW) meinte, die Stadt sei der falsche Ansprechpartner, zumal der Kreis der Träger der weiterführenden Schulen sei. Es sei schade, dass der Bürgermeister nicht mehr da sei, "er hat uns wieder ein Ei gelegt".

    Die Stadt sehe sich als Impulsgeber, wandte Ruth Steger ein. "Aber welchen Impuls will sie geben?", legte Riedmann nach. Der Impuls könne nur vom Kreis oder den regionalen Ansprechpartnern kommen.

    Diese waren mit den Pflegedirektorinnen Marianne Schaffarczik (Bezirkskrankenhaus) und Gabriele Frings (Kreiskrankenhaus), Gabriele Kimmel und Antonia Siegler (Caritas-Kreisverband) sowie Raffaela Gräßle (Gesundheitsregion Main-Spessart plus) in der Sitzung vertreten und haben, wie schnell deutlich wurde, längst eigene Netzwerke geknüpft.

    Gesundheitsregion geeignet

    Die Gesundheitsregion wurde von den meisten Anwesenden als der geeignete Ansprechpartner ausgedeutet. Einzige konkrete Auswirkung der Sitzung war am Ende die Zusage von Raffaela Gräßle, das Thema beim nächsten Treffen der Gesundheitsregion anzusprechen.

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    Bearbeitet von Thomas Josef Möhler

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