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    Karlstadt

    Wie lassen sich Karlstadter Bauplätze gerecht vergeben?

    Wenn Baugebiete entstehen, gibt es oft mehr Bewerber als Grundstücke. Wie lässt sich eine gerechte Auswahl treffen? Karlstadt versucht es mit einer neuen Software. (Symbolbild) Foto: Wolfgang Heß

    Für das Baugebiet im Karlstadter "Wurzgrund" mit 20 Plätzen gibt es 190 Interessenten. Da fällt es schwer zu entscheiden, wer einen bekommen soll. Die Stadtverwaltung wünscht sich deshalb ein Instrument, mit dem sich die Vergabe steuern lässt. Die Software "Baupilot" erlaubt es, verschiedene Kriterien zu gewichten. Der Bauausschuss tat sich am Dienstag aber schwer, die Übersicht über alle Kriterien und deren Gewichtung zu bewahren. 

    Die Vorschläge und Möglichkeiten, Beziehungsstatus, Alter und Anzahl der Kinder, ehrenamtliches Engagement, Einkommen und vieles mehr zu bewerten, sind vielfältig. Ein Kassier im Kegelverein könnte mehr Punkte erhalten als einer, der zweimal die Woche Jugendfußballer trainiert. Ein Paar mit einem dreijährigen Kind soll höher bewertet werden als ein Paar mit einem fünfjährigen. Aber sind zwei Teenager mehr wert als ein pflegebedürftiger Angehöriger? Soll einer, der schon in Karlstadt wohnt, eher einen Bauplatz erhalten als ein Auswärtiger? Das sind die Fragen, mit denen sich die Bauausschussmitglieder in der Sitzung am Dienstag herumschlagen mussten. 

    Wofür gibt's Punkte und wie viele?

    Schon jetzt werden die Bauwerber nach einem Punktesystem "bewertet". Familien mit Kindern werden beispielsweise bevorzugt; das ist auch in anderen Kommunen üblich. "Aber unser Raster ist zu grob. Wir kommen immer noch auf viel zu viele Bewerber mit der gleichen Punktzahl", sagte Verwaltungsmitarbeiterin Eva Löhr. Deswegen soll künftig stärker differenziert werden. Die Bauwerber müssen Auskunft geben und Belege liefern, die Verwaltungsmitarbeiter werden die Unterlagen sichten und die Informationen in die neue Software eingeben. Das Programm erledigt dann die Auswertung. Jeder Interessierte soll sich für höchstens zwei Bauplätze bewerben dürfen.

    Löhr stellte mögliche Kriterien zur Auswahl von Bauwerbern vor und machte Vorschläge zur Gewichtung. Fünf Punkte für Singles, zehn Punkte für Paare – Zustimmung. Aber 20 Punkte oder nur fünf für Kinder von 0 bis 3? 15 Punkte oder vier für Kinder von 3 bis 6? Zehn Punkte oder drei für Kinder von 6 bis 14? Fünf Punkte oder zwei für Kinder von 14 bis 18? Für eine nachgewiesene Schwangerschaft auch 20 Punkte – oder fünf? Der Bürgermeister plädierte für die jeweils niedrigere Bewertung und fand Zustimmung.

    Mehrere Seiten lang waren die Vorschläge zu den Kriterien und der vorgeschlagenen Gewichtung. Foto: Markus Rill

    Auch bei Behinderungen und Pflegegrad gab es die Wahl zwischen einer sehr aufgefächerten Punkteverteilung (50 Prozent gleich drei Punkte, 60 Prozent gleich sechs Punkte und so weiter bis 100 Prozent gleich 18 Punkte; Pflegegrad 0 gleich drei Punkte, bis Grad 5 gleich 18 Punkte) und einer weniger differenzierten. Die Ausschussmitglieder einigten sich auf sechs Punkte für eine Behinderung ab 60 Prozent oder einen Pflegegrad höher als 0.

    So ging's weiter: Ehrenamtliches Engagement gibt Pluspunkte, aber nur, wenn es in Karlstadt erfolgt. Für den Einsatz in Hilfsorganisationen gibt's 15 Punkte, für ein Vorstandsamt in einem Karlstadter Verein zehn Punkte. Wer in Karlstadt wohnt oder früher dort gewohnt hat, kann einen Punkt pro Jahr einstreichen, aber nicht mehr als fünf Punkte. 

    Große Diskussion blieb aus

    In einer dreistündigen Sitzung war dies einer der letzten Punkte auf der Tagesordnung. Die ganz große Lust, diese Gewichtungen intensiv zu diskutieren, war nicht mehr vorhanden. Einig waren sich die Räte aber, dass das Einkommen nicht bewertet werden sollte. Und: Wenn die Stadt diese Vergaberichtlinie einführt, soll sie das alleinige Kriterium sein. Der Vorschlag, nur 65 Prozent der Plätze nach dieser Bewertung zu vergeben, 25 Prozent zu verlosen sowie zehn Prozent als Einzelfall zu vergeben, fand keine Zustimmung. In begründeten Sonderfällen – wenn sich beispielsweise ein Allgemeinarzt niederlassen wolle – könne man das betreffende Grundstück einfach aus der Vergabe herausnehmen.

    Die Ausschussmitglieder brachten eine gewisse Skepsis zum Ausdruck: "Wir verlangen den Bauwerbern ganz schön viele Auskünfte ab", wandte beispielsweise Eugen Köhler ein. Eine Demonstration, die die Vorteile der neuen Bewertung aufzeigen könnte, blieb aus. Nach über zweieinhalbstündiger Sitzung waren die Räte dennoch der Diskussion müde. Einstimmig empfahl der Bauausschuss die Vergaberichtlinie mit den genannten Gewichtungen dem Stadtrat zum Beschluss.  

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