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    Karlburg

    Wieso die kleine Karlburger Bücherei funktioniert

    Wally Herzog (links) leitet seit 20 Jahren die Karlburger Bücherei. Brigitte Gehret (Mitte), Sabine Wiesmann und viele weitere Frauen, Jungen und Mädchen unterstützen sie. Foto: Markus Rill

    "Die Faustregel lautet, wenn eine Bücherei im Jahr einmal ihren Bestand verleiht, funktioniert sie gut", sagt Wally Herzog, seit 20 Jahren Leiterin der Karlburger Bücherei. Dort finden sich rund 4480 Medien und es gab im Jahr 2018 über 10 000 Ausleihen. Demzufolge funktioniert die Karlburger Pfarrgemeindebücherei hervorragend. Das liegt an Wally Herzog, ihrem Team und dem gemeinsamen Engagement.

    Der frühere Karlburger Schulleiter Ferdinand Lobenhofer gründete die Bücherei im Dezember 1965 und leitete sie über 30 Jahre lang. Nach der Eröffnung der Karlstadter Bücherei in der Hohen Kemenate war der Fortbestand der kleinen Bücherei im mittlerweile eingemeindeten Karlburg bedroht. Doch die Bürger protestierten, Schulkinder schrieben – von Lobenhofer motiviert – Plakate mit Argumenten zum Erhalt und die Stadt fand einen Kompromiss. Seit 2004 gehört das Kleinod zur Pfarrgemeinde.

    Kleines Budget, großer Erfolg

    Stadt und Pfarrgemeinde geben der Bücherei je 500 Euro pro Jahr, dazu gibt's 250 Euro staatlichen Zuschuss. "Davon beschaffen wir unsere neuen Bücher und Medien", sagt Wally Herzog. "Zusätzlich sind wir auf Spenden angewiesen und die bekommen wir gottseidank auch." Vereine und Privatleute unterstützen das rührige Team, der Erlös eines Kinderbasars kommt hinzu. Rund 1000 Euro erhält die Bücherei durchschnittlich pro Jahr aus diesen Quellen. "Vergangenes Jahr kamen wir durch eine Hochzeitsspende auf fast 2000 Euro extra."

    Im Wunsch-Topf der Karlburger Bücherei hinterlassen die Kunden ihre Buchwünsche. Foto: Markus Rill

    Finanziell ist die Bücherei also nicht üppig ausgestattet, kommt jedoch zurecht. Aber wie kommt es, dass eine Einrichtung, die nur einmal in der Woche für vier Stunden geöffnet ist – freitags von 15 bis 190 Uhr –, so erfolgreich ist? Wally Herzog hat dafür eine einfache Erklärung: "Seit vielen Jahren leite ich das Mutter-Kind-Turnen in Karlburg. Dadurch lerne ich viele junge Familien kennen, die dann mal bei uns vorbeischauen." Oft entstehen daraus langjährige Verbindungen. In den Räumen der Bücherei im ersten Stock des Karlburger Feuerwehrhauses hängen von Kindern gemalte Bilder. Herzog deutet einige heraus und sagt: "Der Junge, der das gemalt hat, kommt heute mit seinen eigenen Kindern. Das Mädchen ist jetzt Babysitter und kommt mit den von ihr betreuten Kindern."

    Kinder und Jugendliche sind also die Hauptnutzer der Bücherei. 185 der 627 Ausleiher im vergangenen Jahr waren nicht älter als zwölf Jahre. Und fast alle Ausleiher – egal welchen Alters – kommen regelmäßig. Im Schnitt leihen die Karlburger Büchereinutzer mehr als 15 Medien pro Jahr aus. Den Bestand haben Herzog und ihr Team in den vergangenen Jahren drastisch verringert. "Es war einfach zu voll hier", sagt die Leiterin. "Man sagt, wenn ein Buch drei Jahre lang nicht verliehen wurde, sollte es aussortiert werden." 

    Aktualität ist das Wichtigste

    Ganz so streng ist Herzog nicht, dennoch müssen auch lieb gewonnene Romane Platz machen für Neueres. "Mir ist fast das Herz gebrochen, als ich die Hanni & Nanni-Bücher aussortieren musste", sagt sie. Aber heute gebe es eben andere Trends: "Sternenschweif "und "Ponyherz"heißen die Serien, die Pferdeliebhaberinnen dieser Tage verschlingen. Darüber informiert sich die Büchereileiterin aus zwei Quellen: Aus Katalogen und Mails des katholischen Medienhauses Sankt Michaelsbund und der Katholischen Öffentlichen Büchereifachstelle (KÖB) sowie aus dem Wunschtopf in der Karlburger Bücherei. Dort dürfen die Büchereikunden Zettel mit ihren Bücherwünschen hinterlassen. "Da kommen jeden Freitag einige Wünsche rein." 

    Aktualität sei sehr wichtig. "Zurzeit gehen die Krimis mit Lokalkolorit sehr gut, beispielsweise die Eberhofer-Reihe von Rita Falk." Harry Potter dagegen sei "schon durch" und werde kaum noch ausgeliehen. Einige Klassiker laufen dagegen immer. Die Asterix-Comics waren durch die häufige Leihe "schon ganz zerfleddert". Doch Herzog fällt immer etwas ein. Kurzerhand warb sie um Comic-Paten, die jeweils einen Asterix-Band im Hardcover stiften. Der Plan ging auf, mittlerweile sind alle Asterix-Bände wieder erhältlich – in Top-Zustand. 

    Alle Asterixhefte wurden mit festem Einband neu angeschafft – mit der Hilfe von "Comicpaten".  Foto: Markus Rill

    Der Karlburger Kindergarten kommt einmal im Monat vorbei, die Grundschüler mehrfach im Schuljahr. Für die ganz Kleinen gibt's auch Vorlese- oder Bastelstunden in der Lese-Ecke oder im Nebenzimmer. So lernen die Kinder die Bücherei als angenehmen Ort kennen und bleiben ihm lange treu. Viele frühere Kunden zählen heute zum Mitarbeiterkreis.  

    Viele helfen mit

    "Jeder Freitag ist in zwei zweistündige Schichten eingeteilt, in denen je ein Erwachsener und zwei Jugendliche vor Ort sind", erklärt Herzog. Die Mitarbeiter beraten die Kunden, helfen Bücher finden, sortieren sie ein und halten auf Karteikarten fest, wer gerade welches Buch geliehen hat und wann es zurück erwartet wird. Bücher werden vier Wochen lang verliehen, DVDs und Zeitschriften für zwei Wochen – alles kostenlos.

    Insgesamt sind 46 Menschen bereit, sich ehrenamtlich einzubringen. Brigitte Gehret sagt: "Es ist so schön, die Kinder zu beraten. Ich habe eine Aufgabe gesucht und gefunden." Sabine Wiesmann erklärt: "Ich lese selbst gern. Also macht es mir Spaß, mitzuhelfen." Wally Herzog sagt: "Ohne die vielen Helfer ginge es gar nicht." Gerade wurde der Vertrag mit der Stadt über die Unterstützung der Karlburger Bücherei für zehn Jahre verlängert. Wally Herzog will weiter für den Erfolg sorgen.

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