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    Lohr

    Wissen teilen als Auftrag

    VHS-Leiterin Susanne Duckstein (rechts) bereitet mit ihrer Mitarbeiterin Dagmar Müssig das Programm für den Herbst 2019 vor.
    VHS-Leiterin Susanne Duckstein (rechts) bereitet mit ihrer Mitarbeiterin Dagmar Müssig das Programm für den Herbst 2019 vor. Foto: Wolfgang Weismantel

    Mit dem Slogan »100 Jahre Wissen teilen« feiern die Volkshochschulen (VHS) in Deutschland ihr Jubiläumsjahr. Heute gibt es 900 von ihnen bundesweit, die von Städten und Landkreisen unterstützt werden. Auch die Lohrer VHS kann auf eine lange Geschichte zurückblicken.

    Sie gehört in Bayern zu den erfolgreichsten Einrichtungen ihrer Art, da sie ihre Angebote immer wieder erweitert und neue Bürger für Kurse und Veranstaltungen gewinnt.

    Mit dem Jubiläum berufen sich die Volkshochschulen auf die Weimarer Verfassung von 1919. Sie forderte alle staatlichen Ebenen auf, die Erwachsenenbildung und die Volkshochschulen zu fördern. Dies löste eine deutschlandweite Gründungswelle aus.

    Aus der Taufe gehoben

    Im ehemaligen Landkreis Lohr fing alles erst später mit einem einstimmigen Kreistagsbeschluss 1952 an, der sich für die Errichtung einer Volkshochschule aussprach. Ein Jahr danach wurde das Volksbildungswerk Lohr aus der Taufe gehoben, für das zunächst der Landkreis und nicht die Stadt verantwortlich war.

    Ab 1953 kümmerte sich der Regierungsrat und spätere Landrat Rudolf Balles um das Werk. Er übernahm die Geschäftsführung und bezeichnete die VHS als »sein legitimes dienstliches Lohrer Kind«. Erster Leiter dieser Einrichtung war Gymnasiallehrer Alfons Klüpfel, den 1967 sein junger Kollege Berthold Wagner ablöste. Dass es dazu kam, hatte er seiner Frau zu verdanken. Sie arbeitete im Landratsamt, und als ihr Chef jemanden für die Leitung der VHS suchte, sagte sie spontan: »Fragen Sie meinen Mann, der kann so was. Und das interessiert ihn auch.« Heute meint Wagner: »Das hat Spaß gemacht und ich habe selbst viel dabei gelernt.«

    Stadt wird Träger

    Als immer mehr zu tun war, wurde er vom späteren Bürgermeister Siegfried Selinger, damals ebenfalls Gymnasiallehrer, viele Jahre unterstützt. In dieser Zeit übernahm die Stadt Lohr die Trägerschaft vom Landkreis, und die Volkshochschule wurde zum Erfolgsmodell, auch wenn das Angebot im Vergleich zu heute recht bescheiden war.

    Als 1979 Meinrad Amrhein als erster hauptberuflicher Leiter die VHS zu verantworten hatte, kam mit seinen Ideen eine neue Dynamik ins Programm, das sich von Heimatgeschichte über ein erweitertes Sprachangebot und Gesundheitsbildung bis hin zu berufsbezogenen oder EDV-Kursen rasant weiterentwickelte.

    Amrhein ging 2007 in Pension. Seine Nachfolgerin Gisela Schlemmer organisierte die nicht einfache Fusion der VHS Lohr/Gemünden. Zugleich baute sie das Spektrum der Kurse und Veranstaltungen weiter aus, mit denen sie die kulturellen, sprachlichen, musikalischen, sportlichen und gesundheitlichen Bedürfnisse der Bürger bedienen konnte. Als Lohr immer bunter wurde und mit der starken Nachfrage nach Integrations- und Sprachkursen eine starke Herausforderung auf die VHS zukam, war sie schnell und flexibel zur Stelle. Ein Glücksfall war der Umzug des VHS-Teams in den ersten Stock des Postgebäudes, weil hier genügend Platz war, um das stetig wachsende Programm zu organisieren. Im laufenden Jahr geht es dabei immerhin um fast 800 Kurse und Einzelveranstaltungen mit über 7000 Teilnehmerbuchungen. Um das zu schaffen, benötigt die VHS über 200 Dozenten und Kursleiter.

    Manche Kurse ausgebucht

    Aktuell arbeitet das Team unter der neuen Leiterin Susanne Duckstein am Programm, mit dem die VHS in den Herbst starten wird. Manche Kurse sind von Beginn an ausgebucht, andere überraschen. Dazu gehören vor allem die Einzelveranstaltungen in der Alten Turnhalle mit ihrer angenehmen Atmosphäre, »für die wir sehr dankbar sind und um die uns viele beneiden«, wie Susanne Duckstein hervorhebt.

    Was genau demnächst angeboten wird, erfahren die Bürger mit dem Erscheinen des neuen Programms. Eins ist aber schon sicher: Im Rahmen des Jubiläums 100 Jahre VHS wird es im September eine bunte Veranstaltung mit vielen Mitmachaktionen in der Alten Turnhalle geben. Unter dem Motto »Zusammen leben, zusammen sein, zusammen gestalten«, können die Besucher kreativ mitfeiern und ihre VHS einmal ganz anders erleben.

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    Bearbeitet von Wolfgang Weismantel

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