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    Lohr

    Wo das Gefühl hörbar wird

    Das Sinfonieorchester aus Novosibirsk mit dem Solisten Marceau Levèfre sowie dem Dirigenten Thomas Sanderling. Foto: Xenia Trendel

    Mit einem besonderen, hochkarätigen Konzert hat am Freitagabend die Stadthalle gelockt: Das Novosibirsk Philharmonic Orchestra gastierte in Lohr. Das russische Sinfonieorchester unter der Leitung von Thomas Sanderling gab ein ausgewogenes Programm zum Besten. In klassischer Manier standen drei Werke auf dem Programm. Angefangen vom russischen Komponisten Tschaikowsky, sozusagen mit Klängen aus der Heimat des Orchesters, ging es mit Carl Maria von Weber und Ludwig van Beethoven nach Deutschland.

    Das Besondere an diesem Klangerlebnis war eine spür- und hörbare Einheit im Orchester. Mit einer Intensität, in der Ausdruck und Technik der einzelnen Spieler perfekt aufeinander abgestimmt waren, verschmolzen die Stimmen miteinander und ließen die Musik erstrahlen. Die Serenade für Streicher op. 48 von Peter Tschaikowsky begeisterte mit einer Mischung aus romantischer Innigkeit, Eleganz und Leichtigkeit. Die verhältnismäßig langsame Interpretation von Sanderling bestach durch sehr gefühlvolles Spiel des Orchesters. Die Akustik der Stadthalle gab ihres dazu und ermöglichte einen klaren, direkten Klang. Ob tänzerisch, introvertiert oder expressiv, die Stimmungen wurden im Orchester differenziert umgesetzt und an die Zuhörer transportiert. Die komponierte Interaktion zwischen den Stimmen kam in der Interpretation deutlich heraus – so wanderten ganze Passagen durch das Orchester, von den tiefen in die hohen Stimmen und wieder zurück. Der vierte Satz zeigte sich fast überschwänglich: Was vorher noch so gefühlsbetont war, ging im Übergang der Reprise des erstens Themas in ein furioses Finale über, nach dem das Lohrer Publikum den Applaus nicht zurückhalten konnte.

    Raum für den Solisten

    Nach dem Werk für Streichorchester trat für das Fagottkonzert op. 75 von Weber das komplette Symphonieorchester auf, zusätzlich bereichert um den jungen Solisten Marceau Lefèvre aus Frankreich. Das Orchester trat deutlich in den Hintergrund und schuf Raum für den Solisten. Mal lyrisch singend, mal virtuos auf- und abschraubend, nicht zuletzt humoristisch nutzte Lefèvre das ganze Spektrum des Instrumentes in seinem Fagottspiel. Besonders begeisterte das Zusammenspiel mit dem agil agierenden Bläserapparat.

    In Beethovens 7. Symphonie trug das Orchester seine Energie in den Konzertsaal hinein. Die Auseinandersetzung mit Rhythmen, die wie ein roter Faden durch die Symphonie führt, trugen die Musiker mit viel Schwung vor und ließen den Abend so insgesamt sehr kurzweilig erscheinen. Das Konzert war gut besucht; wenn die Stadthalle auch nicht komplett ausverkauft war, erfreute sich das angereiste Publikum der Musik auf diesem erstklassigen Niveau. Das Orchester steht auf einer Stufe mit den Orchestern in Moskau und St. Petersburg. Mit Sanderling steht ein Dirigent am Pult, der international mit den großen Orchestern wie denen aus London, Wien, Köln oder Pittsburg zusammen gearbeitet hat.

    Der deutsche Dirigent, der selbst in Novosibirsk geboren wurde verkörperte das deutsch-russische Programm an diesem Abend und ließ so manchen Konzertbesucher staunen über so viel musikalischen Glanz.

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