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    Gemünden

    YouTube-Kanal fuxx & hase: Gute-Laune-Filme aus Gemünden

    Walter Volpert betreibt seit einem Jahr seinen Heimatpodcast. Die Reportagen sind weltweit im Internet zu sehen und machen Lust auf die Dreiflüssestadt Gemünden.
    Der Spaßvogel in Walter Volpert hat seinen Oldtimer, einen Opel-Kadett, zum Ü-Wagen (Übertragungswagen) des Filmstudios Massenbuch werden lassen. Foto: Michael Fillies

    Seit gut einem Jahr hat Gemünden einen Ein-Mann-Fernsehsender. "fuxx & hase" verbreitet Nachrichten aus der Dreiflüssestadt in aller Welt. Über 30 Folgen sind mittlerweile im Internet-Videoportal Youtube zu sehen. Produzent, Drehbuchautor, Regisseur, Kameramann, Film- und Tontechniker sowie Reporter in einer Person ist der Gemündener Walter Volpert. Der 57-Jährige hat ein Hobby gefunden, an dem er alle Welt teilhaben lässt: Gute-Laune-Filme aus seinem Heimatstädtchen. Über 200 Abonnenten zählt "fuxx & hase - Dein Heimatpodcast" und verzeichnet bisher je Folge bis zum Zehnfachen an Aufrufen.

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    Sendungen im Zwei-Wochen-Takt

    Hobby-Reporter Volpert begleitet die größeren Ereignisse, vor allem Feste, in seiner Heimatstadt. Die erste Folge am 9. November 2018 galt der Verkehrsfreigabe der erneuerten Mainbrücke. "Ich versuche, alle zwei Wochen einen Beitrag zu bringen", berichtet der 57-Jährige von seinem Konzept. Inzwischen ist das Angebot ergänzt um Vorschauen auf Veranstaltungen und sogar einen Ableger unter einem eigenen Titel: "Durch Wald und Flur - Gemündens schönste Wanderwege". Dabei folgt Walter Volpert mit der Kamera "unserem Wander-Guide Wolfgang Hepp", der wohl alle Pfade um den Fremdenverkehrsort herum kennt.

    In seinem kleinen Studio moderiert Walter Volpert seine "fuxx & hase"-Sendungen. Die Wände sind mit grünem Tuch ausgeschlagen, womit wie im Profistudio beliebige Hintergründe in den Film eingefügt werden können. Foto: Michael Fillies

    Zeigen, was Gemünden alles zu bieten hat und wie schön diese Ecke Main-Spessarts ist – das sei ein wesentlicher Antrieb für das aufwendige Hobby, erzählt Volpert in seinem Filmstudio, dem ehemaligen Partykeller seines Eigenheims in Massenbuch. Er ist Geschäftsführer eines Tochterunternehmens eines DAX-notierten Konzerns und die meiste Zeit in München. Wenn die Kollegen dort scherzen, er sei zu Hause, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, dann antwortet er: "Kommt doch mal hin! Hier ist die Welt entschleunigt, lebenswert, schön." Darauf bezieht sich der Titel "fuxx & hase". Die eigenartige Schreibweise dabei soll Aufmerksamkeit wecken.   

    Digitaltechnik macht's möglich 

    Ein weiterer Antrieb für das Hobby ist Volperts Interesse an der Digitaltechnik. Sie ermöglicht ihm die Produktion nahezu professionell wirkender filmischer Dokumentationen und Reportagen. Die Ausrüstung ist stetig gewachsen, umfasst heute vier Kameras, Spezialmikrofone, die Licht- und Tontechnik, die Filmbearbeitungssoftware und eine Drohne. An den "fuxx & hase"-Folgen ist zu sehen, wie sich der Autodidakt perfektioniert. Und die Technik schreitet weiter voran; aktuell ist ein neues Smartphone mit leistungsfähiger Videotechnik auf den Markt gekommen und prompt zur Hauptkamera des "fuxx & hase"-Reporters geworden.

    Hobby-Fernsehreporter Walter Volpert im Einsatz auf der Gemündener Saalebrücke beim Aufstellen des Brückenhocker-Stuhls am 31. Mai 2019. Foto: Michael Fillies

    Doch der Aufwand bleibt trotz allem technischen Fortschritt immens; für zehn Minuten sendefertigen Film benötige er etwa fünf Stunden. Die einzelnen Folgen dauern eine Viertel- bis eine halbe Stunde. Die Zeit gönnt ihm seine Familie. Walter Volpert, der die Brückenhocker mitbegründet hat, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Seiner Frau Regina obliegt die Endabnahme der sendefertigen Beiträge.

    Moderner Medienkonsum

    Als ausschlaggebend für das Projekt "fuxx & hase – Dein Heimatpodcast" nennt Walter Volpert zum einen die Beobachtung, dass junge Leute gewünschte Informationen jederzeit im Internet abrufen und nicht etwa auf das Angebot zum Beispiel im Fernsehprogramm warten wollen, und zum anderen seinen eigenen Medienkonsum. Beruflich bedingt fahre er jährlich rund 70 000 Kilometer und höre dabei nicht Musik, sondern bestimmte Podcasts (jederzeit abrufbare Informationen bestimmter Anbieter). Weil er unter der Woche nicht daheim ist, interessiere ihn aber stark, was gerade in Gemünden los ist. Deswegen nutze er zum Beispiel das Digital-Angebot unserer Redaktion.

    Mit einfachen Mitteln gelingen dem Videofilmer Walter Volpert nahezu perfekte Dokumentationen. Foto: Michael Fillies

    Und was interessiert am meisten? "Das, worüber wir mit Freunden reden – oft Kleinigkeiten wie die Neuerungen bei der Müllabfuhr, das (umstrittene) Geländer an der Saale-Brücke oder das (viel gescholtene) Pflaster der Fußgängerzone. Die Zeitung haben neun von zehn Leuten wegen des Lokalteils und wegen des ,Karli Keiler'", weiß der 57-Jährige. So nahm sein Hobby Gestalt an: "100 Prozent digital, 100 Prozent lokal." Ein Grundsatz dabei ist, keine Beiträge über Religion, Sex und Politik zu bringen. Der Spaß an der Sache soll hingegen spürbar sein: "Ich versuche immer, mit einem gewissen Augenzwinkern zu berichten."

    Filmische Lokalzeitung

    Das wäre auch der Weg, den das Projekt noch nehmen könnte, überlegt Volpert: "Eine Lokalzeitung, aber in digitaler und filmischer Form. Mit Veranstaltungskalender, Polizeibericht, einer Glosse, Sportteil . . . den Mikrokosmos Gemünden darstellen." Auch eine kommerzielle Nutzung hält er für möglich; der Titel "fuxx & hase" sei deshalb mit Bedacht universell verwendbar gewählt; das Konzept könne auf jede andere Kommune übertragen werden. Der Gemündener hat nicht nur Spaß an der Technik und der Darstellung seiner Heimat, er ist auch gespannt auf die mögliche Entwicklung seines Projekts. Gern hätte er dabei Unterstützung: "Ich suche Lokalreporter. Ich muss nicht immer vor der Kamera zu sehen sein."

    Auch über die Scherenburgfestspiele berichtet Walter Volpert. Foto: Michael Fillies

    So lang Walter Volpert beruflich voll eingespannt ist, kann er allein "fuxx & hase" kaum weiter forcieren. Doch die Resonanz und die Anfragen lassen ihn die Möglichkeiten des Formats ahnen: "In den Großstädten kannst du nicht mehr leben, kein Haus bauen, keine Familie ernähren, keine Firma gründen. (...)  Unsere Region wäre gut für Digitalarbeitsplätze, vielleicht eine Agentur für die Nutzung digitaler Medien: Das wäre mein Traum, da könnte man etwas aufbauen."

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