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    Erlenbach am Main

    Zechpreller erwischt: Er hatte in 400 Kliniken übernachtet.

    Billiges Bett: In Krankenhäusern gab sich ein Wohnsitzloser jahrelang als Patient aus, um kostenlos übernachten zu können. In Unterfranken war jetzt Schluss mit der Masche. Foto: Federico Gambarini, dpa

    Die Kosten für ein Hotelzimmer sparte sich ein bundesweit aktiver Zechpreller: Er ließ sich als angeblicher Patient in Kliniken aufnehmen, ergatterte sich ein Bett zum Übernachten und verschwand am nächsten Tag wieder, ehe die Ärzte zur Untersuchung kamen. Aber in Unterfranken war jetzt Schluss mit lustig: Die Polizei machte ein (ebenfalls kostenfreies) Zimmer frei für den Mann.

    Handy eines anderen Patienten gestohlen

    Der 28-Jährige war nach Angaben von Polizeisprecher Björn Schmitt bereits im April erwischt worden, als er sich im Krankenhaus in Erlenbach  (Lkr. Miltenberg) gerade aus dem Staub machen wollte. Während seines Aufenthalts soll er auch das Handy eines anderen Patienten gestohlen haben.

    Zunächst glaubten die Ermittler an einen kleinen Betrugsfall. Doch im Lauf der folgenden drei Monate entpuppte sich der Vorgang als ein Fall von weit größerer Dimension, wie Schmitt und Leitender Oberstaatsanwalt Axel Weihprecht jetzt öffentlich machten: Offenbar hat der Wohnsitzlose das Übernachten in Kliniken seit Jahren  in großem Umfang zu seiner Masche gemacht. Er komme "für eine Vielzahl von gleichgelagerten Fällen im gesamten Bundesgebiet in Betracht", hieß es am Mittwoch in der Presseerklärung von Polizeipräsidium Unterfranken und Staatsanwaltschaft Aschaffenburg .

    Allein in Nordrhein-Westfalen mehr als 400 Fälle

    Allein in Nordrhein-Westfalen soll der Beschuldigte in mehr als 400 Fällen in den vergangenen drei Jahren aufgenommen worden sein. Dabei soll er "Leistungen im Gesamtwert von mehreren hunderttausend Euro erschlichen" haben. In den meisten Fällen hatte der 28-Jährige die Kliniken nur einen Tag später nach dem Frühstücken wieder verlassen. Er soll bei seinen Aufenthalten auch immer wieder Gegenstände entwendet haben. Und Pressesprecher Schmitt will auf Nachfrage nicht ausschließen, dass noch weitere dazukommen. "Derzeit sind unsere Kollegen dabei, das zu prüfen."

    In der Klinik in Erlenbach gaukelte er vor, sich bei einem Arbeitsunfall eine Kopfverletzung zugezogen zu haben. Darüber hinaus behauptete er, als Mitarbeiter der Deutschen Bahn Versicherungsnehmer bei der Unfallversicherung Bund und Bahn zu sein und eine Kostenübernahme daher gesichert sei.

    Verdächtiger in Untersuchungshaft

    Die Obernburger Polizei nahm den Tatverdächtigen am 12. April 2019 im Außenbereich der Klinik vorläufig fest, als er sich gerade wieder entfernen wollte.  Der 28-jährige Deutsche, der offenbar keinen festen Wohnsitz hat, wurde noch am Tag der Festnahme auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Dieser ordnete gegen den Mann die Untersuchungshaft wegen des dringenden Verdachts des Betruges und des Diebstahls an.

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