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    LOHR

    Zecken und Grasmilben sind „viel, viel häufiger“

    Milbe
    Winzig klein: Die Gras- oder Herbstmilbe Foto: Archiv MP

    Für eine kontroverse Diskussion sorgte der Berichtüber den Radweg zwischen Neustadt und Rodenbach, der wegen Vorkommens von Eichenprozessionsspinnern vorübergehend gesperrt worden war. Vollkommen richtig, sagen die einen. Unnötig, argumentieren andere. Doch wie groß ist die Gefahr durch die haarigen Raupen tatsächlich?

    Wie berichtet, war die Rodenbacher Feuerwehr am Sonntagabend aktiv geworden, hatte Trassierbänder an Anfang und Ende des rund zwei Kilometer langen Radweges auf dem ehemaligen Bahndamm gespannt. Dazu wies ein Din-A-4-Blatt auf die Ursache hin: Eichenprozessionsspinner. Am Montag hatte Lohrs Bauhofleiter Peter Bechold die Sperre wieder aufgehoben. Er hielt diese Vorsichtsmaßnahme für übertrieben. Im Rathaus seien mehrere Anrufe in dieser Sache eingegangen, teilte Pressesprecher Dieter Daus mit.

    „Alles richtig gemacht“

    „Die Kameraden aus Rodenbach haben meiner Meinung nach alles richtig gemacht“, bezog Neustadts Feuerwehrkommandant Peter Gowor auf Facebook Stellung. Sie haben nicht nur den Radweg gesperrt, sondern auch die Nachbarwehr und die Gemeinde Neustadt informiert. „Die Regelung ist für uns ist klar“, führte er aus: Den Gefahrenbereich absperren und die Bevölkerung im Umkreis von 300 Metern warnen (was hier nicht erforderlich war), die Einsatzkräfte auf Gefahren hinweisen sowie Raupen und deren Nester nicht berühren. „Es gibt nicht umsonst Leitfäden und Infos des Umweltbundesamtes.“

    „Ich bin durchgeradelt“

    „Seitlich dieser Hinweise war genug Platz, um dieses Hindernis zu umfahren beziehungsweise zu umgehen“, kommentiert ein Leser auf www.mainpost.de. „Außerdem waren keine amtlichen Schilder da. Es hätte sich ja auch um einen Streich handeln können. Ich bin durchgeradelt. Viele sind leider auf der viel befahrenen Straße gefahren, schwer beladen mit Gepäck.“

    Verharmlosen und dramatisieren – beides wäre sicherlich falsch. Tatsächlich bewirken die feinen Härchen der massenhaft an Eichen auftretenden Raupen zweierlei: Auf der Haut erzeugen sie eine toxische Reaktion, eine juckende Reizung, wie beispielsweise auch Brennnesseln, erläutert der Lohrer Hautarzt Hans-Günther Beck. Das kann sehr unangenehm sein, aber das war's dann auch.

    „Lebensgefahr besteht nicht“

    Eingeatmet, lösen sie bei manchen Menschen allerdings auch eine allergische Reaktion aus, die zu einem Schock führen kann. „Das ist allerdings selten“, betont Beck. „Lebensgefahr besteht nicht.“ Seine pragmatische Empfehlung: „Man macht halt a weng an Bogen drumrum“. Und im Zweifel: „Luft anhalten beim Vorbeigehen ist auch gut.“

    Unterm Strich stuft der Hautarzt die Gefahr durch die Raupen des Eichenprozessionsspinners als „nicht sehr groß“ ein. Zumal man die Raupenprozessionen und die Gespinste gut sehen und deshalb umgehen kann – ganz anders als die kleinen, piesackenden Zecken oder gar die noch kleineren und schier unsichtbaren Grasmilben, die mit 24-stündiger Verzögerung heftig juckende Pusteln hinterlassen.

    Aktuelle Zahlen sprechen für sich

    Becks Praxis-Statistik des laufenden Jahres: Patienten mit Borreliose nach Zeckenstichen hat er etwa zehn verarztet, solche mit Grasmilben „bestimmt 20 bis 30“. Im vergangenen Jahr habe er schon einige Fälle als Reaktion auf die giftigen Härchen der Raupe behandelt, zwei sogar mir „ganz arger“ Reaktion. In diesem Jahr allerdings hatte er noch keinen einzigen.

    Zecke auf der Haut
    Mit den Folgen von Zeckenstichen hat der Lohrer Hautarzt Hans-Günther Beck wesentlich häufiger zu tun als mit allergischen Reaktionen auf den Kontakt mit Eichenprozessionsspinnern. Foto: Daniel Reinhardt, dpa
    Eichenprozessionsspinner
    Eine Raupe des Eichenprozessionsspinners kriecht auf einem Eichenstamm entlang. Foto: Patrick Pleul, dpa

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