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    Triefenstein

    Zementwerk will Klärschlamm verbrennen

    Blick auf das Zementwerk Lengfurt, das nach technischer Nachrüstung künftig auch Klärschlamm verbrennen kann.
    Blick auf das Zementwerk Lengfurt, das nach technischer Nachrüstung künftig auch Klärschlamm verbrennen kann. Foto: Günter Reinwarth

    CSU-Sprecherin Stefanie Engelhardt ließ am  Dienstagabend in der öffentlichen Gemeinderatssitzung unter Leitung von stellvertretendem Bürgermeister Werner Thamm ihrem Ärger freien Lauf. Sie sei "ziemlich enttäuscht" über den fehlenden Informationsaustausch von Seiten des Zementwerks, machte sie deutlich.

    Der Hintergrund: Nach einer im April dieses Jahres begonnenen Versuchsphase, die laut Werksleiter Michael Becker "keine negativen Auswirkungen" auf die Umwelt ergeben hatte, möchte das Zementwerk dauerhaft  "thermisch getrockneten Klärschlamm als Sekundärbrennstoff" einsetzen.

    Auch in übrigen Teilen des Marktgemeinderates löste diese Ankündigung Überraschung aus, weil keine Informationen des Unternehmens vorlagen. Die Kommune erfuhr offensichtlich von dem Vorhaben erst in einem Schreiben des Landratsamts Main-Spessart vom 14. November, mit dem die Karlstadter Behörde auch den Markt Triefenstein um sein Einvernehmen zu der geplanten Klärschlamm-Verbrennung gebeten hatte. Dieses Einvernehmen verlangt das Baugesetzbuch.  

    Als Zweiter Bürgermeister Werner Thamm diesen Sachverhalt dem Gemeinderat mitteilte, waren am Ratstisch staunende und fragende Gesichter gleichzeitig auszumachen. Weil das Zementwerk "technisch nachgerüstet" hatte, kann nun auch der Markt Triefenstein seinen auf 30 Prozent Trockenmasse reduzierten Klärschlamm vor Ort entsorgen, trocknen und verbrennen lassen. Derzeit fallen in der im Süden Trennfelds liegende Kläranlage nach deren umfangreichen Sanierung pro Jahr 115 Tonnen Klärschlamm an. Diese Menge wird aktuell von einem kommunalen Entsorgungsunternehmen des Landkreises Würzburg zum großen Teil zur Verbrennung und weiteren Trocknung im Zementwerk Schwenk nach Karlstadt gefahren.

    Wo der der restliche Klärschlamm landet, ist dem Gemeinderat bislang nicht bekannt. Nachdem die Triefensteiner Kläranlage technisch nachgerüstet wurde, kann jetzt der Klärschlamm stärker getrocknet werden. Dies hat eine Reduzierung des Entsorgungsaufwands von 50 000 Euro auf 15 000 Euro pro Jahr zur Folge.

    Gegen eine Stimme Verbrennung befürwortet

    Obwohl der Gemeinderat am Dienstagabend aus verwaltungstechnischer Notwendigkeit gegen die Stimme von Stefanie Engelhardt gegenüber dem Landratsamt doch sein Einvernehmen zur Klärschlamm-Verbrennung in Lengfurt erteilt hat und der in der Sitzung anwesende Werksleiter Michael  Becker eine "technisch gute Verwertung ohne Rückstände" mit erheblicher Reduzierung der Grenzwerte deutlich machte, war man mit der Informationspolitik  des Zementwerks nicht zufrieden. Auch nach Beckers Anmerkung, dass "unser Dienstweg" zuerst über das Landratsamt und nicht über die Gemeinde geht, konnte man bei den Triefensteiner Kommunalpolitikern keine Aufhellung ihrer Mienen erkennen.

    Ob und wann Triefenstein seinen Klärschlamm über das Zementwerk entsorgen kann, steht noch nicht fest. Derzeit wartet man zusammen mit anderen Kommunen in den Landkreisen Main-Spessart und Würzburg auf das Ergebnis einer europaweiten Ausschreibung, die die preisgünstigste Entsorgung  und ab 2020  eine vertragliche Laufzeit von fünf Jahren zum Ziel hat.

    CSU-Sprecherin Stefanie Engelhardt hatte zu Beginn der Beratungen beim Klärschlamm-Transport und bei der anschließenden Entsorgung eine Staubbelastung der Bürger nicht ausgeschlossen. Ähnliche Befürchtungen kamen auch von Wolfgang Virnekäs (CSU) und Bernd Wiedemann (Freie Bürger). Werksleiter Becker versprach: "Sie haben nichts zu befürchten!"

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