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    Lohr

    Ziel: Eine Stunde kostenfreies Parken

    Wer in den beiden auf dem Brauereiareal entstehenden Einkaufsmärkten für mindestens fünf Euro einkauft, soll in der Tiefgarage und auf dem geplanten neuen Parkdeck eine Stunde kostenfrei parken können. Das jedenfalls ist das Ziel eines Vertrages, den die Stadt und der Investor des Brauereiareals anstreben. Das Bild zeigt die Einfahrt zum jetzigen Parkdeck. Foto: Johannes Ungemach

    In der Lohrer Altstadt bahnt sich ein neues Parkmodell an: Man soll auf dem Parkdeck und in der Tiefgarage unter dem Brauereiareal eine Stunde kostenfrei parken dürfen - sofern man in den geplanten Märkten von Rewe und dm einkauft.

    Hinter den Kulissen arbeiten der Investor des Brauereiareals, die Bamberger Krakat Real Estate Gruppe (KRE), und die Stadt seit Wochen an einem Vertrag. Im Stadtrat, der sich aktuell mit dem Lastenheft für den Parkdeckneubau befasst, wurde darüber indes noch nicht entschieden. Dort gibt es auch kritische Stimmen - und sogar die Aussage, noch nie von dem Thema gehört zu haben.

    Der Plan sieht so aus: Der Investor des Brauereiareals stellt 85 Plätze der dort entstehenden Tiefgarage den Stadtwerken mietfrei zur Bewirtschaftung zur Verfügung. Im Gegenzug gestattet die Stadt Kunden von Rewe und dm, im geplanten Neubau des Parkdecks eine Stunde lang kostenfrei zu parken. Die gleiche Regelung soll für die Tiefgarage des Brauereiareals gelten. Die Zeitgutschrift von einer Stunde sollen alle Kunden erhalten, die in einem der beiden Märkte für mindestens fünf Euro eingekauft haben.

    Dass diese Regelung angestrebt ist, bestätigte Harald Gerlach, der Projektentwickler für das Brauereiareal, auf Anfrage der Redaktion. Es gehe um eine Vereinbarung »zum wechselseitigen Nutzen«. Formal sei die vorgeschriebene Stellplatzzahl für das Bauvorhaben auf dem Brauereiareal in der dortigen Tiefgarage abgedeckt. Jedoch wünschten Rewe und dm für ihre Märkte weiteren Parkraum, so Gerlach. Dieser könne im Parkdeckneubau gedeckt werden.

    Ob dann auf dem Parkdeck zehn oder 200 Kunden der beiden Märkte parkten, hänge vom Andrang ab. Als Gegenleistung könnten die Stadtwerke durch das Bewirtschaften der Tiefgarage unter dem Brauereiareal Einnahmen erzielen. »Ein Geben und Nehmen«, so Gerlach.

    Im Stadtrat gibt es dazu unterschiedliche Aussagen. Das ergab eine Umfrage der Redaktion unter den Fraktionsvorsitzenden. Erstaunen herrschte bei Matthias Schneider, dem Vorsitzenden der CSU-Fraktion. »Das höre ich heute zum ersten Mal«, sagte er, als er von der angestrebten Vereinbarung zwischen KRE und Stadt hörte. Schneider forderte: »Es müssen alle Fakten auf den Tisch.«

    Die Stadt verweist indes darauf, dass das Thema sehr wohl bereits im Rat behandelt worden sei, und zwar, so Pressesprecher Dieter Daus, am 10. Oktober und jüngst am 11. Februar. Auch die SPD-Fraktionsvorsitzende Ruth Emrich sagt über den geplanten Parkplatz-Deal: »Ja, das ist bekannt.« Man habe in einer Ausschusssitzung darüber gesprochen.

    Berechnung zur Gegenleistung

    Ulrike Röder, Fraktionsvorsitzende der Grünen, sieht in der Komplexität der vertraglichen Regelung zwischen Stadt und KRE den Grund dafür, dass sich die Planung des Parkdeckneubaus »so lange hinzieht«. Es dürfe auf keinen Fall der Eindruck entstehen, dass die Stadt durch das Bereitstellen kostenfreier Parkplätze nur für die Kunden der beiden Märkte »irgendwen einseitig bevorzugt«. Deswegen müsse genau berechnet werden, ob die mietfrei von den Stadtwerken zu bewirtschaftenden 85 Stellplätze eine adäquate Gegenleistung wären.

    Eine solche angemessene Gegenleistung müsse es zwingend geben, sagt auch Daus. Schließlich sei der Eigenbetrieb Stadtwerke zu wirtschaftlichem Handeln verpflichtet. Man stelle keinem Investor kostenfrei Parkplätze zur Verfügung.

    Weitere Partner denkbar

    Indes ist die Stadt offenbar nicht abgeneigt, das Modell auszudehnen. Man könne vergleichbare Regelungen bei entsprechender Gegenleistung auch mit anderen Partnern vereinbaren, so Daus.

    Er betont jedoch, dass das neue Parkdeck eine öffentliche Einrichtung werde, die von jedermann genutzt werden könne. Auch Eric Schürr (Bürgerverein) sagt: »Wir bauen das für die Stadt und nicht für nur zwei Märkte.« Allerdings werde das Modell unter Stadträten kontrovers diskutiert. Offiziell Thema sei es dort bislang jedoch nicht gewesen.

    Nur in einer Sitzung der eigens zum Parkdeckneubau gegründeten Arbeitsgruppe habe man darüber gesprochen, sagt Schürr. Brigitte Riedmann, die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, sieht die Parkplatzregelung kritisch und »noch lange nicht in trockenen Tüchern«. Sie bezweifle, dass 85 Parkplätze in der Tiefgarage eine angemessene Gegenleistung für womöglich 200 Stellplätze auf dem Parkdeck sind, noch dazu, wo es in der ersten Stunde keinerlei Einnahmen gebe. Überdies stelle sich die Frage, ob das Modell mit einer kostenfreien Parkstunde im Sinne einer Gleichbehandlung aller Kunden und Geschäfte dann nicht auf alle städtischen Parkeinrichtungen ausgedehnt werden müsse - und wer dann den Einnahmeverlust ausgleichen solle.

    Winkler wartet Entscheid ab

    Angelika Winkler, die Vorsitzende der Lohrer Werbegemeinschaft, sagt, dass sie das von Stadt und KRE angestrebte Kooperationsmodell kenne. Sie wolle sich jedoch nicht dazu äußern, solange der Stadtrat nicht darüber entschieden habe.

    In den Stadtrat gebracht werden soll das Thema laut Pressesprecher Daus dann, wenn alle Vertragsdetails ausgehandelt sind und »ausreichend Zeit ist, die Ratsmitglieder zu informieren«.

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