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    Gemünden

    Zu viele Vorstrafen: Wegen Fahrens ohne Führerschein ins Gefängnis

    Mann aus Arnstein vor Gericht: Ein Anklagepunkt wird fallen gelassen, der andere wiegt schwer.
    Symbolbild Gericht. Foto: Oliver Berg

    Es klingt hundsgemein: Jemand bucht online ein Hotelzimmer und bezahlt mit der Kreditkarte eines anderen. Computerbetrug warf der Staatsanwalt vor dem Amtsgericht Gemünden deshalb einem Mann aus dem Raum Arnstein vor. Schwerer wog in der Verhandlung allerdings, dass der 52-jährige Auto fuhr, obwohl er keinen Führerschein mehr hat. Richterin Kristina Heiduck verurteilte ihn deshalb zu drei Monaten Gefängnis und zwar ohne Bewährung.

    Zu dem Computerbetrug kam es, weil die Reservierung eines Hotelzimmers in München-Schwabing im August 2018 nur über eine Kreditkarte möglich war. Weil der Angeklagte keine Kreditkarte hat, benutzte er die Nummer eines Arbeitskollegen, wie er es zwei Jahre vorher schon einmal gemacht hatte. Damals hatte er das Hotelzimmer bar bezahlt, doch diesmal belastete das Buchungsportal das fremde Kreditkartenkonto. Weil der Arbeitskollege davon nichts wusste, ließ er den Betrag zurück buchen und erstattete Anzeige. "Ich hätte auf jeden Fall zugestimmt, wenn er mich wieder gefragt hätte", sagte er im Zeugenstand. Es gibt in diesem Fall keinen Geschädigten, der Angeklagte hat die knapp 100 Euro für die Übernachtung im Hotel schon längst zurückgezahlt. Deshalb wurde diese Anklage in der Verhandlung fallen gelassen.

    Nur zufällig erwischt

    Juristisch deutlich schwerer wog die Tatsache, dass der 52-Jährige im September 2019 in einer Gemeinde im Landkreis Würzburg Auto fuhr, obwohl ihm die Verwaltungsbehörde über ein Jahr vorher die Fahrerlaubnis entzogen hatte, weil er der Aufforderung zur medizinisch-psychologischen Untersuchung nicht nachgekommen war. Diese Autofahrt flog zufällig auf: Ein Polizist der Inspektion Karlstadt, der den Angeklagten kannte, sah ihn samt Kindern Auto fahren. Der Polizist wusste vom Führerscheinentzug, überprüfte diesen nochmal und brachte die Sache ins Rollen.

    Der Angeklagte sagte, er sei mit dem Auto eine Bekannten gefahren, um mit seiner Ex-Freundin Streitigkeiten über den Umgang mit den gemeinsamen Kindern zu klären. Normalerweise lasse er sich von seiner neuen Partnerin fahren, doch die sei an diesem Tag nicht da gewesen.

    Zum Verhängnis wurde dem Angeklagten, dass unter seinen zehn Einträgen im Bundeszentralregister auch Einschlägige wie Fahren ohne Fahrerlaubnis oder Haftpflichtversicherung waren. Und dass er erst im Februar 2019 zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt worden war. Der Staatsanwalt wies darauf hin, dass der Mann seit fast zehn Jahren immer wieder strafrechtlich in Erscheinung trat. Letztlich spreche nur sein Geständnis für ihn. "Mehrere Geld- und eine Bewährungsstrafe, es gab mehr als genug Warnungen", sagte der Anklagevertreter und forderte eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten.

    Geständnis der einzige Pluspunkt

    Der Verteidiger verwies in seinem Plädoyer auf die emotionale Belastung seines Mandanten aufgrund des Streits um die Kinder. Dass ihn auch Autofahren ins Gefängnis bringen kann, sei dem Mann wohl nicht bewusst gewesen. "Ein Warnschuss sollte man nochmal geben statt ihn wegen eine Lappalie einfahren zu lassen", führte der Anwalt aus. Das könnte eine erneute Bewährungsstrafe oder eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen sein. "Es war blöd, ich habe nicht darüber nachgedacht, was ich zerstören kann", sagte der 52-Jährige als letztes Wort.

    "Irgendwann ist einfach genug, bei ihnen ist das spätestens jetzt", sagte Richterin Kristina Heiduck nachdem sie ihren Schuldspruch und drei Monate Freiheitsstrafe nebst den Kosten des Verfahrens verkündet hatte. Viel eindeutiger als mit einer neuen Straftat sechs Monate nach Verhängung einer Bewährungsstrafe könne man auch kaum zeigen wie wenig einen Verurteilungen beeindrucken. 

    Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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