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    STEINFELD

    Zubringer nach Lohr: Steinfeld sagt Nein

    Klare Kampfansage: Einstimmig (15:0) sprach sich der Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwoch gegen die vom Staatlichen Bauamt Würzburg geplante Straßenverbindung von Wiesenfeld zur Staatsstraße 2437 aus. Gleichzeitig beschloss das Gremium, als Rechtsbeistand den Wiesbadener Verwaltungsrecht-Spezialisten Professor Ulrich Rommelfanger einzuschalten.

    Hintergrund des Projektes ist, dass mit dem Bau der B26n bis Karlstadt voraussichtlich deutlich mehr Verkehr in die Region fließen wird. Um zu verhindern, dass Lohr beziehungsweise die Stadtteile Steinbach und Sendelbach im Verkehr ersticken, soll eine neue Straße Abhilfe schaffen.

    Erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde sie in einer Bürgerinformationsveranstaltung vor zwei Wochen in der Lohrer Stadthalle von Michael Fuchs vom Staatlichen Bauamt (wir berichteten). Demnach soll die Straße von der künftigen Ortsumfahrung Wiesenfeld unter Einbeziehung der Kreisstraßen 13 oder 14 auf die durchs Buchental verlaufende Staatsstraße 2437 führen. Etwa in Höhe des Buchenparkplatzes soll dann eine abzweigende Straße Richtung Maintal gebaut werden, die über eine Brücke in Höhe des Lohrer Obi-Marktes an die Staatsstraße 2315 angebunden werden soll.

    Auswirkungen „nicht tragbar“

    Was Bürgermeister Günter Koser (CSU) gar nicht gefiel, war, dass das Staatliche Bauamt seit mindestens einem Jahr hinter dem Rücken der Gemeinde Steinfeld geplant habe, obwohl diese Hauptbetroffene sei. Er habe im Vorfeld keinerlei Informationen erhalten und erst in der Veranstaltung in Lohr davon erfahren, dass die Straße über Steinfelder Gebiet und durch Gemeindewald laufen soll, so Koser. Am Tag darauf habe er beim Staatlichen Bauamt die Planungsunterlagen angefordert und eine öffentliche Vorstellung des Projekts in Steinfeld verlangt.

    Zudem sei er vor einer Woche zusammen mit 2. Bürgermeisterin Marion Gröbner (CSU) sowie den Gemeinderäten Rudolf Hock (CSU) und Sonja Stahl (FW) ins Staatliche Bauamt gefahren. Dort habe ihnen Fuchs gesagt, das sei unglücklich gelaufen, aber man sei ja erst in der Vorplanungsphase.

    Daran hat Koser jedoch starke Zweifel. Seinen Worten nach ist er bei dem Besuch im Staatlichen Bauamt in den Besitz eines Planes vom Oktober 2017 gelangt, der mit „Linienbestimmung“ überschrieben sei. Da eine Linienbestimmung erst dann gemacht werden dürfe, wenn ein Umweltgutachten vorliege, könne man davon ausgehen, dass seit mindestens einem Jahr an dem Projekt gearbeitet werde. Auf dem Plan, den er schließlich vom Staatlichen Bauamt geschickt bekommen habe, stehe plötzlich „Voruntersuchung“, datiert sei er auf Juni 2018. Er fühle sich „hinters Licht geführt“, so Koser.

    Was die Behörde mit der Gemeinde Steinfeld mache, sei „nicht tragbar“, sagte der Bürgermeister. Keine der drei Varianten, die im Bereich zwischen Kläranlage, Schucksmühle und dem Anwesen Stumpf auf die Staatsstraße 2437 münden sollen, sei für die Gemeinde akzeptabel, weil sie dadurch in ihrer Entwicklung „total abgeschnitten“ würde, zumal der Zubringer Duttenbrunn nach 2030 auch noch realisiert werden solle.

    Mit seinem Aufruf, „alles Mögliche“ zu tun, „um uns dagegen zu wehren“, rannte Koser bei den Gemeinderäten offene Türen ein. Die B26n schaffe nur Probleme, sie löse keine, meinte Stahl. Das sah Hock zwar anders, die B26n sei „ein Muss“; allerdings war auch er gegen die geplante Verbindung von Wiesenfeld übers Buchental nach Lohr, weil dies „eine absolute Beeinträchtigung“ der Siedlungsgebiete in Hausen und der Mühlen im Tal mit sich brächte. Zudem gab er zu bedenken, dass das Buchental Naherholungsgebiet für die Gemeinde Steinfeld, aber auch für Lohr sei und dass im Planungsbereich Bodendenkmäler vorhanden seien.

    Er verstehe die Politik und auch die Stadt Lohr nicht, sagte Theobald Herrmann (FW). Die Gemeinde Steinfeld müsse selbst aktiv werden „gegen den ganzen Mist da“.

    Für die Stadt Lohr sei die Planung des Staatlichen Bauamts möglicherweise die optimale Lösung, meinte Gröbner, aber „wir wehren uns, so lange wir uns wehren können“. Edmund Knöferl (CSU) zeigte sich „mehr als erschüttert“ über die Planung, denn das Buchental sei ein „außergewöhnlich schönes Tal“. Auch Florian Dittrich (CSU) sprach sich gegen die Planung aus, genauso wie Hubert Handel (CSU).

    Martin Schuhmann (CSU) gab ferner zu bedenken, dass seiner Einschätzung nach auch dann, wenn die neue Straße gebaut wäre, viele Pendler weiterhin durch Steinbach fahren würden. Rolf Reimer (CSU) ging sogar davon aus, dass die neue Straße nicht nur mehr Verkehr, sondern auch mehr Kriminalität bringen könnte.

    Lohrer Bürgermeister hörte zu

    Unter den 15 Zuhörern in der Gemeinderatssitzung, die das Geschehen sehr interessiert verfolgten, war auch der Lohrer Bürgermeister Mario Paul. In einem Gespräch mit der Redaktion am folgenden Vormittag betonte er, dass es sich bei dem Projekt um eine Planung des Staatlichen Bauamts und nicht der Stadt Lohr handele.

    Auch wenn die in der Stadthalle vorgestellte Lösung aus Sicht der Stadt Lohr „positiv zu bewerten wäre“, sei es fahrlässig gewesen, die Gemeinde Steinfeld nicht frühzeitig einzubinden; von daher könne er deren Ärger nachvollziehen und verstehen. Der Arbeitskreis B26n des Lohrer Stadtrats habe die Planung eine Woche vor der Veranstaltung in der Stadthalle vorgestellt bekommen.

    Andererseits sei es aber wichtig, dass die Region gemeinschaftlich und zusammen mit den Fachbehörden eine Lösung erarbeite – es helfe keinem, „wenn wir uns auseinanderdividieren lassen“, so Paul.

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