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    Stetten

    Zuckerrübenanbau: Ziehen die Preise wieder an?

    Zuckerrübenanbau soll sich wieder lohnen. Im Bild ein Rübenhaufen vom vergangenen Herbst bei Gaukönigshofen.
    Zuckerrübenanbau soll sich wieder lohnen. Im Bild ein Rübenhaufen vom vergangenen Herbst bei Gaukönigshofen. Foto: Gerhard Meißner

    Bei der Winterversammlung in Stetten verbreitete der Verband Fränkischer Zuckerrübenbauer (VFZ) Zuversicht unter den Mitgliedern. Nach zwei mageren Jahren ziehen die Preise auf dem Zuckermarkt wieder an. Die Rücknahme der Produktion durch den Südzucker-Konzern scheint Wirkung zu zeigen. Mit Notierungen um die 450 Euro pro Tonne und darüber hat sich der Zuckerpreis in der EU seit vergangenem Oktober deutlich von seinen Tiefstständen unter 300 Euro erholt. Für die fränkischen Zuckerrübenbauern zahlt sich dieser Preisanstieg allerdings erst mit einiger Verzögerung aus, weil Südzucker die vor dem Preisanstieg geschlossenen Kontrakte noch erfüllen muss.

    Bauern profitieren verzögert vom Preisanstieg

    Die Landwirte, deren Einnahmen direkt vom Verkaufserlös von Südzucker abhängen, werden also das Anbaujahr 2020 abwarten müssen, bevor sie in vollem Umfang von der Preisentwicklung profitieren können. Trotzdem malt VFZ-Geschäftsführer Klaus Ziegler ein optimistisches Bild von der mittelfristigen Zukunft des Zuckerrübenanbaus. Im zweiten Jahr in Folge liege die Produktion sowohl weltweit wie auch in der EU unter dem Verbrauch, die Lagervorräte schwinden. Statt den Zucker billig verramschen zu müssen, wird er wieder zum begehrten Gut.

    Damit hellen sich auch die Ertragsaussichten bei Südzucker auf, sieht Alfons Münch, Direktor der Abteilung Abrechnung und Logistik, voraus. Im seinem Kerngeschäft hat der Konzern in den letzten Jahren rote Zahlen geschrieben. Nur dank anderer Geschäftsfelder wie Bio-Ethanol, Stärke, Fruchtzubereitungen und Tiefkühl-Pizza gelang gerade so der Sprung in die Gewinnzone. In den kommenden Jahren hofft man nun auch beim Zucker wieder auf auskömmliche Erlöse.

    Der Preiserholung waren harte Einschnitte vorausgegangen. Europaweit hat Südzucker nach der letzten Kampagne fünf Werke geschlossen - zwei davon in Deutschland, und damit 700 000 Tonnen Zucker oder rund ein Sechstel der Jahresproduktion vom Markt genommen. Auch für die Bauern war der Rübenanbau in den letzten beiden Jahren kein Zuckerschlecken. Im Trockenjahr 2018 lag der Bruttoerlös in Franken zwischen 500 und 700 Euro pro Hektar, rechnet Ziegler vor. Wer davon hohe Pachtpreise abziehen muss, für den wurde die Zuckerrübe schnell zum Minusgeschäft.

    Niederschläge im Herbst sorgten für langes Wachstum

    Zum Erntebeginn 2019 sah es zunächst nach einem weiteren Trockenjahr mit den entsprechenden Einbußen aus. Dann kam der Regen und ließ die Rüben bis in den späten Herbst zu einem durchschnittlichen Ertrag heranwachsen, so der VFZ-Vorsitzende Dr. Stefan Streng in seinem Rückblick auf das Anbaujahr. Eine Folge des nassen Herbstes waren aber schmutzige Rüben mit einem Erdanteil von durchschnittlich 7,3 Prozent, der in der Ochsenfurter Zuckerfabrik aufbereitet, gepresst und und zurück auf die Felder gefahren werden musste.

    Für das laufende Jahr haben die fränkischen Rübenbauern Anbauverträge über rund 22 500 Hektar gezeichnet. Das entspricht einem Rückgang gegenüber 2018 um rund 14 Prozent. Vor dem Hintergrund einer Preisstabilisierung und steigender Nachfrage wirbt der VFZ nun dafür, den Anbau nachträglich auszudehnen. Bruttoerlöse von um die 1000 Euro in den guten Anbaugebieten von Main-Spessart seien drin, sagt Geschäftsführer Ziegler. Damit bleibe die Zuckerrübe anderen Feldfrüchten wie Körnermais oder Qualitätsweizen weiterhin überlegen.

    Werk soll ausgelastet werden

    Dahinter steht auch die Absicht von Südzucker, das Werk in Ochsenfurt an 125 Kampagnetagen voll auszulasten, um so den Fixkostenanteil an der Verarbeitung möglichst niedrig zu halten. Die Kampagne 2019/20 ging am 18. Januar nach 121 Tagen zu Ende, allerdings aufgrund der erschwerten Verarbeitungsbedingungen mit einer um rund sieben Prozent geringeren Tagesleistung von 14 000 Tonnen Rüben.

    Über die schlechte Stimmung, wie sie derzeit in der Landwirtschaft herrscht, kann aber auch die Erholung am Zuckerrübenmarkt nicht hinwegtäuschen. Zunehmend sehen sich die Zuckerrübenbauern der Gängelung durch die Politik und strengeren Vorschriften sowie dem Druck der öffentlichen Meinung ausgesetzt.

    Zu unrecht, wie VFZ-Vorsitzender Streng meint. Mit einer breit angelegten Informationskampagne wollen Südzucker und der fränkische Anbauerverband deshalb gegen Vorurteile gegenüber der Zuckerrübe angehen. Dabei zählen nicht nur wirtschaftliche Argumente wie 250 direkt und 2250 indirekt vom Zuckerrübenanbau abhängige Arbeitsplätze und eine Wertschöpfung von rund 100 Millionen Euro, die dadurch in der Region verbleibt. Auch der Beitrag der Zuckerrübe zum Klima- und Trinkwasserschutz soll auf großen Schildern an den Feldrändern kommuniziert werden.

    So entziehe die Zuckerrübe dem Boden bis in tiefe Schichten mehr Stickstoff, als durch Dünger aufgebracht werde, und senke so den Nitrateintrag ins Grundwasser, sagt Simon Vogel von der Rübenabteilung der Ochsenfurter Zuckerfabrik. Durch große Mengen CO2, die die Zuckerrübe während ihres Wachstums aufnimmt, und kurze Transportwege zum Kunden schneide heimischer Rübenzucker auch in der Klimabilanz weit besser ab als Rohr- oder Importzucker. Außerdem fänden zahlreiche Wildtiere in den Rübenäckern auch dann noch Schutz, wenn die übrigen Felder längst abgeerntet sind.

    Die Rübenkampagne 2019 in Franken
    Anbaufläche: ca. 24 300 Hektar (Vorjahr: ca. 26 200 ha)
    Rübenertrag: 72,7 Tonnen/Hektar (Durchschnitt 2014 - 2018: 74,2 t/ha)
    Zuckergehalt: 18,0 Prozent (Durchschnitt 2014 - 2018: 18,9 %)
    Kampagnedauer: 121 Tage
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    Bearbeitet von Gerhard Meißner

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