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    KARLSTADT

    Zwei Köstlichkeiten miteinander verbunden

    Vier Meister an der „Königin der Instrumente“ bezauberten bei der ersten Karlstadter „Kulinarischen Orgelnacht“: (von links) Bernhard Seelbach, Karl-Heinz Sauer, Christian Stegmann und Peter Rottmann. Foto: Günter Roth

    Mit einer „Kulinarischen Orgelnacht“ ging in der Karlstadter Stadtpfarrkirche St. Andreas der erste Orgelsommer „Karoso“ zu Ende. Bis kurz vor Mitternacht zeigten vier Meister ihr Können auf der „Königin der Instrumente“ in je einem halbstündigen Konzert. In der Pause wurden die knapp 100 Gäste im angrenzenden Pfarrgarten mit italienischer Pizza verwöhnt.

    Was bitte schön haben Orgel und Pizza gemeinsam? Nein, weder hat Johann Sebastian Bach heimlich zwischen seinen Fugen Pizza genascht, noch konnte belegt werden, dass Goethe das belegte Fladenbrot von seiner Italienischen Reise mit über die Alpen brachte und im Rahmen eines Orgelkonzertes erstmals in Deutschland verteilte. Nein, Spaß beiseite, Orgel und Pizza wurden kürzlich beide im selben Jahr ganz offiziell in den Rang eines Kulturerbes der Unesco aufgenommen. Das war für die Verantwortlichen des Karlstadter Orgelsommers ein wunderschöner Anlass, beide Köstlichkeiten zu verbinden.

    Kantor Bernhard Seelbach setzte als letzter der vier Virtuosen quasi in einem Heimspiel die Schlussakkorde dieser eindrucksvollen Veranstaltung – natürlich mit dem italienischen Komponisten Guiseppe Verdi. Dessen „Coro trionfale e Marcia grande“ aus der Oper Aida hatte Seelbach eigens transkribiert. Eindrucksvoll dabei waren sowohl sein lebendiges Spiel als auch die Auswahl und der Wechsel der Register an der großen Orgel von St. Andreas. Man konnte feststellen, dass er sein Instrument und seine Möglichkeiten kennt. Der letzte Akkord diese Verdi-Stücks klang noch langanhaltend im Kirchenraum nach.

    Als Erster des Orgelabends aber hatte Christian Stegmann die Register gezogen: mit einem traditionellen „Concerto a-moll“ von Johann Sebastian Bach nach einer Vorlage von Antonio Vivaldi. Danach folgte ein wesentlich moderneres „Allegro vivace“ aus der 5. Orgelsinfonie von von Charles-Marie Widor.

    Bachs zartes Lied „Liebster Jesus, wir sind hier“ bot der zweite Organist Peter Rottmann dar. Danach brachte er Liturgisches von Paul Barras und zum Schluss ein imposantes Vorspiel zur Wagner-Oper „Rienzi“ zu Gehör.

    Eigentlich auch ein Heimspiel hatte Karl-Heinz Sauer. Er lebt zwar jetzt in Gerolzhofen, stammt aber aus dem benachbarten Binsfeld. Zu seinem Programm gehörte die „6.Orgelsonate“ von Josef Gabriel Rheinberger, versiert in romantischer Manier. Dazu nutzte er die grundtönigen Register, vor allem auch den reichhaltigen Zungenchor der vielseitig einsetzbaren Orgel der Stadtpfarrkirche St. Andreas. Als zweites Werk spielte er von dem spätromantisch-impressionistisch-expressionistisch geprägten Komponisten Sigfrid Karg-Elert sehr eindrucksvoll die „Hym to the Stars“.

    Nachdem Seelbach den letzten Akkord des Verdi-Stücks „Coro trionfale e Marcia grande“ genussvoll und langanhaltend im Kirchenraum hatte nachklingen lassen, gab es für die vier Organisten begeisterten Beifall seitens des Publikums. Das lauschige Beisammensein mit Pizza und Wein sowie das würdige und doch auch fröhliche Orgelkonzert mit der vorzüglichen Akustik der Andreaskirche machten Spaß und Lust auf eine Wiederholung.

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