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    Lohr

    Zweifel am Konzept, Mangel an Platz

    An der Lohrer Grundschule ist eine Stütz- und Förderklasse geplant. In ihr sollen Kinder, die wegen verschiedenster Probleme temporär mit dem Schulalltag überfordert sind, mit erhöhtem Personalaufwand betreut und gefördert werden. Das Symbolbild zeigt eine dritte Klasse in Prenzlau. Foto: Patrick Pleul

    An der Lohrer Grundschule könnte zum Schuljahr 2020/21 ein Pilotprojekt starten. Das Schulamt und das Jugendamt wollen dort eine »Stütz- und Förderklasse« einrichten. Es wäre die erste dieser Art an einer Grundschule in Unterfranken. Doch wie am Dienstagabend im Sozialausschuss des Stadtrates deutlich wurde, ist das Konzept umstritten. Daneben könnte das Projekt an der Raumnot in der Lohrer Grundschule scheitern.

    Wie Doris Grimm, Leiterin des Schulamtes Main-Spessart, in der Sitzung schilderte, ist die Förderklasse für bis zu zwölf Kinder mit besonderen Problemen im Schulalltag gedacht. Vom Autisten über Hyperaktive und Kinder mit Konzentrationsproblemen bis zu solchen mit Schulangst oder traumatischen Erlebnissen reichte ihre Aufzählung möglicher Kandidaten für die Förderklasse.

    Eltern müssen mitziehen

    Es gehe um normal oder gar überdurchschnittlich begabte Kinder, die aufgrund ihrer aktuellen Situation Schwierigkeiten haben, in der normalen Regelklasse Schritt zu halten, so Grimm. Ihnen solle in der Stütz – und Förderklasse ein »Schonraum« geboten werden, in dem das »Lernen für eine gewisse Zeit in den Hintergrund« trete. Für jedes Kind werde ein individueller Förderplan entwickelt. Eltern müssten der Aufnahme ihres Kindes in die Förderklasse zustimmen und sich zu »intensiver Zusammenarbeit verpflichten«, so die Schulamtsleiterin.

    Etliche Stadträte jedoch werteten das mit dem Konzept verbundene Separieren von Kindern mit Problemen als eine Rolle rückwärts bei der seit Jahren propagierten Inklusion an Schulen. Statt solche Kinder aus den normalen Klassen zu nehmen, solle man ihnen dort lieber mehr Unterstützung gewähren, beispielsweise durch einen höheren Personaleinsatz oder individuelle Förderung, war von den Räten zu hören.

    Die Erwiderung von Doris Grimm, Leiterin des Schulamtes in Main-Spessart, ließ erkennen, dass es keineswegs nur um die Förderung von Kindern mit Problemen geht. Ziel sei es auch, »das System zu entlasten«, sprich, Problemkinder aus den Regelklassen zu nehmen, um diese Klassen »zur Ruhe kommen zu lassen«.

    Bürgermeister Mario Paul sprach von der Befürchtung, dass die Förderklasse für die darin betreuten Kinder eine Stigmatisierung darstellen könne. Auf der anderen Seite gebe es Erfahrungen, wonach das Konzept funktioniere.

    Schule hat zugestimmt

    Man habe das Thema im Vorfeld mit der gesamten Schulfamilie intensiv diskutiert. Am Ende habe die Schulleitung ebenso wie das Lehrerkollegium und der Elternbeirat zugestimmt, erklärte Schulamtsleiterin Grimm.

    Die Lohrer Grundschule habe man deshalb für das Projekt ausgewählt, weil sie recht groß und somit ein gewisser Bedarf garantiert sei, sagte sie, nannte jedoch keine konkreten Zahlen. Es gebe aber an der Lohrer Mittelschule »viele, viele Kinder«, für die ein Angebot wie die Stütz- und Förderklasse eine große Hilfe hätte sein können, so Grimm. Gedacht sei die Förderklasse vordringlich für die Lohrer Grundschule. Es sei aber auch denkbar, dass Schüler aus Stadtteilen oder gar dem Umland sie besuchen.

    Schulleiter: Keine Alternative

    Wolfgang Schmitt, der Leiter der Lohrer Grundschule, bekannte, dass man sich zur individuellen Förderung von Kindern mit Problemen andere Modelle von der Politik wünschen könne. Doch es gebe aktuell keine Alternative. Für die Lohrer Grundschule wäre die Stütz- und Förderklasse laut Schmitt jedenfalls »eine wahnsinnige Unterstützung«.

    Für die Förderklasse mit maximal zwölf Schülern stünden eineinhalb Lehrerstellen sowie je eine halbe Stelle eines Sonderpädagogen und eines Sozialpädagogen zur Verfügung. Diese insgesamt zweieinhalb Stellen müssten die Regierung und der Landkreis finanzieren. Die Stadt Lohr säße als Sachaufwandsträger der Schule mit im Boot, müsste also sicherstellen, dass ausreichend Räume vorhanden sind.

    Ganztagsschule braucht Räume

    Mit Blick auf eben diese Räume warnte der städtische Jugendreferent Marcel Brunner die Räte davor, dem Konzept zum jetzigen Zeitpunkt zuzustimmen. Zwar sei dieses grundsätzlich sinnvoll. Jedoch könne im Grundschulgebäude schnell der Platz knapp werden. Brunner begründete dies mit steigenden Schülerzahlen und mit dem großen Andrang auf die Offene Ganztagsschule. Es könne passieren, dass schon bald gar kein Raum mehr für eine zusätzliche Klasse vorhanden sei, so Brunner.

    Die teils spürbar unschlüssigen Räte einigten sich am Ende darauf, das Thema zu vertagen. Es soll möglichst bald im Gesamtstadtrat erneut besprochen werden. Bis dahin soll die Verwaltung unter anderem belastbare Zahlen zum künftigen Raumbedarf an der Grundschule erarbeiten.

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