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    Zwölf weitere „Stolpersteine“

    Laudenbach

    Die messing-glänzenden Steine, die vor der letzten freigewählten Wohnung des Opfers in den Straßen- und Gehsteigbelag eingelassen werden, sollen die Erinnerung an die früheren Bewohner lebendig erhalten. Diese Aktion ist bereits die zweite des Kölner Künstlers in Karlstadt. Wie berichtet, hat Demnig Mitte März die ersten 17 „Stolpersteine“ an je vier Standorten in Karlstadt und Laudenbach verlegt. Insgesamt sollen 51 solcher Steine in Karlstadt, Laudenbach und Wiesenfeld einen Platz haben.

    „Was Toleranz und Aufgeschlossenheit angeht, so ist Karlstadt beispielhaft“

    Volkshochschul-Leiterin Anna Elisabeth Hennrichs

    Es sei „völlig unproblematisch“ gewesen, Paten für die Steine zu finden, erklären Anna Elisabeth Hennrichs, Leiterin der Volkshochschule, unter deren Dach sich der Arbeitskreis „Stolpersteine“ formierte, und Georg Schnabel, der die Schicksale der Opfer recherchierte. Was Toleranz und Aufgeschlossenheit angehe, so sei Karlstadt beispielhaft gegenüber den Diskussionen, die in anderen Kommunen geführt werden.

    Am 28. September wird Gunter Demnig die zwölf Steine in Laudenbach an folgende Verlegeorten einlassen: In der Mühlbacher Straße 3 für Ricka Hirsch, in der Rathausstraße 1 für Leopold Rothschild und Nanni Rothschild, in der Rathausstraße 6 für Elli Hirsch, in der Rathausstraße 19 für Babette Höbel und in der Rathausstraße 24 für Thea Frank.

    In der Himmelstadter Straße 1 erinnert ein Stein an Helene Kaufmann, in der Bandwörthstraße 4 an Frieda Berney. In der Mühlbacher Straße 12 werden zwei Steine für Manfred Adler und Else Adler verlegt. In der Mühlbacher Straße 17 werden Steine zum Gedenken an Aron Siegel und Hedwig Siegel liegen. Karlheinz Haase wird die Aktion mit Klezmerklängen musikalisch begleiten.

    In Laudenbach ist die Aktion damit abgeschlossen. Die dritte und letzte Verlegung von „Stolpersteinen“ findet im kommenden Jahr in Wiesenfeld statt. Als Auftakt lädt der Arbeitskreis „Stolpersteine“ die Wiesenfelder am morgigen Donnerstag, 17. September, um 19 Uhr zu einer Informationsveranstaltung in die ehemalige Synagoge in der Erlenbacherstraße 6 ein. Dort werden das Projekt und die Verlegeorte vorgestellt.

    In Wiesenfeld hat Georg Schnabel die Geschichte von 22 jüdischen Opfern erforscht und überprüft. Von den jetzigen Hauseigentümern seien keinerlei Einwände gegen die Verlegung vorgebracht worden. Auch sind die Paten vollzählig. „Schon vor einem halben Jahr standen die Spender fest“, erklärt Hennrichs. Allerdings seien keine aus Wiesenfeld dabei, möglicherweise, weil die Aktion anfangs sehr stark auf Karlstadt fokussiert war.

    Es hätten aber ehemalige Wiesenfelder angerufen, die dort früher in einem jüdischen Haus gelebt hatten und gerne einen Stein vor diesem Anwesen finanzieren wollten, erzählt die Vhs-Leiterin. Allerdings hätten Nachforschungen ergeben, dass die jüdischen Bewohner nicht deportiert wurden, sondern vorher ausgewandert waren.

    Der Künstler Demnig fertigt einen Würfel, der mit einer Messingplatte abschließt. Darauf steht in der Regel der Schriftzug „Hier wohnte“, Name, Geburtsjahr, meist das Datum der Deportation oder des Todes. Finanziert werden die „Stolpersteine“ durch Patenschaften. Ein Stein kostet 95 Euro.

    Die Paten

    Patenschaften für die zwölf Stolpersteine in Laudenbach haben übernommen: Pfarrer Paul Häberlein für die Pfarrei St. Johannis, Axel von Erffa, Theresia Schnitzler, die Laudenbacher Ministranten, Karl-Heinz Keller, Rudi und Maria Gosdschan, Hans und Edda Müller, der SPD-Ortsverein Laudenbach, Helga und Rainer Maaß, Maja Six und Heike Metzger für Bündnis 90/Die Grünen.

    Von unserem Redaktionsmitglied Michaela Moldenhauer

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