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    Karbach

    Am Ufer des Karbachs fühlt sich der Biber seit Jahren wohl

    Die Mühlenbewohner und die Gemeinde haben sich mit dem fleißigen Nager arrangiert. Dem gefällt es am weitgehend naturbelassenen Bachlauf.
    Deutliche Spuren hat der nachtaktive Biber im Bereich Seebrünnlein hinterlassen.
    Deutliche Spuren hat der nachtaktive Biber im Bereich Seebrünnlein hinterlassen. Foto: Josef Laudenbacher

    In einer ganzen Reihe von Kommunen gibt es Probleme mit Bibern, die durch den Bau von Dämmen oftmals Überschwemmungen oder Probleme verursachen. In Karbach sind seit Jahren einige der unermüdlichen Nager zu Gange. Die Besitzer der einstigen Mühlen entlang des Karbachs sowie die Marktgemeinde selbst haben sich mit ihnen arrangiert.

    Biberburgen gibt es im Westen des Dorfes, im Bereich Ebensfurth und am einstigen Stauwehr etwa hundert Meter östlich der Kläranlage. Vermutlich sind hier mehrere Biber an der Arbeit. Ihre Spuren reichen bis hinauf zum Biotop nahe an der Birkenfelder Kläranlage.

    Manchmal muss eine Drahtmanschette her

    Biber halten keinen Winterschlaf, sondern sind auch im Winter aktiv und stets auf Nahrungssuche. Selbst einen mehr als 100-jährigen Apfelbaum haben sie angenagt, wurden dann aber durch einen Drahtverhau am Weitermachen gehindert. Biber gestalten sich ihren Lebensraum selbst, was nicht jedem gefällt. Inzwischen gibt es zahlreiche Biberreviere im Landkreis, von Aura im Norden bis Erlenbach im Süden. "Der Biber ist trotz aller Vorurteile ein guter Landschaftspfleger", betont der Geschäftsführer im Landschaftspflegeverband Main-Spessart, Herbert Kirsch.

    Der Biber ist ein Säugetier, sein Lebensraum sind fließende und stehende Gewässer und deren Uferbereiche. An Land bewegt er sich aufgrund seines plumpen Körperbaus nur langsam. Er besiedelt Fließgewässer in allen Größen bis hin zum Entwässerungsgraben; vom Weiher oder Altwasser bis hin zum See. Das Revier einer Biberfamilie, die meist aus dem Elternpaar und zwei Generationen von Jungtieren besteht, kann ein bis drei Kilometer Fließgewässer umfassen. Die Reviergrenzen werden mit einem öligen Sekret markiert und gegen Eindringlinge verteidigt.

    In einer Biberburg leben die Altbiber mit bis zu vier Jungen, oft noch mit Jungtieren aus dem Vorjahr. Nach etwa drei Jahren Geschlechtsreife werden sie von den Eltern aus dem Revier vertrieben und können dann über 100 Kilometer weit wandern. Dann suchen sie sich einen Partner und gründen selbst ein Revier.

    Nur mit viel Glück ist das nachtaktive Tier zu beobachten

    Biber sind reine Pflanzenfresser und bevorzugen Kräuter, Sträucher, Wasserpflanzen und Laubbäume, wie Espen, Erlen und Pappeln. Von den von ihm gefällten Bäumen verzehrt er die Zweige, die Astrinde und die Blätter. Je nach Standort des Baumes setzt er die Bisskerben etwa einen halben Meter über dem Boden an und nagt des Stamm entweder nur einseitig oder in Sanduhrform an. Nur ganz selten haben Beobachter das Glück, den heimlichen Nager mit seiner abgeplatteten Schwanzkelle am Tage beobachten zu können. 

    Je nach Härte des Holzes kann ein Biber in einer Nacht einen bis zu 50 Zentimeter dickem Baum fällen. Im Herbst werden direkt vor dem Eingang der Burg Zweige und Äste als Nahrungsvorrat gelagert. Auf Grund ihres Bäumefällens sind Biber insbesondere in der Forstwirtschaft unbeliebt. Einzelne Bäume können mit einer Manschette aus Maschendraht geschützt werden. Der Biber ist nach FFH-Richtlinie geschützt.

    Am einstigen Wehr im Westen von Karbach hatten Biber diesen Damm aufgebaut. 
    Am einstigen Wehr im Westen von Karbach hatten Biber diesen Damm aufgebaut.  Foto: Josef Laudenbacher

    Biber sind für ihre Dammbauten bekannt, mit denen sie Bäche aufstauen und sogar künstliche Teiche anlegen. Der Damm trägt primär dazu bei, einen Wasserstand über dem Eingang zum Wohnbau von möglichst 60 Zentimeter und einen sichernden Wasserbereich um die Burg herum zu gewährleisten. Am alten Wehr im Westen von Karbach hat ein Biber vor Jahren einen Damm errichtet, der in diesem Jahr durch die starke Strömung aufgelöst wurde.

    Mit Schulklassen zum Biberdamm gewandert

    2016 hatte er auf westlicher Seite das Karbachs, in der Gemarkung Sembach, einen Damm errichtet, zu dem gerne Schulklassen gewandert sind, um dieses Bauwerk zu betrachten.

    Es sind fast schon Kunstwerke, die der Biber schafft – allerdings vergängliche. Hier im Tal am Rande Karbachs.
    Es sind fast schon Kunstwerke, die der Biber schafft – allerdings vergängliche. Hier im Tal am Rande Karbachs. Foto: Josef Laudenbacher

    Von Seiten der Marktgemeinde gibt es keine Beschwerden, wie der frühere Dritte Bürgermeister Vinzenz Stegerwald berichtet. Vor drei Jahren gab es mal Probleme eines Landwirtes im Bereich Seebrünnlein beim Ernten mit dem Mähdrescher. Christoph Vogel, Besitzer der "Neu-, Kottwitz`sch oder Vogelsmühlen" hat sich ebenfalls mit den Nagern arrangiert. Er stellt fest, dass ab und an die Ufer des Karbachs feuchter sind.

    Auch Heiner Behr, zuhause in den einstigen "Königsmühlen" kann sich nicht beschweren. Vor einigen Jahren konnte er mit wenigen Handgriffen einen Stau beseitigen.

    Probleme sieht auch die Familie von Monika Breiltgens in der einstigen "Mittel-, Steinbrunnen- oder Ittensohnsmühlen" nicht. Familie Heinrich Schüppert, daheim in der 1280 erstmals erwähnten "Schüpperts- oder Domvikariatsmühle", kann ebenfalls nicht klagen. Angeschwemmte dickere Äste werden aus dem Wasser gefischt und nach dem Trocknen verbrannt. Weiter westwärts, zum Main hin, wohnt Karin Ludwig. Für den Bereich Fuchsenmühlen (1687) sieht sie keine Nachteile. Mal führe der Karbach mehr, mal weniger Wasser.

    Dass der Biber hier kaum Schäden anrichten kann, liegt wohl auch an der noch natürlichen Beschaffenheit der Karbachs, der nicht begradigt wurde. Die sogenannten Kehren, oft entgegen der Fließrichtung noch vorhanden, halten Wasser entsprechend zurück. Von den "Kehren" haben Geschichtsinteressierte den Namen "Kar"-bach abgeleitet. Der Name "Kar-bach" soll aber aus "Kar=Schüssel" abgeleitet sein.

    Der Karbach entspringt östlich von Billingshausen und mündet nach 13,5 Kilometern bei Zimmern in den Main. Seine Zuflüsse sind Tiefer Graben, Bürgerlochsgraben, Grummibach, Oberer Klimbach, Dorfbrunnen, Mauergraben, Hölzesgraben und Fränkbach.

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