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    Würzburg

    Angeklagte erklärt falsch verbuchte Umsatzsteuer mit Chaos im Büro

    61 000 Euro blieben zunächst unbezahlt, wurden aber mittlerweile beglichen. Steuerberater war nicht hilfreich. Verfahren gegen Zahlung des Strafbefehls eingestellt.
    Symbolbild.
    Symbolbild. Foto: Oliver Berg

    Wegen Steuerhinterziehung hatte sich eine Speditionskauffrau, die gemeinsam mit ihrem Mann einen Betrieb im Bereich Trocken- und Innenausbau aufgebaut hat, vor dem Würzburger Amtsgericht zu rechtfertigen: Bei einer Sonderprüfung der Firma aus dem Raum Gemünden waren dem Finanzamt Lohr fehlerhafte Buchungen der Umsatzsteuervoranmeldung aufgefallen. 2018 waren in drei Quartalen insgesamt 240 000 Euro zu wenig verbucht und damit Steuern in Höhe von 61 000 zunächst unbezahlt geblieben.

    Der Angeklagten und ihrem eigens aus Frankfurt/Main angereisten Verteidiger gelang es jedoch, vor Gericht plausibel darzulegen, dass dies weder vorsätzlich noch leichtfertig geschehen sei. Die Staatsanwaltschaft sowie die im Prozess anwesende Vertreterin des Finanzamts stimmten einer Einigung zu: Bei Zahlung einer Geldauflage in Höhe des Strafbefehls von 2700 Euro wird das Verfahren eingestellt. Das Entscheidende für die Angeklagte: Mit der Einigung gilt sie nicht als vorbestraft.

    Einigung mit der Staatsanwaltschaft

    Dabei kam der Angeklagten zugute, dass bereits die Jahreserklärung für 2018 wieder korrekt ausgeführt und sämtliche ausstehenden Steuern beglichen waren. Auch zeigte sie sich einsichtig. Die Firma hat inzwischen weitere Mitarbeiter eingestellt, um ein ähnliches Versäumnis zukünftig zu vermeiden. "Wir hatten damals Chaos im Büro", erklärte die Kauffrau. Sei seien damals nur zu zweit im Büro gewesen. Dabei sei sie für den Vertrieb, den Außendienst und das Marketing zuständig, nicht aber für die Buchhaltung. Diesen "Eindruck" hatte die Prüferin gewonnen, wie sie vor Gericht als Zeugin aussagte. Nähere Belege dafür wurden aber nicht vorgelegt.

    Für den Verteidiger ist es zudem nicht nachvollziehbar, warum der Steuerberater, der die Jahreserklärungen auch schon 2016 und 2017 für die Firma angefertigt hatte, die fehlerhafte Umsatzsteuervoranmeldung nicht aufgefallen ist. Der Betrieb habe überhaupt nicht erkennen können, dass es zu Fehlern gekommen sei, argumentierte er. Seiner Ansicht nach ist der beauftragte Steuerberater ein "Fall für die Kammer". Für eine Vernehmung hätte er jedoch erst von der Verschwiegenheitsverpflichtung entbunden werden müssen.

    "Als wir den Strafbefehl bekamen, sind wir aus allen Wolken gefallen. Wir sind nicht so", erklärte sie, spürbar von den Vorwürfen getroffen. Sie ist in dieser Zeit schwer erkrankt. Einen mutmaßlichen Liquiditätsengpass begründete sie mit den Kosten für den Bau einer neuen Halle und einem Wechsel der Bank. Sie beschrieb die Firma als innovativ und auf Wachstumskurs. Die Firma habe es nicht nötig, Steuern zu hinterziehen.

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