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    Marktheidenfeld

    Ausstellung "Ausblicke" im Franck-Haus

    "Ausblicke" im Franck-Haus: VKU-Vorsitzender Andi Schmitt erklärt die surreale Bildwelt von Werner Winterbauer.
    "Ausblicke" im Franck-Haus: VKU-Vorsitzender Andi Schmitt erklärt die surreale Bildwelt von Werner Winterbauer. Foto: Martin Harth

    Besser hätte man es wohl kaum inszenieren können: Betritt man die Ausstellung "Ausblicke" im rückwärtigen Ausstellungbereich des Franck-Hauses in Marktheidenfeld, so fällt der Blick zunächst auf zwei großformatige Gemälde von Hans Krakau aus Giebelstadt-Euerhausen. Klassisch schön sind sie nicht, mit expressiver Kraft und Farbgestaltung künden sie vom Leid des Schlachtviehs und der Bedrohung des Individuums beim Sprung ins Unbekannte.

    Gegenüber entwirft Susan Blasius (Alzenau) aus ihrer eigenen Erfahrung als Medizinerin ein strahlendes Gegenbild. Figurative Kleinplastiken sind vor lichte Farbkompositionen gerückt, die Hoffnung und Erlösung versprechen. Und dann sind da noch zwei ganz beruhigend-entrückte Landschaftskompositionen von Sophie Brandes (Veitshöchheim), wahrhafte Blicke in die stimmungsvolle Ferne.

    Vor 100 Jahren wurde der Vorläufer der Vereinigung Kunstschaffender Unterfrankens (VKU) gegründet. Im letzten Jahr fanden wechselnde Jubiläumausstellungen in Würzburg große Beachtung. Das Jahr Eins nach dem Jubiläum sei nun ein Anlass zur Bestandsaufnahme, zur Betrachtung des Wegs in die Zukunft, meinte der VKU-Vorsitzende Andi Schmitt aus Randersacker bei einem Pressegespräch zur Eröffnung der Ausstellung.

    Rund 200 Mitglieder zählt die Künstlervereinigung, in der sich rund 100 Bildende Künstler aus Unterfranken organisiert haben. Nicht jeder von diesen sei gleichermaßen am aktuellen Kunstbetrieb der Region interessiert. Man habe sich aber entschlossen, zu einer Gemeinschaftsausstellung unter dem programmatischen Titel "Ausblicke" einzuladen und damit nicht ins traditionsreiche Würzburger Spitäle, sondern ins Marktheidenfelder Franck-Haus als einem der schönsten Ausstellungsorte in Unterfranken zu gehen.

    Sechs Künstlerinnen und drei Künstler hatten sich mit aktuellen Beiträgen zur Auswahl gestellt. Martha Schubert-Schmidt übernahm als Leiterin der VKU-Geschäftsstelle die nicht ganz einfache Aufgabe, die recht unterschiedlichen Gemälde und wenigen Skulpturen zu inszenieren. Ihre "Hängung" wirkt gut gelungen.

    Auffallend ist, dass die beteiligten Akteure sämtlich der älteren Generation angehören. "Junge Menschen ticken etwas anders", ist sich Andi Schmitt sicher. Die gezeigten Werke seien vorwiegend den ganz klassischen Genres Malerei, Zeichnung und Bildhauerei zuzuordnen. Sie kennzeichneten so auch noch den Schwerpunkt gegenwärtiger Ausstellungen. Ob dies so bleiben werde, sei auch ein Aspekt des Themas Ausblicke und der Positionierung von Künstlern in der Öffentlichkeit.

    Heute finde unter jungen Künstlern eben schon viel im digitalen Raum mit elektronischer Technologie statt. Kunstformen wie Installation, Performance, Fotografie und Multi Media wüchsen in ihrer Bedeutung sprunghaft an. Davon sei in vielen klassischen Galerien aber noch wenig zu sehen. Dass auch das Franck-Haus künftig in solchen Kategorien denken muss, machte Inge Albert als Leiterin der städtische Kulturabteilung deutlich.

    Im Obergeschoß zeigt Anita Tschirwitz (Wipfeld) neben ihren eher grafischen Foto-Arbeiten mit ihrem aktuellem Werk "100 Jahre Sicherheitsabstand" zumindest einen Anklang an die gegenwärtige Entwicklung. Die Würzburgerin Barbara Henn ist mit abstrakten, farbstarken Gemälden vertreten, in denen das Licht zum entscheidenden Reiz beträgt. Ganz ungewöhnlich wirkt die surreal anmutende Bildwelt von Werner Winterbauer aus Erlabrunn, der mit sechs eng gehängten gegenständlichen Fantasien die Themen Krise und Ängste bearbeitet.

    Zwei Geschosse tiefer berichten abstrakte Impressionen der Zellingerin Ulrike Scheb, Preisträgerin des städtischen Kunstpreises 2008, gewohnt farbintensiv aus Natur und urbaner Architektur. Zarter und subtiler stehen die Fenster-Ausblicke von Helmut Nennmann (Wiesentheid-Feuerbach) gegenüber und Isa Wagner (Bergrheinfeld-Garstadt) steuert ihre kontraststarken Kompositionen in Acrylmalerei und Mischtechnik bei.

    Alles in allem wirkt die Marktheidenfelder VKU-Gruppenausstellung nach der Unterbrechung durch die Covid-19-Krise wie eine Erlösung. Kunst beweist sich in diesem Fall für den Betrachter als systemrelevant und lässt manchen sicher wieder etwas positiver in die Zukunft blicken.

    "100 Jahre Sicherheitsabstand" – verstörend wirkt die Foto-Arbeit der Würzburgerin Anita Tschirwitz.
    "100 Jahre Sicherheitsabstand" – verstörend wirkt die Foto-Arbeit der Würzburgerin Anita Tschirwitz. Foto: Martin Harth
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