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    Karlstadt

    Corona-Krise: Soforthilfe erreicht viele Freiberufler nicht

    Wer als Freiberufler auf Honorarbasis seinen Lebensunterhalt verdient, hat aktuell schlechte Karten. Es gibt keine Soforthilfe, wenn die Einnahmen ausbleiben.
    Die Freiberufler sind von der Corona-Krise schwer getroffen. Im Bild die Sprachlehrerinnen Monika Schmidmeier (links) und Ann-Kathrin Mahmoud mit Tochter Sumaya vor dem VHS-Gebäude in Karlstadt. Ihre Unterrichtsstunden wurden ausgesetzt.
    Die Freiberufler sind von der Corona-Krise schwer getroffen. Im Bild die Sprachlehrerinnen Monika Schmidmeier (links) und Ann-Kathrin Mahmoud mit Tochter Sumaya vor dem VHS-Gebäude in Karlstadt. Ihre Unterrichtsstunden wurden ausgesetzt. Foto: Klaus Gimmler

    Wegen der Coronakrise stehen viele Freiberufler ohne Aufträge da. Wer keine betrieblichen Fixkosten hat, fällt bei Bund und Land durchs Raster. Dies trifft auf Ann-Kathrin Mahmoud und Monika Schmidmeier zu. "Es ist wie wenn man mit einem dünnen Strohhalm unter Wasser tief Luft holen will", sagen sie. Sie fühlen sich im Stich gelassen. Beide sind freiberufliche Dozenten an der Volkshochschule in Karlstadt und verdienen ihr Geld mit Integration- und Berufssprachkursen. Doch diese wurden Mitte März aufgrund des Corona-Virus ausgesetzt. Soforthilfe haben sie nicht bekommen.

    Schon vor der Krise haben sie nicht viel Geld mit ihren Dozententätigkeiten verdient, sagen sie. Es hätte gerade so gereicht, um über die Runden zu kommen. Jetzt mit dem Wegfall aller Einnahmen wissen sie nicht, wie sie die laufenden Kosten bezahlen sollen und haben sich daher mit einem Hilferuf unter anderem an die Redaktion gewandt.

    Vom Staat hatten sie sich Unterstützung erhofft. Der fange jeden auf, der durch die Krise in eine Notlage rutscht, hieß es. Daher haben sie Soforthilfe beantragt, doch mittlerweile die Hoffnung aufgegeben, diese zu bekommen. Die Richtlinien des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) besagen, die Soforthilfe des Bundes und der Länder sind nur für gewerbliche Betriebskosten gedacht wie Mieten und Pacht für Gewerberäume. Die Kosten des privaten Lebensunterhalts wie die Miete der Privatwohnung oder Krankenversicherungsbeiträge werden nicht von der Soforthilfe abgedeckt.

    Keine nennenswerten Betriebskosten

    Ann-Kathrin Mahmoud und Monika Schmidmeier sind in dieser Situation nicht alleine. Jeder, der nur auf Honorarbasis oder als Freiberufler von zu Hause aus arbeitet, hat schlechte Karten. Denn nennenswerte Betriebskosten können die beiden Frauen nicht geltend machen. Als VHS-Dozentinnen haben sie diese nicht, außer vielleicht das Telefon, das Internet und das Arbeitszimmer.

    Zugleich erleben sie, dass der Staat sich um seine Bürger kümmert. Der Bund erhöht das Kurzarbeitergeld auf bis zu 87 Prozent und der Freistaat Bayern gibt Künstlern eine Unterstützung von 1000 Euro monatlich. "Das gönnen wir allen, nur wir Freiberufler werden vergessen", sagen sie und verweisen als positives Beispiel auf Baden-Württemberg, wo Freiberufler auch Kosten des privaten Lebensunterhalts geltend machen können. 

    Der letzte Ausweg ist Hartz IV

    Was bleibt dann den Betroffenen, die so in eine Krise geraten? Monika Schmidmeier hat keinen gut verdienenden Lebenspartner, der sie in dieser Notlage unterstützt. Und der Mann von Ann-Kathrin Mahmoud hängt in Kairo fest und wartet darauf, dass ein Flugzeug ihn wieder zurück zu seiner Familie nach Deutschland bringt. Der letzte Ausweg ist Hartz IV. 

    Immerhin hat das Bundeswirtschaftsministerium einen vereinfachte Zugang zum Arbeitslosengeld II (Hartz IV) für die Existenzsicherung ermöglicht. Wer wegen der Corona-Krise bis zum 30. Juni einen Antrag auf Leistungen der Grundsicherung stellt, für den entfällt für die ersten sechs Monate die Vermögensprüfung, wenn erklärt wird, dass kein erhebliches Vermögen verfügbar ist.

    Diesen Antrag hat Monika Schmidmeier gestellt. "Es ist mir schwer gefallen", sagt sie und sie wolle sich so bald wie möglich wieder abmelden, wenn ihre Dozententätigkeit wieder anläuft. Zudem reiche der bewilligte Betrag von im April 537,56 Euro nicht zum Leben.  Nach Ostern hat der Deutsch-Unterricht mit ein paar Stunden per Video-Übertragung wieder begonnen. Sie hofft, dass weitere Kurse im VHS-Gebäude ab dem 18. Mai wieder möglich sind.

    Mit einem Hilferuf haben sich beide Frauen an Parteien im Bundestag und den Landtag gewandt, um auf die Lage der Freiberufler ohne Betriebsausgaben aufmerksam zu machen. Auch ganz persönlich haben sie einen Brief an Kanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Markus Söder geschickt. Eine zufriedenstellende Antwort haben sie bislang nicht bekommen.

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