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    Lohr

    Das Dirigieren klappt noch nicht online

    Die Gruppe 'Akkordeonissimo' aus Marktheidenfeld unter Leitung von Alma Flammersberger musste ihr im März geplantes gemeinsames Konzert mit dem Lohrer Zupfensemble absagen.
    Die Gruppe "Akkordeonissimo" aus Marktheidenfeld unter Leitung von Alma Flammersberger musste ihr im März geplantes gemeinsames Konzert mit dem Lohrer Zupfensemble absagen. Foto: Musikschule

    Von den Einschränkungen in der Corona-Krise sind nicht nur Geschäftsleute oder Arbeitnehmer betroffen. Seit Mitte März stehen auch musikalische Aktivitäten von Gruppen oder in Vereinen still, man darf sich nicht mehr zu gemeinsamen Proben treffen. Diese Redaktion hat einige Musikgruppen dazu befragt.

    Kompletter Stillstand war zunächst auch in der Lohrer Sing- und Musikschule angesagt. Seit ein paar Wochen darf wieder Einzelunterricht in den Musikschulräumen erteilt werden, aber noch sind Gruppenproben oder -treffen nicht erlaubt. Das betreffe ein gutes Dutzend von Gruppen, berichtet die Leiterin Petra Breitenbach.

    Speziell für ihr Zupfensemble waren am 21. und 28. März zwei Konzerte gemeinsam mit der Gruppe Akkordeonissimo, einem Ensemble aus Mitgliedern des Akkordeon-Orchesters Marktheidenfeld, geplant gewesen. "Ich war eigentlich dann ganz froh, dass die Absage so klar gewesen ist, denn es gab damals schon Fälle von Corona in Marktheidenfeld, und das war schon beängstigend. So ist mir die Entscheidung abgenommen worden."

    Totalstillstand

    Das alles sei sehr schnell gegangen und die Gruppe habe sich seit damals nicht mehr getroffen – also "Totalstillstand". Kürzlich hätten sie zum ersten Mal eine Probe via Online-Konferenzprogramm Zoom anberaumt. Aber in der Gruppe sei das nicht so einfach gewesen.  "Wir hatten schon vorher ein paar Stücke für unsere Homepage aufgenommen. Die konnte dann jeder hören, und es wurde dazu gespielt. Also im Prinzip hätten das alle auch schon vorher machen können. Ich habe auch versucht, zu dirigieren, aber das ging wegen der zeitversetzten Übertragung nicht." Trotzdem habe die Probe viel Spaß gemacht, das Dutzend Mitwirkende sei sehr froh gewesen, sich wieder einmal sehen zu können.

    "Keine Ahnung, wann wir wieder proben, wir hoffen auf den 16. Juni", so Breitenbach. Vielleicht könne man ja dann eine Probe in ihrem Garten abhalten. Ebenfalls die erste Probe nach Corona wieder im Freien plant Alma Flammersberger, die Leiterin des Akkordeonorchesters Marktheidenfeld. Sie sieht die Auszeit gerade als Sommerpause. "Man muss das Beste daraus machen, und ich habe allen gesagt, geht jetzt in die Ferien und wir machen dann im Sommer nur eine kleine Pause."

    Nochmal per Chat die Stücke durchzuproben, sei ihr sinnlos vorgekommen. "Wir waren gerade in der Höchstphase – es sollte nach Berlin und Frankreich gehen – und dann ist so plötzlich ein Tief entstanden. Ich sehe es jetzt als kreative gute kreative Pause, da alle Stücke schon gut einstudiert gewesen waren."

    Probe auf Parkplatz geplant

    Für die Zeit nach Corona hat sie schon ein komplett neues Programm herausgesucht und bei der Stadt Marktheidenfeld angefragt, ob und wann sie auf einem großen Parkplatz wieder proben dürfen. Flammersberger sieht auch durchaus Positives in der jetzigen Krise: "Viele Spieler haben erst jetzt verstanden, wie wichtig auch das Soziale und eben auch die Musik sind."

    Ebenfalls die Musik vermissen die Spieler der Original Trachtenkapelle Wernfeld – wie so viele Musikkapellen, deren Vereinsheime immer noch komplett geschlossen sind. Auch bei ihnen herrscht komplett Stillstand, alle Auftritte seien abgesagt worden, berichtet Zweiter Vorsitzender Sandro Gold. Aber noch etwas anderes vermissen die Vereine: "Es dürften ja auch keine Feste abgehalten werden, so geht vielen eine wichtige Einnahmequelle verloren."

    Gold findet den Informationsfluss "von oben" speziell für Musikvereine sehr spärlich. "Es wird relativ wenig bekannt gegeben, was man machen darf und was nicht", sagt Gold. Natürlich habe man ein wenig Kontakt untereinander, auch das gemeinsame Spielen aller Musiker von zuhause aus an den Sonntagabenden hätten sie mitgemacht und auch das eine oder andere Video gedreht, aber sonst sei einfach Stillstand.

    Abwarten und hoffen

    Ein wenig einfacher sieht es beim Kreisjugendorchester aus. Dessen Mitglieder haben ja alle ihren eigenen Musikverein und treffen sich jährlich erst im Oktober zum gemeinsamen Spielen. Dirigent Thomas Joha weiß aber auch noch nicht, wie es in diesem Jahr aussehen wird: "Ich schätze mal, so fünfzig-fünfzig die Chancen, ob unser Neujahrskonzert und die Proben vorher stattfinden können." Auch eine Probe im Freien hält er bei der Größe des Orchesters (70 bis 80 Mitspieler) nicht für machbar. "Ab 60 Personen ist eine Probe mit Sicherheitsabstand kaum durchführbar, auch in einer großen Halle nicht. Da hört ja, wer rechts außen sitzt nicht, was der links außen spielt."

    Bei allen Befragten heißt die Devise "Abwarten und Hoffen".

    Zur ersten Online-Probe kam das Lohrer Zupforchester zumindest am Bildschirm zusammen.
    Zur ersten Online-Probe kam das Lohrer Zupforchester zumindest am Bildschirm zusammen. Foto: Petra Breitenbach
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