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    Marktheidenfeld

    Die Stimmung in den Seniorenheimen ist trotz Besuchsverbot gut

    Die alten Menschen in den Einrichtungen im Landkreis leiden unter der Kontaktsperre. Sie vermissen ihre Angehörigen. Was die Heimleitungen und Mitarbeiter dagegen tun.
    Symbolbild Besuchsverbot
    Symbolbild Besuchsverbot Foto: Oliver Berg

    Einschränkungen gibt es zurzeit fast überall. Man darf seine Großeltern nicht besuchen, Spielplätze und Kitas sind geschlossen, es gibt Ausgangsbeschränkungen. Ein Bereich, der oft vergessen wird: die Seniorenheime. Zwar wird viel über die Einrichtungen in der Corona-Krise berichtet, doch stehen eher die Fakten im Vordergrund. Der emotionale Gesichtspunkt wird außer Acht gelassen. Viele leiden sehr unter der Situation.

    Der Karlstadter Hugo Schmitt gehört dazu. Zwölf Jahre lang pflegte er seine Frau zuhause, ehe sie vor einem Jahr in die Heroldstiftung in Karlstadt umziehen musste. Seitdem besuchte er sie dreimal täglich, hielt ihre Hand, half bei der Essensgabe. Auch am Freitag, dem 13. März, bevor die Ausgangsbeschränkung erlassen wurde, war Schmitt bei seiner Frau. Nun darf er sie nicht mehr besuchen. "Seit mittlerweile sieben Wochen lebt meine Frau in Isolation", sagt er.

    "Ich durfte meine Frau wenigstens von weitem sehen."
    Hugo Schmitt aus Karlstadt

    Auch die seit Jahren von ihm privat angestellte Pflegerin darf nicht mehr in die Einrichtung. Natürlich sieht der Senior die notwendigen Schritte der Regierung ein: "Ich weiß, dass ich aufpassen und Abstand halten muss. Meiner Frau fehlt aber der persönliche Kontakt und die Krankheit nimmt rapide zu." Die für ihn belastende Situation beschrieb er auch in einem Brief an das Landratsamt, in dem er um eingeschränkte Besuchsregelungen bat. Daraufhin zeichnete sich ein kleiner Erfolg ab: "Ich durfte zur Heroldsstiftung kommen und meine Frau wenigstens von weitem sehen." Dies helfe ihm schon enorm.

    Karten, Päckchen, Video-Telefonie

    Die Einrichtungsleitungen der Region wissen um die schwierige Situation. Laut Michael Pfeiffer, Leiter des Julius Echter Seniorenstifts in Hafenlohr, kann die Zuwendung im Alter sogar Lebenserhaltend sein. Gerade deshalb ist man auch dort im Gespräch, wie eine zukünftige Besuchsregelung gestaltet werden kann.

    Im Caritas Seniorenzentrum in Lohr wartet man auch auf Ausführungsbestimmungen, wie Besuche eingegrenzt möglich sein könnten. Leiterin Ursula Franz-Marr ist sich sicher, dass die Bewohner ihre Angehörigen vermissen, lobt aber auch deren Engagement: "Angehörige bringen Karten oder Päckchen vorbei. Wo es noch möglich ist, versuchen wir telefonischen Kontakt, manchmal auch per Skype, zwischen Bewohner und Angehörigen aufzubauen." Außerdem bestehe keine Zimmer-Isolation, so dass die Bewohner sich immerhin gegenseitig haben. "Das ist manchmal mehr, als ein alleinstehender Senior daheim hat", so  Franz-Marr.

    Diana Teubert vom Seniorenheim "Mainbrücke" in Marktheidenfeld lobt das Verständnis der Bewohner für die Situation: "Die Stimmung unter den Bewohnern ist gut. Wir haben ihnen frühzeitig die Notwendigkeit der Maßnahmen erklärt." Aber selbstverständlich vermissten auch sie ihre Angehörigen. Das Pflegepersonal bemüht sich nach Kräften dies zu kompensieren. Dazu wurde die Einzelbetreuung intensiviert, Videotelefonie etabliert und Telefonate ermöglicht. "Es macht einen Unterschied, ob die Urenkelin ihren ersten verlorenen Milchzahn stolz in die Kamera hält oder ob man diese Geschichte ausschließlich erzählt bekommt", ist sich Teubert sicher.

    Kleines Konzert im Garten des Seniorenzentrums

    Auch Briefe und Bilder finden bei den Senioren großen Anklang und erhalten meist einen Ehrenplatz im Zimmer. Veranstaltungen in Kleingruppen unter Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen gibt es weiterhin. So werden Sing-oder Quiznachmittage sowie Sitzgymnastik veranstaltet. Ein Highlight der letzten Woche war ein kleines Gartenkonzert. Während der Musiker im Garten spielte, konnten die Senioren von ihren Fenstern aus zuhören. Es gibt kreative Ideen, die umgesetzt werden. Teubert ist dankbar, dass an das Pflegepersonal gedacht wird. "Meine Mitarbeiter haben mit großem Zusammenhalt und viel Flexibilität auf die Einschränkungen reagiert. Wir sind gerührt und überwältigt von der Anteilnahme, die die Öffentlichkeit uns entgegenbringt."

    Sehr dankbar erlebt auch Anja Hildenbrand vom Gemündener Seniorenheim ihre Bewohner: "Durch strenge Einhaltung der Maßnahmen werden die Bewohner geschützt und sind dankbar, dass so keine Fälle des Coronavirus im Heim aufgetreten sind." Natürlich vermissten viele Bewohner ihre Angehörigen sehr. Dem wird mit intensiven Gesprächen, Einzelbetreuung und Videotelefonie entgegen gewirkt. Die Einrichtung stellt sogar Tablets zur Verfügung.

    Gespräche mit den Angehörigen am Fenster

    Begeistert von Mitarbeitern und Bewohnern ist Sanela Jonjic, die Heimleitung in Arnstein. Stolz ist sie zudem auf die Arnsteiner Bevölkerung. So kamen von Schulen und Kindergärten Briefe. Auch die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt und der Regierung laufe ausgesprochen gut. "Wir sind natürlich in der glücklichen Lage, ein sehr familiäres Heim zu haben. Hier kennen sich alle Bewohner untereinander und die Stimmung ist wirklich gut", beschreibt Jonjic. Angehörige könnten auch klingeln und mit den Bewohnern dann am Fenster sprechen.

    Eine besonders schöne Begebenheit kann sie trotz Corona-Krise berichten. In dieser Zeit lernten sich im Seniorenzentrum Arnstein ein Senior und eine Seniorin, beide weit über 80 Jahre alt, kennen. Sie wollen von nun an den Lebensabend zusammen verbringen und zogen sogar in ein gemeinsames Zimmer. Alle Seniorenheime der Region sind sichtlich bemüht, gleichzeitig alle Vorschriften einzuhalten und den Bewohnern dennoch ein Gefühl von Sicherheit und Mitmenschlichkeit zu geben.

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