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    Lohr

    Johannes "Jannis" Komianos in Lohr gestorben

    Grieche, Lohrer, Gewerkschafter, Linker, Fremdenfreund: Jannis Komianos ist gestorben. 
    Grieche, Lohrer, Gewerkschafter, Linker, Fremdenfreund: Jannis Komianos ist gestorben.  Foto: Archiv Günter Weislogel

    Im Alter von 81 Jahren ist Johannes "Jannis" Komianos am Dienstag nach kurzer und schwerer Krankheit in Lohr gestorben. Der bekennende Linke machte sich als Gewerkschafter, Vermittler seiner griechischen Sprache und Kultur sowie als Fürsprecher für Hilfsbedürftige einen Namen weit über Lohr hinaus.

    Der in Korinth geborene Beamtensohn besuchte in Griechenland nach dem Abitur die Offiziersschule der Luftwaffe, die er jedoch im dritten Ausbildungsjahr verließ. Denn er wollte keine Befehle erteilen und schon gar keine befolgen. In Athen studierte er Volkswirtschaft und kam 1973 nach Deutschland, wo er das Studium in München und Frankfurt fortsetzte.

    Für IG Metall aktiv

    Später schloss sich ein Studium der Soziologie in Dortmund an. Nach Lohr kam er Mitte der 1980er Jahre über Bad Orb, wo er für die IG Metall und den Deutschen Gewerkschaftsbund als pädagogische Fachkraft an den Bildungsstätten Seminare für Betriebsräte und Vertrauensleute hielt. An der Volkshochschule organisierte er viele griechische Sprachkurse, aber auch Tanzkurse.

    Auch nach seiner Pensionierung vor 16 Jahren arbeitete er für die IG Metall weiter und betreute bis vor acht Jahren als Mitglied der Ortsverwaltung Aschaffenburg Ausländerbeiräte vor allem im westlichen Unterfranken.

    Pazifist und Fremdenfreund

    In Lohr war er Gründer und Vorsitzender des vor wenigen Jahren aufgelösten Vereins für Fremdenfreundlichkeit und gegen Rassismus. Politisch engagierte er sich zunächst bei der SPD, danach bei der Linken, deren Kreissprecher er bis 2018 war. In Griechenland war er lange Jahre ein Anhänger des Linksbündnisses Syriza und ein Kritiker der Sparpolitik und der Korruption. Komianos' Herz schlug für hilfsbedürftige Deutsche und Ausländer, für die Arbeitslosen, die er bei Behörden vertrat.

    Sein Misstrauen galt dem Beamtenapparat und – als Pazifist – der Rüstungspolitik. Für den Besuch seines Heimatlandes warb er selbst in den größten Krisenzeiten des deutsch-griechischen Verhältnisses. Er selbst fuhr zwei Mal im Jahr in sein Haus bei Alt-Korinth.

    Bücher und Kartenspiele

    In Deutschland heiratete Komianos die Volksschullehrerin Elfriede Jakob-Komianos, die wie er der Schriftstellerei zugetan ist. Zuletzt schrieb Komianos an einem Buch über sozialpolitische Fragen – auf Griechisch. Komianos war Vater von fünf Kindern und Opa von sechs Enkeln und drei Urenkeln. Neben seinen vielfältigen Interessen spielte er gerne Karten.

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    Bearbeitet von Thomas Josef Möhler

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