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    Schaippach

    "Elsterwald": Ein reichlich mysteriöser Gemünden-Krimi

    Joachim Braun aus Schaippach präsentiert sein fünftes Buch. Eigentlich sollte es eine Parodie auf den Heimatkrimi werden – doch dann kam es anders.
    Der Schaippacher Autor Joachim Braun zeigt seinen Lesern die mysteriöse Seite ihrer Heimat im Spessart.
    Der Schaippacher Autor Joachim Braun zeigt seinen Lesern die mysteriöse Seite ihrer Heimat im Spessart. Foto: Rosemarie Knechtel

    "Zurück in Gemünden – in diesem Moment reifte sein Entschluss – würde er zur Polizei gehen und ..." Der Schaippacher Autor Joachim Braun zieht seine Leser in den Bann eines mysteriösen Krimis, der direkt vor ihrer Haustüre passiert und sie an gut bekannte Plätze führt. Dabei ist es nicht nur die Beschreibung eines nächtlichen Spaziergangs zur Scherenburg, der Ortskundige begeistert, sondern vor allem die treffliche Charakterisierung der Protagonisten.

    Braun, der 1958 in Aschaffenburg geboren wurde und nach seinem Lehramtsstudium wegen einer Anstellung als Mittelschullehrer in Burgsinn nach Schaippach zog, hatte ursprünglich eine ganz andere Idee im Kopf. Sein Buch sollte eine Parodie werden auf Heimatkrimis, die allerorten wie Pilze aus dem Boden schießen. Nach einigen Seiten entwickelten die Darsteller jedoch derart sympathische Züge, dass er seinem Privatdetektiv Rüb freie Hand ließ, einen spannenden Kriminalfall zu lösen.

    Protagonisten entscheiden, wohin die Reise geht

    Bei der Beschreibung von Landschaft, Orten und besonderen Schauplätzen kommen dem Autor die Liebe zur Natur und ausgedehnten Wanderungen durch seine Wahlheimat zugute. So wie den Vater zweier Kinder mancher Ausflug zu unerwarteten Zielen führt, so verhält es sich auch mit den Texten, die er schreibt. "Anfangs weiß ich nie wie es ausgeht, lasse meinen Protagonisten entscheiden, wo die Reise hingehen soll."

    Seit mehr als 30 Jahren schreibt der 62-Jährige, mittlerweile Großvater geworden, kürzere und längere Geschichten. Mit Elsterwald, seinem inzwischen fünften Buch, debütiert er nun als Krimiautor. Aus handgeschriebenen Manuskriptseiten, für die er immer einen Füllfederhalter verwendet, wurde nach rund neun Monaten ein spannender Roman mit 138 Seiten. "Papier hat für mich im Gegensatz zur Arbeit mit dem Computer etwas Sinnliches. Dazu kommt der Geruch von Tinte und das leicht kratzende Geräusch der Feder", erklärt Braun, der auch unterwegs immer seinen Füller und Papier dabei hat. Zur Tastatur greift er erst dann, wenn der Text fertig ist. Das Abtippen nutzt er zum Überarbeiten, wobei er gleichzeitig die Abläufe und Zusammenhänge auf ihre Logik prüft.

    Landschaften spielen eine große Rolle

    "Die Geschichte spielt zwar in Gemünden, und es werden auch die umliegenden Dörfer benannt, aber sie könnte genauso in einer anderen Kleinstadt auf dem Land stattfinden. Personen werden sich nicht wiedererkennen, doch die Landschaft war mir wichtig. Deshalb spielen Spessart, Sinngrund und Vorrhön eine große Rolle", resümiert der Autor. "Es macht mir Spaß, mit Sprache umzugehen und auf einem leeren Blatt Papier etwas entstehen zu lassen, von dessen Entwicklung ich mich überraschen lasse."

    Dem Verlag lieferte Braun nicht nur den Inhalt, sondern auch die Umschlaggestaltung. Rebekka Dietz, eine Freundin seiner Tochter, zeichnete über düsterem, nebelverhangenem Wald die Silhouette einer Elster, deren Gefieder aus dem Schaltplan einer Lötplatine besteht. Geht es vielleicht um die Elektrik des "putzigen Saaletalbähnchens", wie der Autor die Bahn beschreibt, die sich mit sanftem Rumpeln aus Wolfsmünster entfernt, oder ist dies schon der Hinweis auf einen USB-Stick mit brisanten Daten? Weil eine Elster im Spiel ist und es sich dabei um den Spitznamen einer konkreten Person handelt, liegt der Verdacht nahe, dass es Diebstahl war.

    Wer dem Rätsel auf die Spur kommen will, setzt sich – ganz dem Vorbild des Privatdetektivs folgend – auf dem Gemündener Marktplatz ins Café und liest "Elsterwald" aus der Edition Knurrhahn vom Thomas Rüger Verlag.

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