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    Gemünden

    Gemündener Waldpaten: Wer will dem Wald etwas Gutes tun?

    Wer den Wald liebt und genießt, kann sich jetzt ehrenamtlich aktiv für seinen Erhalt einsetzen. Die Stadt Gemünden startet einen Aufruf.
    Gut angegangen sind die Weißtannen-Samen, die im vergangenen November von der Arbeitsgruppe Umwelt der Staatlichen Realschule Gemünden im Stadtwald gesät wurden.
    Gut angegangen sind die Weißtannen-Samen, die im vergangenen November von der Arbeitsgruppe Umwelt der Staatlichen Realschule Gemünden im Stadtwald gesät wurden. Foto: Michael Fillies

    "Unsere Heimat ohne oder mit einem siechenden Wald wäre wohl nicht mehr das, was der Bürger von seiner Heimat kennt, schätzt und erwartet", schreibt Gemündens Bürgermeister Jürgen Lippert in einem Aufruf an die Bevölkerung. Da die Forstwirtschaft kaum noch rentabel ist, werden die Besitzer, auch die Kommunen, den Wald nicht erhalten können, zumindest nicht im gewohnten Umfang oder in der jetzigen Qualität. Aus dem Grund bittet die Stadt Gemünden um Waldpatenschaften – ehrenamtliche Hilfe im Stadtwald.

    Die freiwilligen Helfer sollen keineswegs Waldarbeiter ersetzen. Die praktische Hilfe ist vorstellbar bei der Pflanzung, Kulturpflege und Bewässerung von Neukulturen zur Sicherung des Anwuchses im Bedarfsfall, bei der Regulierung der Baumarten-Mischung, dem Schutz der Jungpflanzen vor Wildverbiss, bei der Anlage und Pflege von Biotopen und im Vertragsnaturschutz sowie schließlich bei der Pflege und dem Erhalt von Erholungseinrichtungen. Wer Interesse hat, kann sich bei der städtischen Forstverwaltung melden: Tel.: 09351/8001-1600 (montags bis donnerstags an den Vormittagen), Fax: 09351/8001-1699 oder E-Mail: forstverwaltung@gemuenden.bayern.de

    Wertvolle Nachzuchten müssen über Jahre beispielsweise mit Triebschutzkappen vor Wildverbiss geschützt werden, wie Gemündens Stadtförster Meinolf Arndt hier zeigt.
    Wertvolle Nachzuchten müssen über Jahre beispielsweise mit Triebschutzkappen vor Wildverbiss geschützt werden, wie Gemündens Stadtförster Meinolf Arndt hier zeigt. Foto: Michael Fillies

    Anleitung durch Fachmann inklusive

    Die Gruppe der ehrenamtlichen Waldpaten würde Gemündens Stadtförster Meinolf Arndt leiten, ebenfalls ehrenamtlich. Er tritt demnächst in den Ruhestand, bleibt aber "seinem" Wald verbunden. Er möchte das, was er in 37 Jahren geschaffen hat, erhalten und schützen. Um zu weiter entfernten Einsatzgebieten im Stadtwald zu kommen, können die Waldpaten das Fahrrad benutzen oder Fahrgemeinschaften (mit Ausnahmegenehmigung fürs Fahrzeug) bilden; Kleinbusse werde die Stadt nicht einsetzen, sagt Meinolf Arndt. Zwar werden die ehrenamtlichen Helfer keine gefährlichen Geräte bedienen, eine Unfallversicherung für sie bestehe dennoch.

    Einfache, aber aufwendige Arbeiten sind beispielsweise das Gießen junger Pflänzchen per Pumpe oder Gießkanne aus einem Wassertank, das Aufsetzen von Triebschutzkappen und Netzhüllen, das Vereinzeln von Pflänzchen und das Eindämmen von Konkurrenzflora. Wer sich im Gemündener Stadtwald umschaut, wird wie fast überall in Deutschland vielerorts Schäden bemerken, die zum Teil schon ein dramatisches Ausmaß erreichen: vertrocknete Bäume, auch die als klimaresistent geltenden Buchen zeigen dürre Wipfel. Die vergangenen Jahre waren zu trocken, die geschwächten Bäume, vor allem Fichten fallen deswegen und wegen der zu warmen Winter außerdem in großem Umfang Insekten zum Opfer. Mittlerweile täglich nach dem Borkenkäfer Ausschau zu halten und bei Befall von Bäumen ganze Bestände aus dem Wald zu räumen, ist eine gesetzliche Aufgabe der städtischen Forstverwaltung.    

    Kahlschläge, wie sie wegen Käferbefall nötig sind, können nur mit hohem Aufwand wieder aufgeforstet werden. Hier wären der Gemündener Forstverwaltung viele helfende Hände willkommen.
    Kahlschläge, wie sie wegen Käferbefall nötig sind, können nur mit hohem Aufwand wieder aufgeforstet werden. Hier wären der Gemündener Forstverwaltung viele helfende Hände willkommen. Foto: Michael Fillies

    Zusammenbrechende Wälder befürchtet

    An besonders trockenen Standorten oder stark von der Sonne beschienenen Hängen gelinge ohne Hilfe des Menschen keine Wiederaufforstung mehr, stellt der Stadtförster fest, doch fehle dafür das Geld - der enorme Anfall von Schadholz in ganz Europa habe insbesondere beim Nadelholz zu einem ruinösen Preisverfall geführt. Für einen Festmeter seien statt bisher 95 Euro nur noch sechs bis 25 Euro zu erlösen, wenn man überhaupt einen Abnehmer findet. Die Situation werde anhalten und sich womöglich noch verschärfen, sagt der Fachmann. Er rechnet mit Pleiten von Forstbetrieben und zusammenbrechenden Wäldern. Daraus entstünden dann keine gesunden, wertvollen Urwälder, sondern allenfalls reine Buchenwälder, die wiederum anfällig wären für sich massenhaft vermehrende Insekten. 

    Eine hohe Artenvielfalt an Vögeln und Insekten weisen buschige Übergänge vom landwirtschaftlich bestellten Feld zum eigentlichen Wald auf. In diesem Stück wachsen Spitzahorn, Kirsche, Nussbaum, Berghorn und andere Gehölze hinter Sanddorn, Kornelkirsche, Hasel, Felsenbirne, Weißdorn, Heckenrose, Wildapfel und anderem Buschwerk. Auch hier muss zum Schutz die Konkurrenzflora eingedämmt werden.
    Eine hohe Artenvielfalt an Vögeln und Insekten weisen buschige Übergänge vom landwirtschaftlich bestellten Feld zum eigentlichen Wald auf. In diesem Stück wachsen Spitzahorn, Kirsche, Nussbaum, Berghorn und andere Gehölze hinter Sanddorn, Kornelkirsche, Hasel, Felsenbirne, Weißdorn, Heckenrose, Wildapfel und anderem Buschwerk. Auch hier muss zum Schutz die Konkurrenzflora eingedämmt werden. Foto: Michael Fillies

    Das Ziel muss laut Meinolf Arndt ein gesunder Mischwald sein. Er strebt in den Abteilungen des Stadtwaldes jeweils mindestens fünf Baumarten an, davon ein Anteil von maximal 25 Prozent Nadelholz. Das könne aber nicht (mehr) die Fichte sein, denn sie hält dem rasanten Klimawandel nicht stand. Arndt setzt als Ersatz unter anderem auf die Weißtanne, die einst im Spessart heimisch war und dann durch die Eiszeit verdrängt wurde. Einer seiner Vorgänger müsse ein besonders kluger Mann gewesen sein - er habe vor etwa 100 Jahren Weißtannen im Stadtwald gesetzt, die heute prächtig stehen. Samen von diesen Bäumen, aber auch von sogenannten Trockenherkünften wie den Südkarpaten (Rumänien), Süditalien, dem Schwarzwald und der schwäbisch-fränkischen Alb pflanzt der Stadtforst für die rasant absterbende Fichte nach.     

    Zahlreiche Gemeinwohlleistungen

    Die in Aussicht gestellten staatlichen Förderungen werden zum Erhalt des Waldes nicht reichen, schätzt Meinolf Arndt. Er erinnert: "Unser Wald erfüllt über seine Rolle als Lieferant des nachwachsenden Rohstoffes Holz hinaus unentgeltlich zahlreiche Gemeinwohlleistungen, die für unsere Gesellschaft von zentraler Bedeutung sind: Klimafunktion, Kohlendioxid-Speicherung, Wasserfilter- und -speicherung, Naturschutzfunktion, Erosionsschutz, Erholungsfunktion, Tourismus und vieles mehr."

    "Die Forstbetriebe alleine werden die sich abzeichnenden Herausforderungen ohne finanzielle wie personelle Hilfe kaum bewältigen können", deswegen hofft Arndt auf "waldliebende Bürgerinnen und Bürger", die  sich ehrenamtlich aktiv an dem Projekt "Waldgesundheit, Waldumbau in Zeiten des Klimawandels und Sicherung unserer natürlichen Lebensgrundlagen" einbringen. Auch Bürgermeister Lippert wirbt: "Mit diesen denkbaren Hilfen könnten die Bürgerinnen und Bürger ganz unmittelbar ihre Wertschätzung für ,unseren Wald' dokumentieren und sich gleichzeitig persönlich einbringen."

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