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    Gemünden

    Glosse: Main-Spessarts Biergärten und (k)ein Geheimtipp

    Warum Geheimtipps ein hohes Gefahrenpotenzial bergen und wie Corona den Biergartenbesuch verschönert – darum geht es im heutigen Beitrag aus der Quarantäne.
    An zwei Wochenenden organisierte die Fußballabteilung des ESV Gemünden einen Biergarten am Vereinsgelände auf der Saaleinsel.
    An zwei Wochenenden organisierte die Fußballabteilung des ESV Gemünden einen Biergarten am Vereinsgelände auf der Saaleinsel. Foto: Michael Fillies

    Unser heutiger Quarantäne-Beitrag zur Erheiterung der Spessarter und der Vorspessarter (also die um Karlstadt und Arnstein herum) beginnt mit einer Entschuldigung. Denn der Auftrag lautete, Biergarten-Geheimtipps aus dem Landkreis Main-Spessart zu offenbaren. Weil man die Halben und die Maßen seit zwei Wochen wieder im Freien stemmen darf und die Corona-bedingt dürstende Leserschaft mutmaßlich einen immensen Nachholbedarf an Biergartenbesuchen hat. Doch der Auftrag wurde zurückgezogen.

    Am Trettstein fällt nicht nur Wasser

    Der Grund dafür ist die verunglückte Frau am Trettstein. Der Gräfendorfer Wasserfall war lange ein Geheimtipp, den – so kritisierte ein Leser – diese Redaktion preisgegeben hat mit der Folge, dass dort jetzt Tausende auf schmalen Pfaden wandeln und reihenweise in die Tiefe purzeln. Also ein oder zwei, vielleicht auch drei Unglücke hat es nachweislich gegeben. Für solche Ereignisse, über die dann auch noch seitenweise berichtet werden muss ("Tritt der viel getretene Trettstein jetzt zurück?"), will die Redaktion die Verantwortung nicht mehr übernehmen: ab sofort keine Geheimtipps mehr!  

    Dabei hätte man zum Beispiel den neuen Biergarten des ESV Gemünden auf der Saaleinsel als Geheimtipp empfehlen können. Ein wirklich angenehmer Platz zum Süffeln in gemütlicher Runde. Das Angebot der Fußballer erstreckte sich allerdings nur auf zwei Wochenenden; eine Wiederholung ist frühestens für die erste Juli-Woche ins Auge gefasst.

    Aiwangers Kumpel-Tisch-Regeln im Original

    Ein echter Geheimtipp sind zurzeit noch die Corona-Regeln beim Biergarten- und Kneipenbesuch. Denn die kann sich kaum einer merken. Wie war das noch gleich mit Hubert Aiwangers Kumpel-Tisch-Regeln? Hier der Minister im Wortlaut: "Wenn sechs bis acht Leute, jeder mit seinem Kumpel kommt, dann kann der sich natürlich jeweils mit seinem Kumpel, der seine Bezugsperson ist, an einen Tisch setzen. Und mit 1,50 Abstand sitzt der nächste Kumpel mit seinem Kumpel. Aber die können nicht sechs mal zwei an einem Tisch sitzen, weil ja nicht mal die ersten Sechse an einem Tisch sitzen dürften. Also immer nur mit einer Bezugsperson oder mit einer Bezugsfamilie darf ich am Tisch sitzen. Und zu den anderen ist jeweils 1,50 Abstand zu halten. Das Beispiel ginge nur, wenn der Tisch irgendwo 15 Meter lang ist und dann im Abstand von 1,50 immer die Pärchen gegenüber sitzen."

    Verfängliche Begegnungen

    Und dann noch die Sache mit den zwei Hausständen, die zwar am Biertisch zusammenfinden dürfen, aber doch keine Aiwangerschen Kumpel-Pärchen bilden sollten, weil sonst vielleicht in gleich zwei Hausständen der Haussegen schief hängt. Dazu noch der Mund-Nasen-Schutz, der getragen werden muss, wenn man nicht am Tisch sitzt, aber immerhin zum Essen und Trinken abgenommen werden darf. Und jeder Gast bekommt ein frisches Besteck. Das war aber wohl auch vor Corona schon so. Die Regeln ärgern manche – aber wirklich bedauern muss man nur die Wirte, die über die Einhaltung zu wachen haben und das dann noch uneinsichtigen Gästen immer wieder klar machen müssen.

    Dabei kann hier nach ausgiebigen Selbstversuchen dem ganzen Corona-Zinnober durchaus Positives abgewonnen werden: Man sitzt locker verteilt im Biergarten, hat keine ungebetenen Zuhörer; kein Gedränge auf den Plätzen, kein verschwitzter Rücken kommt von hinten auf Tuchfühlung. Sollte man am nächsten Tag vergessen haben, mit wem man Brüderschaft getrunken hat – kein Problem, denn der Wirt führt ja eine Gästeliste. Und außerdem: So viel piekfeiner Service war noch nie: Man wird zum Platz gebracht und bekommt duftende Desinfektionsmittel gereicht. Daher gibt's zum Schluss doch noch einen (Geheim-)Tipp: Ausprobieren!

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