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    Marktheidenfeld

    Glosse: Warum das Beseitigen von Hundekot am Mainufer ein Muss ist

    Die Stadt Marktheidenfeld wünscht sich mehr Sauberkeit am Mainufer. Dass muss schon sein. Unser Autor philosophiert über das Müssen – bei Mensch und Tier.
    Tierkot am Main? Nackthündin Kobra (11) beteuert ihre Unschuld.
    Tierkot am Main? Nackthündin Kobra (11) beteuert ihre Unschuld. Foto: Uli Sommerkorn

    "Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss." Ein Zitat, das wahlweise den Westerndarstellern John Wayne oder Gary Cooper zugeschrieben wird und das bei genauerer Betrachtung nicht besonders tiefsinnig ist. Denn vermutlich muss auch eine Frau das tun, was sie eben tun muss. Und das Müssen muss sich nicht auf Menschen allein beschränken, auch Tiere müssen bisweilen.

    Womit wir beim Problem wären: Zu den Aufgaben der Mitarbeiter der Stadt Marktheidenfeld zählt es, dass sie gelegentlich das Gras am Main mähen müssen. Weil dort aber zuvor Hunde bereits ihre Notdurft verrichten mussten, darf man das Tagwerk der städtischen Bediensteten als nicht eben Vergnügungsteuer pflichtig bezeichnen. Weil sich auch Fußgänger bereits beschwert hätten, musste die Stadt darum bitten, am Main und anderswo keinen Hundekot zu hinterlassen. Adressaten des Appells sind freilich die Tierhalter, nicht etwa die Hunde, das müssen wir an dieser Stelle klarstellen.

    Tüten zur Entsorgung von Hundekot stehen in Marktheidenfeld vielerorts bereit.
    Tüten zur Entsorgung von Hundekot stehen in Marktheidenfeld vielerorts bereit. Foto: Roland Pleier

    Hundehaufen? Muss nicht sein!

    Ein sauberer Marktheidenfelder Main frei von übelriechenden tierischen Hinterlassenschaften ist auch deshalb ein Muss, weil im August am Ufer des Flusses ein Biergarten seinen Platz finden soll. Quasi als Ersatz für die Laurenzi-Messe, die wegen der Corona-Infektionsgefahr ausfallen musste. Und zu einem solchen Biergarten gehören nun mal gegrillte Würste sowie der Gerstensaft, der kraft des Reinheitsgebots aus Hefe, Wasser, Hopfen und Malz bestehen muss.

    Dass die beiden letztgenannten Ingredienzien in Sachen Sauberkeit des Mainareals schon verloren gegangen sein müssen, nehmen wir im Interesse von Spaziergängern und Biertrinkern nicht an. Stattdessen hoffen wir auf das Tätigwerden der Hundehalter, indem sie die braune Masse in Tütchen packen und vorschriftsmäßig entsorgen. Auch wenn ihnen dafür gelegentlich die Muße fehlen mag: Was sein muss, muss sein. Die wollen schließlich beim Gassi-Gehen genauso wenig in Häufchen treten wie Zeitgenossen ohne Haustier. Dass muss wirklich nicht sein! 

    Wenn man dem Biergarten plötzlich fernbleiben muss

    Schließlich wünscht sich auch keiner Verhältnisse wie in der mittelfränkischen Gemeinde Lichtenau. Die Kommune im Landkreis Ansbach will eine Gendatenbank einrichten lassen, mit deren Hilfe vierbeinige Übeltäter überführt werden sollen, die ihr Innerstes auf öffentlichem Grund zurückgelassen haben. Ihre Besitzer könnten dann zur Verantwortung gezogen werden – mit Bußgeldern oder, was für sie weitaus schlimmer wäre, indem sie den örtlichen Biergärten fernbleiben müssen.

    Erfreut sich keiner großen Beliebtheit: Vogelkot. Getroffen werden können Autos (wie hier abgebildet), Parkbänke oder Yogamatten.
    Erfreut sich keiner großen Beliebtheit: Vogelkot. Getroffen werden können Autos (wie hier abgebildet), Parkbänke oder Yogamatten. Foto: dpa/Andrea Warnecke

    Gleichwohl müssen wir einräumen, dass die Eingriffsmöglichkeiten der öffentlichen Hand begrenzt sind. Das wird am Beispiel einer Kollegin deutlich: Deren Matte wurde von oben getroffen, als sie im Freien Yoga machte. Dass eine bekannte Position im Yoga der "herabschauende Hund" ist, muss aber Zufall sein. Denn als Verunzierer der Matte wurde ein Vogel erkannt, der sich schnell aus dem Staub machte. Anders als bei einem Hund kommt man ihm weder mit städtischen Appellen bei noch mit Gendatenbanken. Auch das muss einmal gesagt sein.

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