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    Gräfendorf

    Gottesdienst in Main-Spessart: Auflagen schränken Freude ein

    Kirchgang mit Mundschutz, Abstand, ohne Wandlung und Kommunion: Da muss man schon ein unerschütterlicher Christ sein, um sich das anzutun. Ein persönlicher Erfahrungsbericht.
    Pastoralreferent Dr. Thorsten Kapperer entzündet die Osterkerze im Altarraum der Schutzengelkirche in Gräfendorf vor den mit Abstand und Mundschutz im Kirchenraum stehende Gläubigen.
    Pastoralreferent Dr. Thorsten Kapperer entzündet die Osterkerze im Altarraum der Schutzengelkirche in Gräfendorf vor den mit Abstand und Mundschutz im Kirchenraum stehende Gläubigen. Foto: Wolfgang Schelbert

    Neugierde treibt mich heute in die Gräfendorfer Schutzengelkirche zum ersten öffentlichen Gottesdienst seit Mitte März. Einen besonderen Drang zum Kirchgang an diesem sonnigen Sonntagmorgen verspüre ich nicht, denn die Hygienevorgaben des Staates und des Bistums Würzburg verleiden mir die Vorfreude. Es soll nur einen bestimmten Eingang geben, einen festgelegten Ausgang; Mund- und Nasenbedeckung ist Pflicht.

    Das eigene Gesangbuch muss mitgebracht werden, dazu gibt es einen markierten Platz mit eineinhalb Metern Abstand zum nächsten Besucher und zu aller Schikane auch noch eine abgespeckte Gottesdienstversion ohne Wandlung und Kommunion. Da muss man schon ein echt eingefleischter und unerschütterlicher Christ sein, um sich das anzutun.

    Doch ich gehe. Am Gotteshaus angekommen treffe ich die ersten Gläubigen vor der Eingangstüre. Jeder hat seine Stoffmaske dabei, manche haben diese bereits aufgezogen, andere sind gerade im Begriff, das pflichtgemäß zu tun. Die Stimmung ist gelöst und mache unterhalten sich ganz ungezwungen und mit kleinen Scherzen.

    Ein Ordner mit Gummihandschuhen verteilt Liedzettel

    Am Eingang empfängt mich ein ortsfremder Ordner mit Mundschutz und verteilt mit Gummihandschuhen geschützten Händen die Liedzettel mit Gebetstexten. Auf dem gefalteten blauen Blatt steht "Eröffnungs-Liturgie" und der Ablauf des Wortgottesdienstes. Im Innern brennen die Deckenlampen, die Orgel gleich neben dem Eingang ist unbesetzt, das Weihwasserbecken leer, ebenso der hölzerne Buchständer für die Gesangbüchern.

    Ich gehe andächtig weiter, an beschrifteten Bänken vorbei, in denen niemand sich aufhalten darf, suche mir einen, mit einem gelben Klebeband markierten Platz und verharre in Stille, mein Blick fixiert auf den mit brennenden Kerzen geschmückten Altar.

    Pastoralreferent Dr. Thorsten Kapperer und Burkhard Fecher (links) gestalten den ersten öffentlichen Gottesdienst in der Schutzengelkirche
    Pastoralreferent Dr. Thorsten Kapperer und Burkhard Fecher (links) gestalten den ersten öffentlichen Gottesdienst in der Schutzengelkirche Foto: Wolfgang Schelbert

    Mittlerweile sind 24 Menschen in der Kirche eingetroffen, die eine Kapazität von 200 Sitzplätzen hat und deren Raum beim letzten Weihnachtskonzert locker 350 Menschen aufnehmen konnte. Vom Eingang her kommt Gemurmel und ich beobachte, wie eine Familie mit zwei kleinen Kindern, alle mit Mundschutz, hereinkommt und sich alle eilig einen Platz in der Kirchenmitte suchen. Der Gottesdienst beginnt!

    Pastoralreferent begleitet an der Gitarre

    Pastoralreferent Thorsten Kapperer kommt mit einer Albe (weißes Gewand) bekleidet aus der Sakristei, ohne weitere Begleitung, kein Messdiener dabei, nur sein Gebetsbuch in der Hand. Musikalisch wird er von Pastoralreferent Burkhard Fecher an der Gitarre begleitet. Er stimmt das Lied "Manchmal feiern wir mitten im Tag" an und die Besucher stimmen hinter ihren Masken mit ein. Erstaunt stelle ich fest, dass der Gesang gar nicht so dumpf klingt wie erwartet. Es klingt verständlich und sogar melodiös.

    Der Wortgottesdienstleiter schreitet zum Ambo (pultförmige Kanzel) und begrüßt die Gläubigen frohgelaunt und mit kurzen Erklärungen zur Corona-Situation. Das wirkt anziehend. Seine Worte sorgen für ein versöhnliches Gefühl in den strengen Zeiten der Pandemie-Anordnungen. Die Feier folgt den Regeln des Wortgottesdienstes mit Tagesgebet, Lesung, Evangelium, Predigt, Fürbitten und Segensgebet. Der Ablauf wirkt bekannt und einem Sonntag angemessen.

    Nur warum gibt es keine Wandlung und keine Kommunionspende? Ein Besucher, der ich nach seiner Meinung dazu frage, zuckt mit den Schultern. Es klingt ein wenig resigniert hinter seiner Maske, wenn er sagt, dass das der Gesundheit der Bevölkerung geschuldet sei, seiner Ansicht nach aber  total überzogen.

    Nichtöffentlicher Ostergottesdienst 

    Auf dem Heimweg denke ich an den Ostergottesdienst mitten in der Corona-Krise. Da gab es nichtöffentliche Gottesdienste mit Messfeiern in allen Ortsteilen. Offiziell waren nur fünf Personen einschließlich des Priesters und der Mesnerin erlaubt. Ostern ohne Messfeier war für mich nicht vorstellbar – ohne Osternacht-Gottesdienst mit Osterfeuer vor der Kirche und Einzug bei Kerzenschein in die Kirche fehlt mir das richtige Ostergefühl.

    Also beschloss ich, unangemeldet einen nichtöffentlichen Ostergottesdienst zu besuchen. Vor der Schutzengelkirche fiel mir sofort die ungewohnte Stille um das Gotteshaus auf. Kein Mensch vor der Kirche und drinnen nur Pfarrvikar Bede Nwadinobi am Altar und die Mesnerin. Stellvertretend für die gesamt Gemeinde hielten sie den Gottesdienst. Es war ein festlicher Gottesdienst mit Predigt für zwei Besucher, der Priester im Ornat, aber ohne Gläubige in den Bänken. Erstaunlich und unwirklich. Aber doch mit einem österlichen Gefühl am Ende.

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