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    Lohr

    "Ich liebte die Landschulen": Rita Bayer aus Lohr wird 90

    Wissbegierig bis ins hohe Alter: Rita Bayer an einem ihrer Lieblingsorte, der Bibliothek des Caritas-Seniorenzentrums St. Martin. 
    Wissbegierig bis ins hohe Alter: Rita Bayer an einem ihrer Lieblingsorte, der Bibliothek des Caritas-Seniorenzentrums St. Martin.  Foto: Gisela Büdel

    Viele Sendelbacher haben sie in guter Erinnerung. Bei ihren Abc-Schützen, Eltern und Kollegen war sie als Lehrerpersönlichkeit geschätzt und beliebt. Sie blickt auf ein spannendes und erfolgreiches Leben als Pädagogin, Ehefrau und Mutter zurück: Rita Bayer, in ihrer Berufslaufbahn besser bekannt als "Frau Kneifel", vollendet am Donnerstag, 23. Juli, im Caritas-Seniorenzentrum St. Martin neun Jahrzehnte.

    Zeitreise ins Jahr 1955: Die 25-jährige Junglehrerin unter ihrem Mädchennamen Rita Rößner an der Schillerschule in Würzburg. 
    Zeitreise ins Jahr 1955: Die 25-jährige Junglehrerin unter ihrem Mädchennamen Rita Rößner an der Schillerschule in Würzburg.  Foto: Repro: Gisela Büdel

    Geboren wurde Rita Bayer unter dem Mädchennamen Rößner 1930 in Würzburg. Zur Verwirklichung ihres "Traumberufs Lehrerin" mit kriegsbedingter Unterbrechung ab 1944 besuchte sie die Lehrerinnenbildungsanstalten Aschaffenburg und Würzburg. "Wir hatten während der gesamten Studienzeit kein Buch", blickt Bayer zurück. Das Studium basierte allein auf dem Vortrag der Professoren. Bestenfalls sei der Lehrstoff über einen Matrizendrucker vervielfältigt worden.

    Nach der ersten Lehramtsprüfung mit einem Monatsgehalt von 98 DM war sie an Schulen in und um Würzburg im Einsatz. Dank erfolgreicher zweiter Lehramtsprüfung trat die Junglehrerin 1956 ihre erste Planstelle in Arnstein an. Sie lernte Peter Kneifel aus dem ehemaligen Lohrer "Reformhaus Kneifel" kennen. 1957 wurde Hochzeit gefeiert, 1958 und 1960 kamen die Töchter Christine und Claudia zur Welt. Zu ihnen und zwei Enkelkindern pflegt die Jubilarin guten Kontakt.

    Mit Weitblick und Fachwissen geprägt

    Zunächst in Bergrothenfels tätig, freute sich die Junglehrerin über die Versetzung an die Grundschule Sendelbach. Dort brachte sie bis zur Pensionierung 1987 ihren Schützlingen nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen bei. Ein Herzensanliegen ihrer pädagogischen Arbeit waren die Persönlichkeitsbildung und die Vermittlung des allgemeinen Wertesystems. Mehrere Schüler-Generationen hat sie mit Mut, Weitblick und Fachwissen begleitet und geprägt. "Ich liebte die Landschulen", betont die vitale Pensionistin, die seit ihrer zweiten Heirat den Nachnamen "Bayer" trägt, mit Begeisterung in der Stimme.

    Und die Sympathie beruht auf Gegenseitigkeit. Bis heute ist die Wiedersehensfreude groß, sei es bei der zufälligen Begegnung mit ihren Ehemaligen oder der Einladung zum Klassentreffen. Und der Kreis schließt sich: Aus dem bildungshungrigen "Bücherwurm" im Kindesalter wurde die Betreuerin der Bibliothek im Seniorenzentrum.

    Positive Lebenseinstellung

    Bewundernswert in der Begegnung mit der "Frohnatur" Rita Bayer ist ihr Optimismus, gerade in der Corona-Krise mit eingeschränktem Sozialkontakt: "Ich denke auch heute noch positiv, können wir doch per Telefon mit unseren Lieben kommunizieren." Nach 90 Jahren voller Leben hält es die Seniorin mit ihrer Mutter, die ihr in den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren mit auf den Weg gab: "Uns geht es gut, wir leben noch."

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