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    Gemünden

    Naturpark Spessart beerntet wieder Wiesen

    Gebietsbetreuer Christian Salomon (rechts) und Stefan Köhler mit dem Samenernter 'eBeetle'.
    Gebietsbetreuer Christian Salomon (rechts) und Stefan Köhler mit dem Samenernter "eBeetle". Foto: Andreas Gries

    Der Naturpark Spessart besitzt seit vergangenem Jahr einen Samenernter „eBeetle“ und bürstet damit reife Pflanzensamen aus besonders wertvollen Wiesenbeständen. In einem zunächst vierjährigen Förderprojekt des Bayerischen Naturschutzfonds und des WWF Deutschland sollen die beernteten Wiesen so auf andere Flächen „kopiert“, seltene Pflanzenarten vermehrt und der Erfolg der Maßnahmen analysiert werden, heißt es in einer Pressemitteilung.

    Zu den diesjährigen Maßnahmen zählt die Ansaat entbuschter Hangbereiche im Naturschutzgebiet Spessartwiesen bei Wiesen. Die Entfernung der Brombeer- und Hainbuchensukzession hat der Landschaftspflegeverband Aschaffenburg durchgeführt. Das passende Saatgut besorgen Naturpark-Ranger und Gebietsbetreuer auf örtlichen Heuwiesen des Wiesener Rinderhalters Stefan Köhler, der auch die Flächen im Naturschutzgebiet bewirtschaftet.

    Spenderflächen werden später gemäht

    „Es soll dort statt Gebüschen wieder der Lebensraumtyp Magere Flachlandmähwiese entstehen“, erklärt Christian Salomon, Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart. Damit reife Pflanzensamen von möglichst vielen Arten geerntet werden können, mäht Stefan Köhler, zugleich Umweltpräsident des Bayerischen Bauernverbandes, die Spenderflächen deshalb später als sonst.

    Ein weiteres Projekt läuft dieses Jahr in Massenbuch. Dort stellt Dr. Michael Armbrust, der ehemalige Leiter der Lohrer Augenklinik, Ackerflächen bereit, die er aus Naturschutzgründen wieder in artenreiches Grünland umwandeln will. Der Kontakt zum Naturpark kam über Klaus Bernhart, den früheren Leiter des Landwirtschaftsamts Karlstadt, zustande. In Armbrusts Garage liegt nun Saatgut zum Trocknen, das kürzlich von besonders blütenreichen Wiesen bei Ruppertshütten gewonnen wurde. Weitere Samen sollen von der Rechtenbacher Weikertswiese kommen.

    Ausbringung von gebietsfremdem Saatgut ist verboten

    Das Thema Saatgut sei „fachlich wie rechtlich sehr anspruchsvoll und noch in Entwicklung“, sagt Salomon. Der Erhalt regionaltypischer Genetik und Artenkombinationen sei ein wesentlicher Beitrag zum Schutz der Biodiversität. Wenn die Pflanzenwelt durch Saatgut großräumig vereinheitlicht würde, sei das negativ für die Stabilität unserer Ökosysteme, so der Naturschutzvertreter.

    Laut Bundesnaturschutzgesetz ist die Ausbringung von gebietsfremdem Saatgut in der freien Landschaft mittlerweile verboten. Davon befreit sind land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen, aber auch hier können gebietsabhängig naturschutzrechtliche Einschränkungen gelten. „Im Zweifelsfall auf Grünland lieber kein Saatgut ohne Abstimmung mit den Fachbehörden ausbringen“, rät Christian Salomon gerade im Hinblick auf gut gemeinte Blühmaßnahmen oder die Nachsaat von lückigen Wiesen und Schwarzwildschäden. Dass geeignetes Saatgut für „Naturschutzflächen“ bislang nur begrenzt erhältlich und meist auch nicht billig sei, sei ein bekanntes Problem, an dem man arbeiten müsse.

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    Bearbeitet von Lena Berger

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