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    Triefenstein

    Regenrückhaltebecken im Gemeindewald

    Blick in den unteren Teil des Hartgrabens, über den künftig ein geordneter Wasserabfluss auch bei Starkregen erfolgen soll.
    Blick in den unteren Teil des Hartgrabens, über den künftig ein geordneter Wasserabfluss auch bei Starkregen erfolgen soll. Foto: Günter Reinwarth

    Regenrückhaltebecken und Hartgraben sind in der Triefensteiner Kommunalpolitik zwei Begriffe, mit denen sich der Gemeinderat trotz behördlicher Vorgaben nicht so recht anfreunden wollte. Erst als deutlich wurde, dass hier eine Pflichtaufgabe zu erledigen ist und auch das Landratsamt Main-Spessart Vollzug gemeldet haben wollte, mussten die Beratungen ihren Lauf nehmen.

    Vor  Jahren machten schließlich die Behörden erneut deutlich, dass nach dem Wasserhaushaltsgesetz einer künftigen Einleitung des Niederschlagswassers aus dem Lengfurter Gewerbegebiet Oberes Eck in den Hartgraben nur dann zugestimmt werden könne, wenn die "geplanten Regerückhaltebecken sowie das Regenklärbecken errichtet werden".

    Wassermassen bei Starkregen

    Den Behörden ging es hauptsächlich um die Erfassung von Starkregen. Schon einmal waren nämlich Wolkenbruch-ähnliche Regenfälle "ungeordnet" in Richtung Maintal geflossen. Die Wassermassen hatten vor rund 30 Jahren sogar das Bildungszentrum beschädigt. Was den Behörden ferner missfiel, war die Überflutung des Betriebsgeländes der Schleuse Lengfurt.

    Jahre gingen ins Land, bis den Markt Triefenstein erneut eine Frage nach der Erledigung der notwendigen Auflagen und den Hinweis und erreichte, dass in Lerngfurt eine Pflichtaufgabe und keine Kür zu erledigen sei. Die Gemeinde musste wohl oder übel verbindliche Aussagen darüber treffen, wie man das Hartgraben-Projekt finanziell schultern wolle. Im Haushalt 2018 wurden 400 000  Euro vorgesehen. Das Investitionsprogramm der folgenden zwei Jahre sah nochmals insgesamt 800 000 Euro vor. Der Marktheidenfelder Architekt Thomas Harth wurde mit der Planung beauftragt. Das Projekt musste wohl oder übel Fahrt aufnehmen.

    Ortstermine bei den Alpakas

    Entgegen einer früheren Planung sahen neuere Aussagen ein Regenrückhaltebecken mit mehreren tausend Kubikmetern Fassungsvermögen auf einer Waldwiese vor, auf der Alpakas friedlich grasen. Die aus Südamerika stammenden Tiere werden von der Familie Judith Hock und Christian Wilms betreut. Für Feriengäste in zwei nahen Baumhäusern sind die Alpakas eine wahre Augenweide.

    In der Folgezeit fanden Ortstermine mit dem Bauausschuss und zuständigen Fachbehörden statt. Eine Verlegung des Regenrückhaltebeckens in den nahen Gemeindewald wurde erwogen, der Gemeinderat hatte erneuten Beratungsbedarf. Zweiter Bürgermeister Werner Thamm verlas in der öffentlichen Sitzung am Dienstagabend dieser Woche ein Schreiben von Bruno Hock, das dieser an das Landratsamt Main-Spessart gerichtet hatte.

    Belange des Naturschutzes

    Hock, der für die Freien  Bürger im Gemeinderat sitzt und bei der jüngsten Kommunalwahl die meisten Stimmen von allen Bewerbern erhielt,  sprach sich deutlich gegen ein Rückhaltebecken auf der Waldwiese aus. Er brachte in seinem Schreiben hauptsächliche naturschützere Gründe ins Spiel, die gegen das Becken auf der von seiner Familie von der Gemeinde gepachteten Wiese sprechen. Unter anderem  bezog er sich auf das Vorkommen von geschützten Maulwürfen.

    Obwohl in der öffentlichen Sitzung mitunter kontroverse und lautstarke Diskussionen mit Bezug auf die vorgeschalteten nichtöffentlichen Beratungen zu hören waren, deren Inhalt für die Zuhörer nicht nachvollziehbar waren und vermutlich fiskalischen Charakter hatten, ging Sitzungsleiter Werner Thamm auch auf eine erneute Termin-Verlegung der Causa Regenrückhaltebecken nicht ein. Thamm wusste, dass das Landratsamt einer weiteren Verzögerung der Planungen aus wasserrechtlicher Sicht nicht zustimmen würde.

    Waldareal wird gerodet

    Mit nur einer Gegenstimme  folgte das Gremium Thamms Beschlussvorschlag auf Verlegung des Rückhalte-Beckens in ein nahes Areal des Gemeindewaldes. Der Beschluss wurde noch am Mittwoch dem Landratsamt übermittelt. Ein Landschaftsarchitekt wurde mit der Suche nach Ausgleichsflächen in wahrscheinlich doppelter Größe des zu rodenden Waldareals beauftragt.

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    Bearbeitet von Günter Reinwarth

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