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    Lohr

    Revision: Lohrer Bankräuber zieht vor den Bundesgerichtshof

    Will er eine mildere Strafe oder lieber in eine Entziehungsanstalt? Das Ziel des 57-jährigen Pfälzers ist nicht bekannt. Wohl aber in etwa seine Erfolgsaussichten.
    Der Pflichtverteidiger Andreas Franz mit seinem Mandanten, der unter anderem eine Bank in Lohr überfallen hatte. 
    Der Pflichtverteidiger Andreas Franz mit seinem Mandanten, der unter anderem eine Bank in Lohr überfallen hatte.  Foto: Roland Pleier

    Die große Strafkammer des Landgerichts Aschaffenburg hat den Bankräuber von Lohr Anfang Juli zu einer Haftstrafe von neun Jahren und zehn Monaten verurteilt. Das Strafverfahren gegen den heute 57-Jährigen aus der Pfalz ist damit aber noch nicht abgeschlossen: Wie das Gericht auf Nachfrage der Redaktion mitteilte, geht der Pflichtverteidiger des Pfälzers in Revision. Das bedeutet, dass der Fall möglicherweise am Bundesgerichtshof in Karlsruhe verhandelt wird.

    Mit der Revision wird ein Urteil auf Verfahrensfehler sowie auf eine Verletzung des materiellen Rechts hin überprüft. Allerdings werden viele der eingereichten Verfahren erst gar nicht zugelassen: Im vergangenen Jahr wurden rund 70 Prozent der anhängigen Revisionsverfahren "als offensichtlich unbegründet" zurückgewiesen, wie der langjährige Revisionsspezialist Jesko Baumhöfener aus Hamburg auf seiner Homepage erläutert. Die Erfolgsaussichten im Strafrecht sind demnach auch nicht gerade rosig: Die Quote liegt in Deutschland zwischen drei und acht Prozent.

    Zur Motivation und Strategie wollte und durfte sich Pflichtverteidiger Andreas Franz aus Aschaffenburg nicht ohne Rücksprache mit seinem Mandanten äußern. Es erscheint jedoch unwahrscheinlich, dass er nach acht Verhandlungstagen auf Verfahrensfehler aus ist. Ansätze bot der Prozess jedoch im Hinblick auf den Schuldspruch und das Strafmaß.

    Der Angeklagte räumte nur zwei der vier Fälle ein

    Mit diesem Foto suchte die Polizei nach dem Mann, der am 27. Juni 2019 eine Bank in Lohr überfallen hatte.
    Mit diesem Foto suchte die Polizei nach dem Mann, der am 27. Juni 2019 eine Bank in Lohr überfallen hatte. Foto: Polizei

    Wie berichtet, hatte der Angeklagte lediglich zwei der vier Banküberfälle gestanden, derentwegen er in Aschaffenburg verurteilt wurde: den in Lohr und den darauffolgenden in Klingenberg, beide im vergangenen Jahr. Zwei weitere Überfälle jedoch – 2017 in St. Martin (Rheinland-Pfalz) und 2018 in Winterberg (Nordrhein-Westfalen) – stritt er ab. Das Gericht freilich glaubte ihm nicht und sah es als erwiesen an, dass er für alle vier verantwortlich ist.

    Auch seine angebliche Kokain-Abhängigkeit nahm das Gericht dem Angeklagten nicht ab. Dafür hatte er im Verfahren keinen einzigen hieb- und stichfesten Beleg liefern können. Damit kam für das Gericht weder eine verminderte Schuldfähigkeit noch die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt in Frage.

    Stand der Dinge beim Verfahren in Koblenz

    Offen ist indes, ob es zu einem weiteren Strafprozess in Koblenz (Rheinland-Pfalz) kommt. Wie die dortige Staatsanwaltschaft auf Nachfrage bestätigte, wird dort gegen den 57-Jährige ermittelt wegen eines Banküberfalls am 7. Juni 2018 auf die Filiale der Sparkasse Koblenz in Weißenthurm. Der Vorwurf hier: besonders schwerer Raub. Schlag 12 Uhr soll er unter Vorhalt einer Schusswaffe die Herausgabe von Bargeld gefordert haben – nach dem gleichen Muster wie in Lohr und Klingenberg. 

    Im Februar dieses Jahres hat die zuständige Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Koblenz auf Antrag der Staatsanwaltschaft Koblenz einen Untersuchungshaftbefehl erlassen, der jedoch nicht vollstreckt wird, solange der Beschuldigte sich wegen des Verfahrens in Aschaffenburg in Untersuchungshaft befindet. Ob in diesem Fall auch Anklage erhoben wird, ist fraglich. Die dortige Staatsanwaltschaft könnte das Verfahren im Hinblick auf die hohe Strafe in Aschaffenburg auch einstellen.

    Welchen Vorwurf die Staatsanwaltschaft hat fallen lassen

    Nachdem er im Oktober 2019 in seiner Wohnung bei Kaiserslautern gefasst worden war, hatte ihm die Staatsanwaltschaft ursprünglich sieben Überfälle angelastet. Einen Vorwurf hat die Staatsanwaltschaft inzwischen fallen lassen: Die Ermittlungen hinsichtlich eines zweiten Überfalls auf dieselbe Sparkassenfiliale in Weißenthurm am 5. Oktober 2018 hätten keinen Anfangsverdacht gegen den 57-Jährigen ergeben, teilte der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Koblenz mit. Von den sieben Fällen war dies der einzige gewesen, bei dem der Täter einen Ganzkörper-Maleranzug getragen hatte. Dieses Ermittlungsverfahren richtet sich jetzt laut Staatsanwaltschaft "weiterhin gegen Unbekannt".

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